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Kate Middleton : Ein Hochzeitskleid für die Ewigkeit

Vor dem Altar: Prinz William mit Kate und ihrem Vater Bild: AFP

Der Schleier ist gelupft: Das Königshaus hat einen neuen Stil. Und das Londoner Modehaus Alexander McQueen hat eine Zukunft. Denn mit Kates Brautkleid beginnt eine neue Zeitrechnung der königlichen Mode.

          Was für ein Unterschied! Als Lady Diana Spencer vor 30 Jahren Prinz Charles heiratete, sah sie aus wie ein überdimensioniertes Bonbon. Die Puffärmel kannten keine Grenzen, die Halskrause war mit Schleifen und Rüschen ins Absurde verkitscht, der Taft wölbte sich wie im Barock, überall lugte Spitze hervor, und die mit 10 000 Pailletten bestickte Schleppe war acht Meter lang. Im Vergleich zu diesem Pomp sah Sue Ellen von „Dallas“ aus wie eine Ikone des Minimalismus. Eine Ehe, an deren Beginn ein solches Hochzeitskleid stand, konnte nur schrecklich enden.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Und nun das. Beziehungsweise erst einmal: Das nicht. Denn kaum etwas wurde vor diesem Tag so gut in ein Geheimnis gehüllt wie dieses Kleid. Lindka Cierach, die 1986 die Brautrobe für Sarah Ferguson entwarf, klebte damals die Fenster ihres Ateliers mit Alufolie zu, um neugierige Fotografen abzuwehren. David und Elizabeth Emanuel, die damals Lady Diana verunstalteten, hatten das Kleid in einem Safe deponiert – Neugierige hatten sogar die Abfalleimer vor dem Haus durchsucht, um aus der Farbe der Fäden Rückschlüsse auf das Kleid zu ziehen. Das Modehaus Alexander McQueen hütete das Geheimnis ebenfalls bestens. Erst in der Nacht zum Freitag enthüllten Twitterer, dass Chefdesignerin Sarah Burton heimlich das Hotel „The Goring“ aufsuchte, in dem Kate Middleton mit ihrer Familie die letzte Nacht in unverheiratetem Zustand verbrachte.

          Anschluss an die stilvolle Nachkriegszeit

          Und dann das. Als Kate Middleton am Freitag um genau elf Uhr Ortszeit vor Westminster Abbey aus dem Wagen stieg, begann eine neue Zeitrechnung der königlichen Mode. Denn dieses Kleid mit Schleier und Schleppe gab sich nicht – größte Gefahr bei Brautkleidern – dem Kitsch hin. Vielmehr suchte es mit dem schlichten Schnitt, den langen Falten (die sich im Schleier fortsetzten), den Spitzenstickereien und der nur rund 2,70 Metern langen Schleppe Anschluss an die stilvolle Nachkriegszeit – nämlich die Hochzeit Königin Elisabeths II. im Jahr 1947 und die Hochzeit Grace Kellys im Jahr 1956.

           William steckt seiner Braut den Ring an

          Die Spitze wurde unter Aufsicht von Sarah Burton von der Royal School of Needlework im Hampton Court Palace handgearbeitet und in der aus den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts stammenden irischen Carrickmacross-Technik appliziert. Die Distel-, Rosen-, Narzissen- und Kleeblatt-Stickereien aus englischer Cluny- und französischer Chantilly-Spitze werten die elfenbeinfarbene Seide auf. Wegen der unterschiedlichen Herkunft der Seide lag viel Arbeit darin, die Farben gleichmäßig zu halten. Die Falten des Seidenkleides sollen an eine sich öffnende Blume erinnern. Sogar an die viktorianische Zeit und damit an legendäre Entwürfe Alexander McQueens selbst schließt das am Rücken mit 58 Knöpfen befestigte Brautkleid mit der schmalen Taille und der betonten Hüfte an. Das ganze Raffinement erschloss sich dem Publikum nicht einmal: Auch der Seiden-Unterrock war mit Cluny-Spitze bestickt. Wenn die Ehe so minimalistisch geläutert und phantastisch gearbeitet ist wie dieses Kleid, dann wird sie lange halten.

          Die spießige Vergangenheit der königlichen Garderobe ist endlich vorbei

          Allerdings wirkt der Gesamtlook trotz der nur mit Spitze bedeckten Schulter traditionell. „Vom Haus McQueen hätte ich einen Hauch mehr Avantgarde erwartet“, sagt Johanna Kühl („Kaviar Gauche“), eine der besten deutschen Brautmode-Designerinnen. Schleier seien gerade à jour, der Schnitt sei wunderbar. „Aber mit alter Spitze hätte man den Look über den Vintage-Effekt gebrochen.“

          Dennoch: Die spießige Vergangenheit der königlichen Garderobe ist endlich vorbei. Die Familie hatte sich immer an bewährte Namen aus dem feinen Mayfair wie Norman Hartnell oder Hardy Amies gehalten. Zu Queen Mum und der Königin passte das perfekt. Aber fast vier Jahrzehnte nach Vivienne Westwoods Punk-Mode, zwei Jahrzehnte nach Prinzessin Dianas gekünstelt wirkendem Dior-Chanel-Armani-Label-Look war es an der Zeit, dass auch einmal das East End, die Heimat Alexander McQueens, zu Ehren kam.

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