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Britanniens Monarchie : Die Bastion

Die Abtei von Westminster: Das Bauwerk bewahrt die historische Substanz einer ganzen Nation auf Bild: dpa

Churchill fürchtete, durch die Fernsehübertragung der Königskrönung werde die Monarchie ihres Mysteriums beraubt. Das ist längst passiert - woran das Fernsehen den geringsten Anteil hatte. Doch wirkt die Institution gefestigter denn je.

          König Heinrich VIII. hat kein einziges Mal in der Abtei von Westminster geheiratet - obwohl er doch sechs Mal dazu Gelegenheit gehabt hätte. Allerdings waren königliche Trauungen zu seiner Zeit in England nicht so eine große Sache: Heinrich verlobte sich mit seiner dritten Braut (Jane Seymour) gleich am Morgen nach der Hinrichtung seiner zweiten Gattin (Anne Boleyn). Aber die Königskrone hat auch der bekannteste englische König vor rund 500 Jahren in der Stiftskirche von Westminster entgegengenommen, auf ebenjenem Mosaikfußboden, auf dem an diesem Freitag der künftige Thronanwärter William und seine Braut Catherine (genannt Kate) vor dem Hochaltar den Trauungssegen empfangen werden.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Als Krönungskirche kann die Abtei mit Stolz auf eine lückenlose historische Gästeliste blicken, die vom letzten Angelsachsen, Harold Godwinson, über Wilhelm den Eroberer (1066) bis zur regierenden Königin Elisabeth II. (1953) reicht. Als Schauplatz von Hochzeiten geriet sie mit dem Ende des Mittelalters außer Gebrauch. Nach der Eheschließung von Richard II. - der auch eine blendende Erscheinung als Bräutigam gewesen sein soll - mit seiner Braut Anna von Böhmen im Jahre 1386 entstand eine Pause, die bis ins frühe zwanzigste Jahrhundert dauerte. Erst 1919 betrat wieder ein britisches Königskind zur Trauung die Abtei: Es war Prinzessin Patricia von Connaught, die durch den zusätzlichen Hinweis identifizierbar wird, dass es sich bei ihr um eine Enkelin Königin Victorias handelte (und um die Tochter einer preußischen Prinzessin). Patricia war lange als mögliche Partie für den spanischen König oder den portugiesischen Thronfolger im Gespräch gewesen, ehelichte dann aber doch nach dem Ende des Ersten Weltkriegs einen britischen Admiral.

          Die Abtei hat folgerichtig an Bedeutung gewonnen

          Die gotische Kalksteinkirche kann sich von ihren Dimensionen her nicht recht messen mit den Sakralbauten in anderen Königreichen, die als dynastische Kulissen dienten; die Abtei wirkt kleiner als die Kathedrale in Reims (obwohl genau die den englischen Baumeistern im 13. Jahrhundert als Vorbild diente), als der Prager Veitsdom oder der Wiener Stephansdom. Sie erregt auch wegen ihrer Lage weniger Aufsehen, hält sich eher am Rand eines Platzes, der überdies nicht nach ihr oder nach ihrem Stiftungsheiligen (St. Peter), sondern nach dem Parlamentsbau schräg gegenüber benannt ist - und das Parlamentsgebäude stellt in seinem neogotischen Prunk die schlichten gotischen Fassaden der Abtei seit eineinhalb Jahrhunderten noch stärker in den Schatten.

          Mit Kamera: Hochzeitsvorbereitungen vor der Statue Königin Viktorias

          Aber es gibt doch kein anderes Bauwerk in Europa, das als Schatulle die historische Substanz einer Nation so vollständig aufbewahrt wie die Abtei von Westminster. Sie ist, als Schauplatz, als Grablege, als Museum, das vollständige Album der englischen - und später britischen - Monarchie. Sie beherbergt Königsgräber (wiederum: Heinrich VIII. ist anderswo, in Windsor, begraben), aber auch das Grabmal des Unbekannten Soldaten. Das ist an der auffälligsten Stelle, im Mittelgang des Kirchenschiffs, in den Fußboden eingelassen. Die Königinmutter Elisabeth, also die Urgroßmutter Prinz Williams, hat bei ihrer Trauung im Jahre 1923 die Tradition begründet, dort beim Auszug aus der Kirche den Brautstrauß abzulegen.

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