https://www.faz.net/-2a7-awr

Alltag bei William und Kate : Ein kleines Reich, vorwiegend neblig

Nicht in die Flitterwochen, sondern auf die Insel Anglesey (unser Bild) kehren William und Kate nun zurück Bild: REUTERS

Ihre ersten drei Jahre als Eheleute werden Prinz William und seine Catherine auf einer verschlafenen kleinen Insel in Wales verbringen - allein miteinander, ohne Dienstboten oder Haushaltshilfen.

          Das erste Reich Ihrer Königlichen Hoheit ist übersichtlich klein; es misst 40 Kilometer in der Länge, 30 in der Breite, besteht aus Feldern, Farmen, Stränden, Klippen und einer Handvoll Badeorten. Die beeindruckende Bergkette des Mount Snowdon, die sich am Horizont erhebt, gehört schon zum walisischen Mutterland, von der Insel Anglesey trennt sie eine gewundene Meerenge.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Kate Middleton, die Catherine aus dem einstigen bürgerlichen Leben, ist ja auf dem Lande groß geworden und hat oft beteuert, sie liebe es, draußen zu sein, also outdoorsy, wie das in den Kreisen finanziell gutbesohlter Gummistiefel- und Barbourjackenträger knapp bezeichnet wird. Aber das gewohnte „Draußen“ aus Catherines Jugend mit den sanften grünen Hügeln der wohlhabend gepflegten Grafschaft Berkshire ist auf Anglesey nicht wiederzufinden. In ihrer neuen Heimat prägt der Wind die Landschaft: der Westwind, der die Brandungswellen der irischen See gegen die Klippen schlägt, der oft den Nebel aufs Land trägt und der die Büsche und Straßenbäume alle Richtung Osten frisiert, so dass sie den Eindruck machen, als wollten sie so schnell wie möglich fliehen von diesem Ort, wenn sie nur könnten.

          Die Länder unter der britischen Krone hätten durchaus andere, harmonischere Inseln geboten, um ein frisch vermähltes Prinzenpaar zu beherbergen; die Isle of Wight etwa, in deren mildem Klima Königin Victoria einst ihre Ferien genoss. Catherine aber ist veranlasst gewesen, der Wahl ihres Ehemanns zu folgen. Und Prinz William legte zwei Maßstäbe an bei der Bestimmung seines ersten eigenen Wohnsitzes: seinen privaten Beruf und seine private Ruhe.

          Die beiden verschieben ihre Hochzeitsreise

          Und nach beiden Kriterien fühlt sich der Oberleutnant William Wales, Copilot eines gelben Seaking-Rettungshubschraubers, auf Anglesey wirklich zu Hause. Die anderen Piloten und die Crewmitglieder, die mit ihm auf dem Fliegerhorst RAF-Valley nahe dem Fährhafen Holyhead stationiert sind, spiegeln in ihren eigenen Mienen und Gesten förmlich Williams Zufriedenheit. Gewiss, es gibt manche, die loben als Erstes die vierspurig ausgebaute Schnellstraße A 55, die einen in einer Stunde nach Chester bringe, in zwei Stunden nach Manchester oder Birmingham. Aber die meisten Männer sind erstens erfüllt vom Stolz auf ihre Aufgabe und zweitens auch der Gegend zugetan: „Wenn es keinen Sturm gäbe und keinen Nebel, dann würden wir hier ja nicht gebraucht“, stellt Oberleutnant Andy Doyle fest, einer der Ausbilder Prinz Williams, der seinem Schüler alle Fähigkeiten im Übermaß bescheinigt, die ein Rettungspilot braucht: „Neugierde, Auffassungsgabe, Ruhe und Übersicht.“ Und Rettungsflieger sein, das sei doch überhaupt das Schönste, schon eine Berufung sozusagen, man sei Offizier, könne fliegen und außerdem noch Menschen helfen (statt sie tödlich zu bedrohen, hätte der Oberleutnant hinzufügen können, aber er glaubte sicher, schon genügend verstanden worden zu sein). Und es gebe einige Piloten, die ließen sogar lieber ihr Anrecht auf eine Beförderung zum Hauptmann (und damit den Wechsel auf einen anderen Dienstposten) verfallen, um länger bei der Rettungsstaffel bleiben zu können.

          Hubschrauberbilder und Meeresrauschen

          Das ist also William Wales' Welt: die Einsatzstelle mit den Schlafräumen für die 24-Stunden-Schicht, ein paar Spinde auf dem Flur, Besprechungsraum mit Hubschrauberbildern an den Wänden, draußen das zementierte Vorfeld, links ein paar Dünen, dahinter hörbar das Meer. In Richtung Parkplatz noch die Kantinenbaracke, die an diesem Mittag „Spaghetti Carbonara mit Bacon und Pommes“ im Angebot hat. Dann die Crewkollegen, fast alle schlaksige große Gestalten in dunkelgrünen Flieger-Overalls, selbstbewusst und so selbstironisch, dass manche ihren Spitznamen in der Namenszeile auf der Uniform tragen (immerhin in Anführungszeichen); der Geschwaderführer heißt deswegen „Spike“ Wright. Er ist der Dienstvorgesetzte Prinz Williams. „Als neulich die Königin zu Besuch auf die Basis kam, musste ich darauf achten, dass auch bei Oberleutnant Wales die Stiefel glänzten“, sagt „Spike“. Er grinst gleich und winkt ab: Es ist bloß ein Witz gewesen - aber vielleicht doch auch ein Beispiel für den Umgangston. Ein Rettungssanitäter, der mitunter zu Williams Crew gehört, erzählt, sie hätten vor der Prinzenhochzeit auch ein paar Souvenirs erstanden, Tassen, Kissen, Geschirrtuch, alle mit dem Bild des Brautpaares, und sie im Aufenthaltsraum drapiert. William sei erst etwas genervt gewesen, aber dann habe er doch gelacht.

          Weitere Themen

          80 Jahre verheiratet

          Charlotte und Ludwig Piller : 80 Jahre verheiratet

          Charlotte und Ludwig Piller haben am 12. September 1939 geheiratet – zwölf Tage nach Kriegsbeginn. Der Zweite Weltkrieg stellte das noch junge Paar auf die Probe. Jetzt feiern sie Eichenhochzeit.

          Topmeldungen

          Plan für Klimaneutralität : Die Stunde der Klimaretter

          Am Freitag will die Regierung den Plan für ein klimaneutrales Deutschland beschließen. Was kommt da auf uns zu? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

          Geringer Inflationsdruck : Amerikanische Notenbank senkt Leitzins abermals

          Wegen der unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung der Vereinigten Staaten hat die amerikanische Notenbank Fed ihren Leitzins zum zweiten Mal in Folge um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Die Notenbanker fassten den Beschluss jedoch nicht einstimmig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.