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Tennis-WM : Federers erfolgreiches Jubiläum

  • -Aktualisiert am

Mal wieder im Konfetti-Regen: Roger Federer Bild: AFP

Mit 18 Jahren bestritt der Schweizer sein erstes Finale auf der ATP-Tour – und verlor. Am Sonntag in London stand er zum 100. Mal in einem Endspiel – und gewann seinen 70. Titel. Der starke Jo-Wilfried Tsonga konnte ihn im Endspiel nicht stoppen.

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          Es wäre die Gelegenheit für eine dreistöckige Torte gewesen, dekoriert mit einer ganz besonderen Zahl. Oder – besser noch – mit einer für jedes Stockwerk: 100, 70 und 6. Doch der Reihe nach: Am Sonntagabend in London spielte Roger Federer im 100. Finale seiner Karriere und stellte fest: „Das ist echt eine unglaubliche Zahl.“ „Nicht schlecht, oder?“ Aber es kam noch besser: Er gewann auch noch – 6:3, 6:7 (6:8), 6:3. Und kurioserweise stand ihm in dieser historischen Partie derselbe Mann gegenüber wie kürzlich im 99. Endspiel und wie am Sonntag zuvor im ersten Gruppenspiel des ATP-Finales – der Franzose Jo-Wilfried Tsonga.

           Blaue Tage für Roger Federer: Dem 100. Finale sollen noch viele folgen

          Das Jubiläum allein hätte schon gereicht, aber Federer fügte seiner sportlichen Vita an diesem letzten Tag im blauen Wunderland der O2 Arena eine weitere runde Zahl hinzu – den 70. Titel. Und stellte obendrein einen Rekord beim Jahresturnier der besten Acht auf: Er gewann es zum sechsten Mal und überholte damit Ivan Lendl und Pete Sampras (je fünf Siege). Aber das ist noch nicht alles: Mit 30 Jahren ist Federer zudem der älteste Sieger des früher als Masters und ATP-WM bekannten Turniers. „Ich könnte nicht kaputter sein, und ich könnte nicht glücklicher sein, dass die Saison so zu Ende geht“, sagte der Schweizer bei der Siegerehrung.

          Eine weitere Kuriosität: In den nunmehr sieben Endspielen beim Masters Cup und den ATP-Finals spielte er jedes Mal gegen einen anderen Gegner. 2003 war es Andre Agassi, 2004 Lleyton Hewitt, 2005 David Nalbandian, 2006 James Blake, 2007 David Ferrer, im vergangenen Jahr Rafael Nadal und diesmal nun Tsonga. Mit dem Finale endete jedenfalls die sechs Wochen dauernde Phase auf Platz vier der Weltrangliste; nach dem letzten Turnier des Jahres steht Federer in der abschließenden Ausgabe 2011 wieder vor Andy Murray auf Platz drei.

          Man kann ihm wohl glauben, wenn er sagt, drei oder vier – das mache aus seiner Sicht keinen großen Unterschied. Die anderen Zahlen des Wochenendes haben mehr Gewicht. Hundert Finals. Hundert Mal Magendrücken, Nervosität und heftiges Verlangen, die Sache nicht zu vergeigen. Er musste nur kurz die Gedanken sortieren, als er gefragt wurde, welche Erinnerungen er an sein erstes Finale auf der ATP-Tour habe. Das fand am 13. Februar 2000 beim Hallenturnier in Marseille statt, und der Gegner war ein Landsmann, Marc Rosset, Olympiasieger des Jahres 1996. Federer war 18 Jahre alt damals, hatte die Saison zuvor als jüngster Spieler unter den Top 100 abgeschlossen und galt als großes Talent.

          Tränen und Beifall

          Rosset sei damals für ihn so etwas wie ein großer Bruder gewesen, sagt Federer, und er sei furchtbar nervös gewesen vor der Premiere. Hinterher, nach der Niederlage im Tiebreak des dritten Satzes, war er kaum zu trösten. Er hat den Dialog, der sich damals entspann, noch ziemlich gut im Kopf. „Ich werde nie ein Turnier gewinnen, nie“, klagte er, wovon Rosset nichts hören wollte und entgegnete: „Doch, doch. Wirst du.“ Wieder Federer, kleinlaut: „Ich hoffe. Ich hoffe.“Knapp ein Jahr später wusste er, dass Rosset recht gehabt hatte; im Endspiel des Turniers von Mailand gewann er Ende Januar 2001 mit einem Sieg gegen den Franzosen Julien Boutter den ersten von vielen, vielen Titeln.

          Als er nach dem Zweisatzsieg am Samstag im Halbfinale gegen den am Ende sichtlich müden David Ferrer (7:5, 6:3) im Halleninterview auf das bevorstehende Jubiläum angesprochen und die Zahl 100 erwähnt wurde, wollte der Beifall auf den Rängen lange nicht enden; er sah und hörte es sichtlich gerührt. Wie so oft. Am Anfang seiner Karriere habe er nach Niederlagen Tränen vergossen, sagt Federer, später habe er auch Freudentränen geweint. So wie nach dem Sieg in ersten Wimbledonfinale, 2003, das er nach langem Nachdenken nennt, als es darum geht, für welches der hundert Spiele er sich entscheiden würde, wenn er nur eines aussuchen dürfte.

          Die Liste wird noch nicht geschlossen, und es ist auch nicht so, dass es keine Ziele mehr gäbe. Zwei der vier Mitglieder des ruhmreichen Klubs der Hunderter kann er noch erreichen: Den Argentinier Guillermo Vilas, der 104 Mal in einem Finale spielte, und John McEnroe (108). Um die beiden Spitzenreiter zu verdrängen, müsste Meister Federer aber vermutlich weitermachen, bis seine Zwillingstöchter zur Tanzstunde gehen. Da stehen Jimmy Connors (163) und Ivan Lendl (146) mit Werten, die nicht mit Zuckerguss auf Torten geschrieben wurden, sondern in Stein gemeißelt sind.
           

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