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Technologie : Techaktien schweben über den Wolken

  • -Aktualisiert am

Computer, Chips und Software sind wieder gefragt. Die Gewinne der Firmen sehen gut aus. Aber vielleicht nicht gut genug. Denn die Kurse sind viel zu weit oben.

          3 Min.

          So manchem Anleger wird langsam mulmig. Die Kursrally der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq läuft nun schon seit dem 9.Oktober 2002. Seither gewann das Barometer gut 90 Prozent, der Merrill Lynch Tech 100 Index, ein wesentlich akkuraterer Maßstab für die Branche, schoß um knapp 160 Prozent hoch. Einstige Pleitekandidaten wie Nortel Networks zogen weit mehr als 1000 Prozent an. Die Charts von Internetaktien wie dem Auktionshaus Ebay oder dem Buchhändler Amazon sehen beinahe beängstigend aus.

          Klarer Fall: Die Kurse sind schneller gelaufen als die Gewinne. Wie lange das noch so weitergeht? Antwort auf diese Frage suchen Investoren in den Bilanzzahlen für das vierte Quartal, die in diesen Tagen veröffentlicht werden. Daß die Daten gut ausfallen, daran besteht kein Zweifel. Aber sind sie gut genug, um oftmals schwindelerregenden Kursen einen neuen Schub zu verleihen?

          Ergebnis beachtlich

          Mit Apple Computer, Intel, Yahoo und IBM haben in der vergangenen Woche gleich vier Schwergewichte frische Zahlen vorgelegt. Das Ergebnis ist beachtlich: Bei Apple schnellte der Quartalsgewinn auf 63 Millionen Dollar, zwölf Monate zuvor wurden noch Verluste verbucht. Intel verdoppelte im vierten Quartal den Gewinn auf 2,17 Milliarden Dollar. Und Yahoo legte von 46,2 auf 75 Millionen Dollar zu. Trotz der gewaltigen Sprünge standen die Aktien der drei unter Druck: Zwar wurden die hochfliegenden Erwartungen der Anleger erfüllt, sie zu übertreffen gelang jedoch nicht.

          Anders bei IBM. Der größte IT-Konzern der Welt verdreifachte im vierten Quartal überraschend den Gewinn auf 2,71 Milliarden Dollar. Die Aktie kletterte auf ein neues Zwölf-Monats-Hoch. Auch der Ausblick klang vielversprechend. Big Blue "ruft damit praktisch die Wende bei den Investitionen der Unternehmen aus", jubelt Steven Milunovich, Technologieanalyst bei Merrill Lynch.

          Gute Gründe

          Für die glänzenden Gewinne, die viele Internet-, Computer- und Softwareunternehmen präsentieren, gibt es gute Gründe: Im vierten Quartal 2002 beherrschte die Angst vor dem Irak-Krieg die Märkte, die Geschäfte liefen schlecht. Seither zog die Konjunktur kräftig an. Das schwache Vergleichsquartal bereitet eine solide Basis für eine Rekord-Berichtssaison. Zugleich sind viele Firmen in der Krise schlanker geworden, um so stärker springen jetzt die Gewinne an. Und nicht zuletzt profitieren die amerikanischen Konzerne vom schwachen Dollar.

          Bei den Konsumenten wächst das Interesse an Laptops, DVD-Rekordern, Flachbildschirmen oder Digitalkameras. Die Nachfrage ist weitaus größer, als sich das Analysten noch vor einem Jahr hätten träumen lassen. Pip Coburn, Technologiestratege von UBS, erwartet für 2004 ein Umsatzplus von elf Prozent bei PCs wie im Vorjahr. Der Renner dürften Notebooks sein mit 25 Prozent Zuwachs.

          Unternehmen halten sich mit IT-Investitionen bislang allerdings zurück. Viele Chefs zögern, neue Computer anzuschaffen oder die Programme zu modernisieren, solange es die alten noch tun. Das gilt sogar für die Technologieunternehmen selbst. Coburn schätzt, daß die IT-Ausgaben der Betriebe 2004 nur um gut fünf Prozent zunehmen werden. Sollen die Gewinne der Techs um 20 Prozent steigen, wie viele Analysten meinen, müßte die Nachfrage auf Unternehmensseite viel stärker anziehen. Auch ein schwacher Dollar könnte ein Motor für höhere Gewinne sein.

          Höhere Gewinne dringend nötig

          Und höhere Gewinne sind dringend nötig, um die teuren Aktienkurse zu rechtfertigen. "Die Bewertungen sind überzogen", warnt Laura Conigliaro von Goldman Sachs. "Die Gier hat zugenommen, die Angst hat abgenommen." Und das klingt noch zurückhaltend. Die Techaktien im S&P 500 sind doppelt so teuer wie der breite Markt. Die Papiere werden zum 34fachen des für 2004 erwarteten Gewinns gehandelt, vor der High-Tech-Blase galt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 24 als das höchste der Gefühle. Besonders übertrieben haben die Börsianer bei Chipaktien, die mit einem KGV von 40 schon wieder abenteuerlich bewertet sind. In Europa sieht es nicht besser aus.

          "Technologieaktien sind nicht mehr günstig", sagt Jörg Prüssmeier, der für JP Morgan den Aktienhandel in Deutschland leitet. SAP ist mit einem KGV von knapp 40 längst kein Investment mehr. Chipbauer Infineon ist zwar günstig. Aber welcher Anleger setzt auf ein Unternehmen, das Kapital vernichtet, seit es an der Börse ist?

          Die Jagd ist zu Ende

          Mit ihrer stolzen Bewertung haben High-Tech-Aktien keine Chance, die Kursjagd aus dem Vorjahr ungebremst fortzusetzen. Kurzfristig gibt es zwar kaum zwingende Gründe, zu verkaufen. Die Stimmung für die Branche ist gut. Insider erwerben sogar erstmals seit langem wieder verstärkt Aktien des eigenen Unternehmens, wenn auch in bescheidenem Maß. Doch selbst wenn der Rally der Atem so schnell nicht ausgeht, wird die Luft längst nicht für alle Tech-Aktien reichen.

          "Wir haben Internetaktien untergewichtet", sagt Merrill-Lynch-Analyst Milunovich. "Hard- und Software sind jetzt übergewichtet." Er setzt verstärkt auf Firmen mit großem Börsenwert. Hier kommen Aktien wie Dell, HP, Lexmark, IBM, Apple oder Microsoft ins Spiel, die im vergangenen Jahr mit dem rasanten Tempo der Nasdaq nicht Schritt halten konnten. Damit fahren Investoren besser, wenn die Unternehmen tatsächlich ihre Technologie-Investitionen aufstocken. Und es tut nicht ganz so weh, wenn der Nasdaq-Index bald an die Decke stößt. Nach dreistelligen Kursgewinnen ist das Risiko allerdings groß.

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