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Zeppelin NT : Der fliegende Entschleuniger

  • -Aktualisiert am

Fliegen ist schöner im Zeppelin. Impressionen von unserer Reise, festgehalten von Reuters-Fotograf John Schults Bild: REUTERS

Wer mit einem Zeppelin NT fährt, darf es nie eilig haben. Er ist langsam und etwas schwerfällig. Aber er versetzt alle Sinne seiner Passagiere in Verzückung.

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          Das an-Bord-Gehen geschieht immer paarweise. Wer hier als Single in der kleinen Warteschlange auf dem Gelände des Flughafens Friedrichshafen steht, bekommt eben einen Partner zugewiesen - zumindest fürs Einsteigen. Denn um das fragile Gleichgewicht des Zeppelins nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen, dürfen auf je zwei aussteigende Gäste immer nur je zwei Passagiere in die Kabine klettern. Dann heißt es anschnallen und erst einmal durchatmen. Anders als in den eng bestuhlten Kabinen moderner Passagierflugzeuge finden sich hier an Bord opulente Raum- und Sichtverhältnisse. Jeder der zwölf Passagiere hat einen Platz am Fenster, und diese sind keine kleinen Bullaugen, sondern riesige Scheiben, durch die fast ein Rundumblick möglich ist.

          Aber das Allerbeste: Hat der Zeppelin NT nach dem Abheben und einem kurzen steilen Steigflug seine Reiseflughöhe von 1000 Fuß über Grund, also etwa 330 Meter erreicht, darf sich jeder Fluggast frei in der Kabine hin und her bewegen. Fast schon eine Art Separée befindet sich im Heck der Passagierkabine: Eine Sitzfläche für zwei Personen mit Panoramascheibe lässt einen atemberaubenden Blick auf das Heck des Luftschiffs oder direkt in die Tiefe zu. Kein Wunder, dass in dem kurzen Einführungsfilm vor dem Flug ein früherer Kommandant davon schwärmt, dass das Luftschiff die schönste Art des Reisens sei. Wer einmal Zeppelin geflogen ist, wird ihm beipflichten. Schließlich ist die Sicht unvergleichlich, die drei Propellermotoren sind kaum zu hören, und in welchem Luftfahrzeug ist es sonst erlaubt, unterwegs das Fenster aufzumachen?

          Überall starten und landen

          Eile und Hektik fallen von den Passagieren ab, jeder der Fluggäste steht an einem Fenster und beobachtet fasziniert die Landschaft, die wie in einem Film langsam unter dem Luftschiff vorbeizeiht. Der Pilot auf diesem Flug, Oliver Jäger, kommt ursprünglich aus der Hubschrauberfliegerei. Denn Zeppelinfliegen kann man nicht wie beim Segel-, Motor- oder Helikopterflug von der Pike auf erlernen, sondern man muss als Pilot quasi umsteigen. Deshalb bildet die Zeppelin-Reederei in Friedrichshafen auch Luftschiff-Führer aus. Diese müssen aber bereits eine Berufspilotenlizenz mitbringen, entweder für Flugzeuge oder Hubschrauber. Derzeit sind sechs Piloten fest angestellt. Sie steuern einen in Friedrichshafen stationierten Zeppelin NT, wobei das NT für Neue Technologie steht, und ein Schwesterschiff, das normalerweise im Ausland operiert.

          Bei geeignetem Wetter wird an sieben Tagen in der Woche geflogen. Zusätzliche Piloten werden normalerweise dann ausgebildet, wenn ein Zeppelin NT verkauft oder verleast wird und für diesen neue Flugzeugführer geschult werden. Helikopterpiloten tun sich nach Auskunft von Fritz Günther, Chefpilot bei der Zeppelin Luftschifftechnik, etwas leichter mit der Umschulung auf das Luftschiff, weil sie mit dem Hovern, also stationärem Schweben über einem Punkt oder sogar Rückwärtsfliegen, bereits vom Hubschrauber her vertraut sind. Das kennen Piloten von Flugzeugen in dieser Form nicht. Allerdings hat der 75 Meter lange und fast 18 Meter hohe Zeppelin ohnehin seine eigenen fliegerischen Besonderheiten. Er ist weniger wendig als andere Fluggeräte, weshalb man sehr vorausschauend fliegen muss. Der Zeppelin NT kann quasi überall starten und landen. Aber er kann nicht ohne speziellen Ankermast über Nacht auf einem fremden Flugplatz stationiert bleiben.

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