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: Zeitlose gute alte Zeit

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Angenommen, Mercedes-Benz oder BMW würde einen Retro-Roadster kreieren. Und damit der nicht nur von außen wie ein 328er oder SSK der Vorkriegszeit aussähe, bekäme er hinter der Windschutzscheibe offenliegende Scheibenwischermotoren mit Einzeldrehschaltern.

          Angenommen, Mercedes-Benz oder BMW würde einen Retro-Roadster kreieren. Und damit der nicht nur von außen wie ein 328er oder SSK der Vorkriegszeit aussähe, bekäme er hinter der Windschutzscheibe offenliegende Scheibenwischermotoren mit Einzeldrehschaltern. Ungefähr so hat Leica das Modell MP gestaltet: Längst erreichte Fortschritte wurden aufgegeben. Das geschah natürlich keineswegs nur, um den Leica-Sammler davon zu überzeugen, daß er für ein weiteres Modell der klassischen Meßsucherkamera-Familie sparen müsse. Vielmehr sollte sich die Reduzierung in Robustheit auszahlen: So unverwüstlich wie eine M3 sollte die neue MP sein, so mechanisch wie eine M6, aber eben doch auch wieder ein klitzekleines bißchen anders - so retro eben. Wir wollen uns nicht in den Verästelungen der Leica-Geschichte verlieren, aber es gab 1956 bis 1958 schon eine Leica MP: nur rund 400 heute rare Exemplare der M3 mit Merkmalen der M2 und dem Schnellaufzug Leicavit im Kameraboden.

          Objektiv betrachtet, bietet die aktuelle Leica MP nicht nur weniger als das Modell M7 mit seiner Zeitautomatik, die MP bereitet mit Kleinigkeiten wie dem kurbellosen Rückspulknopf auch mehr Umstand. Aber ob das Mehr der Zeitautomatik praktisch so notwendig war, wie diese Automatik vielleicht für die Modellpolitik geboten war, haben wir schon bei der Vorstellung der M7 (F.A.Z. vom 4. Juni 2002) bezweifelt. Wer die Leica MP (Gehäusepreis: 3000 Euro) wählt, mag auch dieser Ansicht sein, hätte vielleicht, wenn es sie denn noch gäbe, eine M6 genommen, und er wird im Vergleich zu ihr nichts vermissen. Allenfalls findet er Gefallen daran, daß die MP noch ein wenig zurückhaltender im Auftritt ist: Der gerade Rückspulknopf und der gelenklose Aufzugshebel - sie sind nicht nur bruchsicherer, so die offizielle Begründung. Sie fügen sich auch besser in die Ästhetik der schlichten Funktionalität, genauso wie der Verzicht auf den modernen Leica-Schriftzug und den roten Punkt auf der Front. Unverkleidet macht sich da die Justierschraube des Meßsuchers gut.

          Derartig bei Äußerlichkeiten und Kleinigkeiten zu verharren, das kommt nicht von ungefähr. Denn im praktischen Gebrauch ist die - eben total retro - schwarz lackierte MP einfach das, was wir von einer M-Leica erwarten und von der nicht mehr gebauten M6 kannten: die Lichtwaage zur Belichtungsmessung, der diskret schnappende Schlitzverschluß, das kompakt und angenehm schwer in der Hand liegende Oval des Gehäuses; alles. Alles, was bewegt wird, hat einen satten, samtweichen Gang. Und was man mit dem gewohnten Dreh ins M-Bajonett als Objektiv rasten läßt, ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben.

          Besonders stimmig wirkt an der MP das versenkbare Elmar 1:2,8/50mm, so kurz wie es ist. Wem das Rückspulen ohne Kurbel zu beschwerlich erscheint, kann einen Kurbelaufsatz als Extra haben. Und wer eine MP wie anno dazumal und keinesfalls den auch erhältlichen Elektromotor für den Filmtransport haben will, der kann sich wie in den Fünfzigern am mechanischen Leicavit-Aufzug versuchen. Eine ebenso putzige wie leise Lösung: Der Leicavit wird wie ein doppelter Boden angesetzt, den senkrecht nach unten ausgeklappten Hebel zieht man flott zur Seite. Ganz Geschickte können mit ihm so flink transportieren wie ein Winder und haben noch die Einstellfinger für die Objektivringe frei. Sie hatte doch etwas, die gute alte Zeit, die wieder so in Mode ist. HANS-HEINRICH PARDEY

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