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Zahlungsdiensterichtlinie : EU gegen die Banken

  • -Aktualisiert am

Mit der neuen Zahlungsdiensterichtlinie der EU werden die Banken gezwungen, Drittanbietern Zugriff auf Kontodaten zu gewähren. Mehr Disruption ist kaum denkbar.

          Wenn ein Start-up auf die Idee käme, von Google oder Facebook die Herausgabe bestimmter Nutzerdaten zu verlangen, um diese in eigene Geschäftsmodelle zu integrieren, würde man das als Größenwahn abtun. Käme der jungdynamische Kleinbetrieb gar auf den Gedanken, von Volkswagen oder Mercedes-Benz Zugang zu den Diagnose- und Datenschnittstellen ihrer Fahrzeuge zu fordern, um mit leichter Hand die Motorsteuerung oder die Abgasreinigung umzuprogrammieren, spräche man von einem gefährlichen Eingriff in die Sicherheit des Straßenverkehrs. In einem Sektor sind solche Geschäftsmethoden jedoch erfolgreich. Obwohl es hier um private Daten, um Geld und um Sicherheit geht: Die Fintechs, die Finanz-Start-ups, brechen die Macht der europäischen Banken.

          Mit der neuen Zahlungsdiensterichtlinie der EU werden die Banken gezwungen, Drittanbietern Zugriff auf Kontodaten zu gewähren. Man übermittelt zum Beispiel an das höchst umstrittene System Sofortüberweisung seine Pin und eine Transaktionsnummer, damit dieses als Stellvertreter des Kunden eine Zahlung veranlasst. Und die Fintechs erhalten nebenbei einen umfassenden Einblick in die Bankdaten des Kunden wie Kontostand und Dispolimit. In Deutschland wird die EU-Richtlinie im kommenden Jahr nationales Recht. Die Banken sollen auch nicht verhindern können, dass Sofortüberweisung und andere Dienste Zugang zu vielen weiteren Kontoinformationen bekommen werden. Mehr Disruption ist kaum denkbar, rigider könnte man bestehende Geschäftsmodelle wohl nicht aufbrechen. Die EU will es so.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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