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Tech-Talk : Smarties

  • -Aktualisiert am

Wie beseitigt man Lastspitzen im empfindlichen Energienetz? Mit smarten Stromzählern. Schlimmstenfalls werden dann Verbraucher einfach ausgeknipst.

          1 Min.

          Das weiß ein kluger Vereinsvorsitzender: Heikle Punkte werden an den Schluss der Tagesordnung gesetzt, weil die Teilnehmer dann der Diskussionen überdrüssig sind. In der Politik ist das ähnlich, dort wurde direkt vor Weihnachten zwischen Corona und Brexit noch rasch ein Entwurf des Wirtschaftsministeriums eingebracht, der es in sich hat.

          Das Ungetüm heißt in der Kurzversion „Steuerbare-Verbrauchseinrichtungen-Gesetz“ und liest sich auf den ersten Seiten harmlos. Im Kern geht es um die überaus smarten Stromzähler, die allerorten eingebaut werden sollen, und was man damit anstellen kann. Weil sie als Spione im Haushalt beständig den aktuellen Bedarf melden, kann man damit nämlich Verbrauchsspitzen glätten. Wenn das über die Preise geschieht, ist dagegen im Grunde nichts einzuwenden, nur dass das smarte Meter ebenso smarte Stromverbraucher haben muss, mit denen es kommunizieren kann. Wie man bei heftig schwankenden Kosten den günstigsten Anbieter finden will, ist auch noch nicht heraus, es fehlen entsprechende Tarife.

          Deshalb taugt das Gesetz eher dazu, ferngesteuert Verbraucher auszuknipsen. Statt also wie bisher das Angebot der Nachfrage anzupassen, wollen die Energiewender es nun umgekehrt machen, aus Rücksicht auf Sonne und Wind, die sich nicht so steuern lassen wie Kraftwerke. Das erinnert böse an die Mangelverwaltung der Planwirtschaft. Was als Flexibilisierung verkauft wird, hat Folgen für die Haushalte. Mit etwas Pech steht die Waschmaschine, der Herd bleibt kalt, und wenn dem geliebten Elektroauto der Saft ausgegangen ist, wartet es an einer toten Ladesäule. Ist das Fortschritt?

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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