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Windows Phone : Die Beerdigung

  • -Aktualisiert am

Windows Phone 7 sollte eine spektakuläre Wende des Mobilfunkmarktes einleiten. Sieben Jahre nach seiner Geburt ist Schluss. Das mobile Betriebssystem von Microsoft ist tot.

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          Einem schneeweißen Leichenwagen folgten schwarz gekleidete Männer, die indes keinen Sarg trugen, sondern ein riesengroßes iPhone. Microsoft beerdigte seinen wichtigsten Mitbewerber, das Smartphone von Apple. Die Show fand im September 2010 auf dem Microsoft-Gelände im amerikanischen Redmond statt, der Anlass war die Geburt von Windows Phone 7, das eine spektakuläre Wende des Mobilfunkmarktes einleiten sollte.

          Sieben Jahre später ist Schluss. Nicht mit der Beerdigung, sondern mit Windows Phone, dem mobilen Betriebssystem von Microsoft. Es hat es bis zu einer Version 10 geschafft, nun wird die Entwicklung eingestellt. Es gibt weder Updates noch Unterstützung, selbst sicherheitskritische Lücken werden nicht mehr gestopft. Eine Epoche geht zu Ende. Mit Windows Phone und der Übernahme von Nokia im Jahr 2013 wollte Microsoft viel zu spät sein Engagement im Mobilbereich stärken. Windows Phone war vor der Version 7 ein leistungsfähiges Betriebssystem für Tüftler und Eingeweihte, die neue Kacheloberfläche machte fortan die Bedienung einfach.

          Nach der Übernahme von Nokia sollte Windows Phone das „dritte Pferd“ im Rennen der beiden großen Betriebssysteme werden und in diesem Jahr einen Marktanteil von 15 Prozent erreichen. Gute Hardware gab es zu Kampfpreisen, unter den Herstellern verteilte man Gratis-Lizenzen. Das alles war vergeblich. Das dritte Pferd war nur ein lahmer Gaul. Die Abwicklung von Nokia und Windows Phone hat Microsoft Milliarden Dollar gekostet und Zehntausenden Mitarbeitern den Job. Nach dem Tod des Blackberry-Betriebssystems bleiben nun nur noch zwei: Google Android und Apple iOS. Das ist schlecht für die Kunden, nicht nur weil Vielfalt und Wettbewerb fehlen. Die Smartphone-Welt versinkt im Einheitsbrei. Pfiffige Ideen können sich nur noch auf zwei Plattformen entwickeln; Macht und Abhängigkeit sind keine guten Gefährten für unkonventionelle Ansätze und frische Gedanken.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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