https://www.faz.net/-gy9-7qgv4

Haus und Wohnung : Wie man sich effektiv gegen Einbrüche schützt

Abus schließt schlau und smart
Abus schließt schlau und smart : Bild: Abus

Professionell gehen den zusätzlichen Schutz Unternehmen wie Abus oder Somfy an. Letzteres ist bekannt für seine Rollladensteuerung. Die kann Somfy über seine relativ günstige Tahoma-Steuereinheit (ohne Alarm oder ergänzt um die Protexial Gefahrenwarnanlage) anschließen und damit Anwesenheit simulieren. Rollläden fahren morgens hoch und abends runter, auf Wunsch auch via Smartphone-App. Zudem kann das System Deckenleuchten ansteuern und in verschiedenen Räumen Licht an- und ausschalten. Bewegungsmelder außen am Haus schließen die Rollläden, sobald sich jemand nähert. Wer Bewegungsmelder im Inneren einsetzt und ein Haustier hat, sollte darauf achten, dass sie tierimmun sind. Der Melder erkennt, ob Mensch oder Tier seine Strahlen kreuzt. Meistens. Hunde gelten als klar erkennbar, Katzen hingegen werden zum Tiger, wenn sie auf Möbel springen. Auch hier gilt wieder: Der Fachmann weiß, welches Gerät wo eingesetzt werden kann. Falschalarm gilt es zu vermeiden, er ist der Tod jeder Anlage. Erstens schauen die Nachbarn fortan weg, zweitens berechnet die Polizei je Einsatz ohne Einbrecher 125 Euro. Übrigens können Privatleute ihre Alarmanlage nicht direkt an die Polizei koppeln, das ist nur Banken oder Juwelieren erlaubt. Private Wachdienste fordern etwa 30 Euro Monatspauschale zuzüglich Einsatzgebühr. Aber auch die fahren mit angezogener Handbremse los, wenn „bei Müllers schon wieder Alarm ausgelöst wurde“.

Körperliche Unversehrtheit ist unbezahlbar

Profis wie Abus können aus dem Haus Fort Knox machen, aber schon unterhalb dessen lässt sich mit Magnetkontakt, Glasbruchmelder, Kamera, Sirene und Blitzer viel erreichen. Das Topsystem heißt Ultivest, es arbeitet mit aufwendiger Funktechnik und hat als Clou ein elektronisches Türschloss. Das Control-Key genannte Stück sitzt in der Haustür, ein Chip ersetzt den Schlüssel. Wer die Tür ordnungsgemäß öffnet, schaltet zwangsläufig die Alarmanlage ab. Falls einmal einer seinen Chip vergessen hat oder die Putzfrau nur auf Verlangen Zutritt haben soll, kann der Eigentümer über eine App auf seinem Smartphone die Tür für einige Sekunden fernentriegeln. Rundumschutz hat freilich seinen Preis, Spitzenanlagen wie diese können für ein Einfamilienhaus leicht 8000 Euro kosten.

Mit Sicherheit: Bublitz lässt mit seinem Alarm staunen
Mit Sicherheit: Bublitz lässt mit seinem Alarm staunen : Bild: Bublitz

In jedem Fall scheuen Hausbesitzer in der Nachrüstung Verkabelungen, nur im Neubau lassen sich Melder in Fensterrahmen und Wand unsichtbar integrieren. Deshalb arbeiten die meisten Anlagen mit über Funk verbundenen Meldern, was der Tüftler und Unternehmer Werner Bublitz für immer noch zu aufwendig und zudem für unsicher hält. Mit einem Störsender ließen sich die Anlagen ausschalten, meint er. Sein Einbrecherschreck ist ein nüchterner Kasten, der nur eine Steckdose braucht und irgendwo stehen kann. Das Gerät reagiert auf Veränderung von Druck und Resonanzfrequenz im Haus, wie sie typisch beim Aufhebeln entsteht. Einzige Bedingung: Alle Räume müssen über die Luft verbunden sein. Türen schmeißen sollte man freilich sein lassen. Das System klingt nach Hexenwerk, hat aber bei einer Vorführung zuverlässig funktioniert. Wir werden es einem längeren Test unterziehen und berichten.

Die Polizei unterstreicht indes: Alarmanlagen sind nur Zusatzschutz, der abschreckt, aber in der Regel erst wirkt, wenn schon eingebrochen ist. Die meisten Einbrecher, die drei Minuten Zeit haben, nehmen auch unter heulender Sirene mit, was sie kriegen können. Zu glauben, so erwische man Diebe, scheint auch Illusion zu sein. Wird Alarm ausgelöst, sind sie fast immer weg, bis die Polizei eintrifft. Deshalb hat der mechanische Schutz der Außenhaut höchste Priorität. Wer nicht reinkommt, kann nichts klauen. Und was tun, wenn der schlimmste Fall eintritt und man zu hause ist, während die Einbrecher eindringen? Polizist Tauber hat eine klare Anweisung: Keine Konfrontation suchen. Licht anschalten, Lärm machen, sich gegebenenfalls einschließen und die 110 wählen. Die Jagd auf Verbrecher gehört in die Hand der Staatsmacht. Wertgegenstände sind ersetzbar, körperliche Unversehrtheit unbezahlbar. Das sind mehr als hehre Worte. Die verletzte Seele ist schon schlimm genug. Geräusche klingen plötzlich anders, jedes Knacken ist verdächtig; viele Opfer liegen nachts wach, manche ziehen gar aus ihren Häusern aus. Doch die Angst zieht meistens mit. Die Zeit muss die Wunde heilen. „Ich hoffe sehr, dass Sie und Ihre Familie den Einbruch und das damit verbundene Eindringen in ihre Privatsphäre gut verarbeitet haben. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das nicht immer einfach ist“, schickte kürzlich der Kommissar vom Tattag eine Mail. Wie gut, wenn es solche Freunde und Helfer gibt.

Weitere Themen

Topmeldungen

Auserzählt und neu in Szene gesetzt: Olaf Scholz

SPD-Kanzlerkandidat Scholz : Schrei vor Glück?

Die SPD ist in Umfragen wie festgenagelt. Sie hofft, dass am Ende die Wähler Olaf Scholz als natürlichen Erben der Kanzlerin sehen. Reicht das?

Politik im Fußball : Wenn der Hass geweckt wird

Die Schlacht von Göteborg 1958 war ein Musterbeispiel für die Politisierung des Fußballs. Auch heute gilt: Egal, mit welcher Botschaft er sich in seiner aggressiven Beschränktheit auflädt, es ist die falsche.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.