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Frank-Holger Appel (hap.)

Tech-Talk : Opel Ampera vor dem Aus

  • -Aktualisiert am

Das Elektroauto wird vermutlich noch vor Verkaufsbeginn eingestellt. Die Übernahme von Opel durch PSA ist nur ein Grund für den Fehlstart.

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          Der Opel Ampera wird vermutlich als erstes Auto in die Geschichte eingehen, das noch vor seinem Verkaufsstart eingestellt wird, obwohl es fertig entwickelt und der potentiellen Kundschaft schon vorgestellt wurde. Hinter den Kulissen spielt sich ein Schauspiel ab, in dessen Zuge das Elektroauto, das Bild soll einmal erlaubt sein, unter die Räder kommt.

          Der Automobilhersteller Opel wollte den Ampera schon im Juni auf den Markt bringen. Doch das intern als „Image-Rakete“ definierte Fahrzeug legte einen Fehlstart hin, weil just in dieser Zeit die Muttergesellschaft General Motors beschloss, Opel an den französischen Hersteller PSA Peugeot-Citroën zu verkaufen. Der Ampera ist ein leicht modifizierter Chevrolet Bolt und wird in Amerika gebaut. Daraufhin stockten die Lieferungen.

          Bis heute können Privatkunden keine Bestellungen aufgeben, mittlerweile lässt sich der Wagen nicht einmal mehr auf der Homepage von Opel konfigurieren. Gleichwohl haben die Rüsselsheimer zwei Ampera mit auf die Internationale Automobilausstellung in Frankfurt gebracht und halten offiziell daran fest, sich um Lieferungen aus Amerika zu bemühen.

          Projekt mit „roter Tinte“

          Ursprünglich sollten 400 Stück noch in diesem Jahr in Deutschland verkauft werden. In einem Gespräch mit dieser Zeitung sagte nun aber PSA-Konzernchef Carlos Tavares: „Der Ampera ist ein gutes Auto. Aber er macht Verlust. Das könnten wir nur hinnehmen, wenn er auf die Firma abstrahlte und dadurch andere Autos verkauft würden.“

          Das ist offenbar nicht oder nicht ausreichend der Fall. Und jeder, der Tavares kennt, weiß, dass er von Produkten oder Projekten „mit roter Tinte“ nichts, aber auch gar nichts hält. Zudem arbeitet PSA an eigenen Elektroautos, die von 2019 an auf den Markt kommen sollen, und da sich Synergieeffekte nur einstellen, wenn die Stückzahlen steigen, werden möglichst viele Autos auf dieselbe Plattform gestellt. Also vermutlich auch ein neues Elektroauto von Opel.

          In Rüsselsheim weinen sie leise über den unglücklichen Verlauf, waren sie doch der Ansicht, endlich einmal schneller als der Wettbewerb zu sein. Der Ampera sollte 380 Kilometer echte Reichweite haben und voll alltagstauglich sein. Der Preis von 40 000 bis 45 000 Euro wäre indes eine Hürde geworden. Und wenn selbst zu diesem Tarif ein Elektroauto Verlust einfährt, zeigt das, dass es mit dem Geschäftsmodell noch nicht weit her ist.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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