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Visuelle Effekte im Film : 318 Milliarden Pixel für Hugo und den Oscar

Nun sind die Jungs von Pixomondo dran. Für die Einstellung machen mehrere Spezialisten gleichzeitig verschiedene Arbeitsschritte. Zunächst wird der Körper dort, wo er grün ist, wegretuschiert. An den dadurch entstandenen „leeren“ Flecken wird der Hintergrund des Zimmers genau an den Stellen eingesetzt, die der Schauspieler beim Dreh verdeckt hat. Mit Hilfe von orangen Punkten auf den Gelenken des Schauspielers kann wiederum ein anderen Spezialist die Bewegungen des Jungen verfolgen (tracken), die er dann auf den Roboter übertragen kann. Gleichzeitig wird das Robotermodell erstellt, das sich wie der Junge bewegt und stählern erscheint. Fünfter Schritt: Jemand entwirft riesige Zahnräder, die den Raum füllen. Und im letzten Schritt sammelt der „Compositor“ diese Arbeitsschritte und erzeugt mit ihnen das endgültige Bild.

Renderfarmen arbeiten rund um die Uhr

All das kann dauern. Das Datenbanksystem zeigt den Pixomondo-Mitarbeitern an, wie weit der Kollege gerade mit seiner Arbeit ist. Diese Anzeige ist gerade dann wichtig, wenn ein Spezialist erst loslegen kann, wenn der andere seine Arbeit beendet hat. In besonderen Fällen nutzt das System sogar aus, dass sich die Standorte in verschiedenen Zeitzonen befinden. So musste Pixomondo auf Wunsch von Scorsese manchmal kurzfristige Korrekturen schnellstmöglich umsetzen. Wird diese beispielsweise am Nachmittag in Los Angeles in Auftrag gegeben, können die Kollegen in Peking mit vollem Elan loslegen, weil es dort am Morgen ist, und übergeben Stunden später dann an die Europäer, die erst aufwachen.

Ohne jegliche Pause arbeiten an den elf Standorten die firmeneigenen Rechenzentren (Renderfarmen), um die fertigen Einstellungen in Pixel umzurechnen, während die digitalen Künstler die Filmschnipsel fortwährend visuell weiter gestalten. Dieses Umrechnen (Rendering) ist ein aufwendiges Verfahren, das enorme Rechnerkapazitäten verlangt. Der Vorteil des Netzwerks bei Unternehmen wie Pixomondo ist, dass sie in einem Verbund, einer „Cloud“, gegebenenfalls auch auf Computerkapazitäten anderen Niederlassungen zugreifen können.

Die Menge der Einstellungen, die digital nachbearbeitet wurden, ist enorm. Martin Scorsese hat 854 Einstellungen gedreht, die visuelle Effekte erfordern. Das entspricht über eine Stunde des Films und hat 432 Tage Produktionszeit in Anspruch genommen. Mehr als 318 Milliarden Pixel wurden berechnet. 354 000 Tage oder fast 970 Jahre hätte ein einzelner Rechner für das Rendering gebraucht. Über 3000 Terabyte Daten mussten transferiert werden.

Die Datenmengen sind auch deshalb so riesig, weil Scorsese den Film in 3D-Format produziert hat. Somit fallen doppelt so viele Bilder an wie bei herkömmlichen Projekten, weil zwei Kameras (oder eine Kamera mit zwei Objektiven) aus einer leicht unterschiedlichen Perspektive das Geschehen aufnehmen. Denn bei dreidimensionalen Filmen entsteht der räumliche Eindruck beim Zuschauer dadurch, dass auf die Leinwand abwechselnd Bilder für das linke und das rechte Auge projiziert werden. Die 3D-Brille steuert die richtige Verteilung: Das linke Auge bekommt die Bilder der linken Kamera zu sehen, und ebenso funktioniert es auf der rechten Seite. Für Pixomondo bedeutet also eine 3D-Produktion, dass die Spezialisten nahezu jeden Arbeitsschritt zweimal machen müssen.

Regisseur Martin Scorsese musste zusammen mit seinem Cutter allerdings nicht 432 Tage auf Pixomondo warten, um mit den bearbeiteten Einstellungen in den Schneideraum gehen zu können. Scorsese hat direkt nach Drehschluss damit begonnen, sein digitales Rohmaterial zusammenzustellen. Er hat die Szenen geschnitten, in der Hugo ein grünes Gewand trägt, der Pariser Bahnhof aus grünen Wänden besteht und der Junge an der Uhr über der Stadt hängt, die es noch gar nicht gibt. Das zentrale Datenbanksystem sorgt automatisch dafür, dass die mit visuellen Effekten versehenen Einstellungen wieder dorthin zurückkehren, wo sie eingespeist wurden. Der Film wurde noch während des Schnitts aktualisiert und bekam jene Bilder, welche die Oscar-Jury als Gewinner auserwählt hat. Und somit ging der Oscar auch nach Frankfurt.

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