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Victory Hard-Ball : Totale Entspannung beim Baggerfahren

Die Victory Hard-Ball ist auch etwas für Schwarzfahrer Bild: Wille

Hat zwei Zylinder, kommt aus Amerika, ist aber keine Harley - was ist das? Nicht einfach, jemanden zu finden, der diese Frage richtig beantwortet. Victory!

          3 Min.

          Der gewöhnliche Passant hat nach wie vor keine Ahnung, was genau er vor sich hat, wenn er auf eine Victory schaut. In den Vereinigten Staaten, wo die Marke Ende der Neunziger auftauchte, mag das inzwischen anders sein, hierzulande wird oft gefragt: Is das ’ne Harley?

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Dass der Zylinderwinkel statt 45 Grad (Harley-Davidson) 50 Grad beträgt, ist auf Anhieb nicht zu erkennen; dass der Ventiltrieb ein modernerer, der Hubraum mit 1731 Kubikzentimeter zum Teil etwas, zum Teil sogar beträchtlich größer ist als jener der meisten Harleys, auch nicht. Feinheiten für die Spezialisten. Die beiden Marken haben nichts miteinander zu tun, gleichwohl werden sie immer wieder in einen Zusammenhang gestellt. Das liegt an den Produkten und daran, dass der Emporkömmling versucht, in Jagdgründen zu wildern, die Harley seit Generationen für sich beansprucht.

          Victory kopiert nicht frech, sondern variiert das Thema des uramerikanischen Schwereisens so weit, dass man von eigenem Stil sprechen kann, bemüht aber das gleiche Freiheitspathos. „Freedom-V-Twin“ nennen die anderen Amis ihren Koloss von Motor mit 65 kW (88 PS) bei 5000/min und satten 143 Newtonmetern bei 2800 Umdrehungen.

          Jede Nacht blau mit dem Tacho

          Gestichelt wird obendrein, beispielsweise breitet Victory in Werbevideos aus, wie sich die eigenen Koffer einhändig öffnen lassen, während man beim Konkurrenten zwei Hände brauche. Der reagiert wie eine Eiche, an der sich ein Eber reibt. Das ist das Schicksal des Kleinen, der den sicher im Sattel sitzenden Großen herausfordern will. Wobei einem der Kleine nicht leid tun muss, er ist Teil des Konzerns Polaris Industries, der für Gelände- und Schneemobile bekannt ist und sich im April 2011 die altehrwürdige Motorradmarke Indian einverleibt hat, deren Comeback nächstes Jahr mit einer neuen Baureihe eingeleitet werden soll. Indian kennt jeder, der sich ein bisschen für Motorradhistorie interessiert.

          Victorys Bekanntheitsgrad in Deutschland ist steigerungsfähig, ebenso wie die Verkaufszahlen. 293 Neuzulassungen wurden von Januar bis Ende September registriert, eine Zunahme um 22 Prozent gegenüber 2011 zwar. Aber ein Marktanteil von 0,37 Prozent bei Krafträdern reicht kaum, um die Wahrnehmungsschwelle zu überwinden, was der Hersteller aus Spirit Lake seit drei Jahren versucht, mit einer wachsenden Modellpalette.

          Fünf Touring- und Cruiser-Baureihen sind mittlerweile im Programm. Victory arbeitet erkennbar mit vielen Gleichteilen, nutzt für sämtliche Typen ein und denselben Motor, ein luft-/ölgekühltes Triebwerk mit Vierventiltechnik, das seine nicht geringe Kraft per Sechsganggetriebe über einen Zahnriemen zum Hinterrad delegiert. Immer wieder werden erstaunliche Variationen aus dem Baukasten gezaubert, so wie die neue Hard-Ball. Hat man die einmal wahrgenommen, vergisst man sie so schnell nicht mehr.

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