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Verkehrsdaten : Die neue Präzision des Staus

Die gelbe Taste macht den Unterschied: Historischer Ari-Empfänger von Blaupunkt mit Verkehrsinformationen Bild: Hersteller

Informationen über Staus, Unfälle und Straßensperrungen erhielt man jahrzehntelang über das Radio. Jetzt kommen die Staumeldungen über den Mobilfunk ins Auto. Tom Tom, BMW und Audi fahren voran.

          Die Lage am Freitagnachmittag: Schneefall im Hochtaunuskreis, Eisglätte vor Usingen auf der B 456 und durchgehend vom Ortsausgang in Richtung Weilburg. Vor Grävenwiesbach blockieren Lastwagen die Fahrbahn, kein Durchkommen. Wer weiter nach Norden will, muss den Umweg über die L 3063 in Richtung Wilhelmsdorf nehmen. Wir starten in Frankfurt und erproben zwei Navigationssysteme mit besonders guten Verkehrshinweisen.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Informationen über Staus, Unfälle und Straßensperrungen sowie Hinweise zur Umfahrung hat der Autofahrer jahrzehntelang über das Radio erhalten. 1974 ging die "Autofahrer-Rundfunk-Information" ARI für den UKW-Hörfunk an den Start. Das System stammte von Blaupunkt und wurde zusammen mit der ARD entwickelt. Während des laufenden Programms wurde eine ARI-Kennung auf einer zusätzlichen, nicht hörbaren Frequenz übertragen. Dieser Code enthielt eine geographische Information, die Bereichskennung, und eine Durchsagekennung, die auf Verkehrsfunk-Meldungen hinwies. Am Aufleuchten einer gelben Lampe erkannte man entsprechende Sender, und stumm geschaltete Autoradios stellten sich für die Durchsagen automatisch lauter. War ein Kassettenspieler an Bord, wurde die Musikwiedergabe vom Band unterbrochen und auf das Radio umgeschaltet.

          Automatische Suche nach einem Verkehrsfunksender

          1988 zündete die nächste Evolutionsstufe: RDS, das Radio Data System, das erstmals eine digitale Datenübertragung auf dem UKW-Signal ins Auto brachte. RDS ersparte manuelle Suche nach einem Verkehrsfunksender und wechselte zum nächsten, wenn man den Sendebereich der ursprünglich gewählten Station verließ. Verkehrsfunksender waren mit einer TP-Kennung ("Traffic Program") markiert, und Durchsagen signalisierte der TA-Code ("Traffic Announcement"). Interessanterweise wurde schon vor 25 Jahren genau jene Agenda moderner Telematik skizziert, die bis heute die aktuelle Diskussion prägt: Ausgehend von der unzureichenden Qualität der Durchsagen im Radio, sollte demnach der Verkehrszustand automatisch mitsamt der Fahrgeschwindigkeiten gemessen werden. Aus diesen Daten wären Prognosen zu erstellen und Warnmeldungen auszugeben. Und bei den ersten Navigationssystemen, die damals von Blaupunkt, Philips und VDO entwickelt wurden, hieß es in "Technik und Motor": "Moderne Zielführungssysteme mit einem auf Compact Disc (CD) gespeicherten Kartenwerk können den Autofahrer ermutigen, die Autobahn zu verlassen. Er ist damit in der Lage, unabhängig von empfohlenen Umleitungen und ohne umständliches Kartenstudium über Landstraßen sicher jedes Reiseziel zu finden."

          Die Idee der automatischen "Navigation um den Stau herum" ließ sich jedoch erst mit TMC (Traffic Message Channel) seit 1994 realisieren. Nun strahlten die UKW-Stationen elfeinhalbmal je Sekunde einen aktuellen Bericht der Stauszene aus, und zwar kodiert in wenigen Datenwörtern. Das Repertoire der möglichen Verkehrsnachrichten war also mit mehreren hundert Meldungen standardisiert. Mit einem Sprachsynthesizer ließen sich die Nachrichten vorlesen, und zudem konnte der Fahrer gezielt das Wichtigste herauspicken, ohne einen zehn Minuten langen Staureport anhören zu müssen. Ferner kamen die ersten Verkehrsdaten-Erfassungssysteme, die an einzelnen Autobahnstrecken die Verkehrsdichte ermittelten. Diese individuelle, auf die Fahrtroute bezogene Nachrichtenselektion findet man bis heute in fast jedem Navi-System mit TMC: Aus der Meldung "Stau auf der A5" wird eine Umleitungsempfehlung über die Landstraße.

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