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Tech-Talk : Unverwundbar

  • -Aktualisiert am

Jetzt, wo es später hell und früher dunkel wird, fallen Radler mit ihrer Vollausstattung deutlicher auf. Das ist eigentlich zu loben. Wäre da nicht der daraus resultierende Fahrstil.

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          Tatsächlich sind sie das ganze Jahr hindurch unterwegs. Aber jetzt, wo es später hell und früher dunkel wird, fallen diese Radler einfach deutlicher auf. Ach nein, nicht die immer wieder an den Pranger gestellten Dunkelmänner, die unzureichend oder gänzlich unbeleuchtet unterwegs sind. Ihre Zahl nimmt spürbar ab, seitdem Akkubeleuchtungen auch an biederen Alltagsrädern erlaubt wurden. Auch immer mehr Radler tragen einen Helm, was mehr mit der demographischen Entwicklung und der Alterspyramide zu tun zu haben scheint als mit dem Androhen einer Helmpflicht: Offenbar ist den älteren Semestern das heile Haupt ein höheres Gut als manch Jüngeren.

          Wird der Helm nicht von einem zuckenden Blinklicht gekrönt, ist mit Sicherheit ein Suchscheinwerfer samt Dashcam montiert: Sehr nützlich leuchtet der Spot mit 80 Lux dorthin, wohin der Radler gerade blickt, im Zweifel den Entgegenkommenden geradewegs ins Gesicht. Auch an weiterer Sicherheitsausrüstung wird nicht gespart: eine Warnweste in Grellgelb mit dem Aufdruck, es sei gefälligst 1,5 Meter Seitenabstand einzuhalten, Handschuhe in Neonfarbe, die auch bei lässigster Richtungsanzeige unübersehbar sind, statt simpler Speichenreflektoren eine LED-Lichtershow mit Werbebotschaft, damit sich der Aufwand bezahlt macht, Reflexstreifen an Hosen, Schuhen und Gepäck, zusätzlich zur nach StVZO vorschriftsmäßig hell klingenden Glocke eine Hupe mit 120 Dezibel. Mit einem Wort: Vollausstattung.

          Der einzige Grund, warum es schwerfällt, den dieserart Aufgerüsteten als einem buchstäblich leuchtenden Vorbild zu applaudieren, ist der Fahrstil. Als ob sie mit Sondersignal und Blaulicht oder im Auftrag des Herrn unterwegs seien, bewegen sich diese Radler durch die spätherbstliche Rushhour tief durchdrungen vom Glauben an die eigene Unverwundbarkeit – sie haben schließlich alles getan, was an passiver Sicherheit geht. Als Fußgänger kann man sich nur bekreuzigen, und wenn sich dann doch herausstellt, dass Radler keine Knautschzone haben, ist es im Zweifel mal wieder der böse Autofahrer gewesen.

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