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Untergang der Titanic : Die Jahrhundertwende der Seeschifffahrt

  • -Aktualisiert am

Auf dem Weg nach New York: die Titanic Bild: dpa

Der Untergang der Titanic am 15. April 1912 leitete eine neue Ära im Schiffbau und in der Seefahrt ein. Die technischen und navigatorischen Verbesserungen kamen vor allem der Passagierschifffahrt zugute.

          Die Titanic ist das berühmteste Wrack aller Zeiten. Kein anderes Schiff kann es in Sachen Medienhype mit dem Luxusliner der Reederei White Star Line aufnehmen, der am 15. April 1912 rund 375 Seemeilen vor der neufundländischen Küste nach der Kollision mit einem Eisberg in 3740 Meter Tiefe sank und vermutlich 1496 Menschen in den Tod riss. Mehrere tausend Bücher wurden über das Unglücksschiff geschrieben, einige Filme gedreht, es gibt eine Oper, ein Titanic-Kochbuch und alljährlich stattfindende Titanic-Diners mit der gleichen Speisekarte vom Abend des verhängnisvollen 14. April 1912. Und selbstverständlich gibt es auch eine Verschwörungstheorie, nach der das Wrack auf Position 41 Grad, 43 Minuten, 55 Sekunden Nord und 49 Grad, 56 Minuten, 45 Sekunden West, am 1. September 1985 von Robert D. Ballard nach langer Suchaktion entdeckt, gar nicht die Titanic sei.

          Der Wirbel, der nach der Entdeckung des Wracks globale Ausmaße erreichte, verschleiert die Tatsache, dass kein anderes Schiff derart viele technische und navigatorische Verbesserungen zur Sicherheit der Passagiere möglich machte. Insofern kennzeichnet der Untergang der Titanic trotz des Elends, das er brachte, eine segensreiche Wende in der Seeschifffahrt, die bis heute in der Gesetzgebung und in den internationalen Vorschriften erkennbar ist.

          Das Schicksal der „Titanic“ wurde wohl Wochen zuvor in der grönländischen Diskobucht vor Ilulissat besiegelt. Der dortige Gletscher gehört zu den produktivsten der Welt und bringt ständig zahlreiche Eisberge hervor. Kreuzt ein Schiff ihren Weg, wird es gefährlich. Wo sie außerhalb ihres üblichen Gebiets schon gesichtet wurden, zeigt die Karte. Bilderstrecke

          Die Titanic stach am 10. April 1912 vom englischen Southampton aus in See, mit Kurs auf New York. Für einen Monat war der von Harland & Wolff in Belfast gebaute Ozeandampfer mit 292 Meter Länge das größte Schiff der Welt. Die ersten vier Tage der Jungfernreise verliefen unauffällig. Dann trafen mehrere Meldungen über Eisberge ein, die im Nordatlantik gesichtet worden waren. Manche Schiffe hatten ihr Tempo gedrosselt oder die Fahrt unterbrochen, bis sich die Lage klären würde. Doch Kapitän Edgar J. Smith ignorierte die Nachrichten und ließ die Titanic weiter mit 21 Knoten (39 km/h) durch die sternenklare Nacht fahren. Immerhin stellte er Posten auf, die vor Eisbergen warnen sollten. Smith stand dabei unter dem Druck von Bruce Ismay, Generaldirektor von White Star Line, der mit an Bord war und ihn ermahnte, pünktlich in New York einzutreffen. Wozu auch die Vorsicht? Hatte die Titanic nicht weit mehr Rettungsboote an Bord als vorgeschrieben? Und sicherten die wasserdichten Schotts den Dampfer nicht gegen einen Wassereinbruch ab? Warum sollte man sich wegen einiger Eisberge Sorgen machen?

          Die Schotts der „Titanic“ sollten später eine wichtige Rolle spielen. Schotts sind wasserdichte Wandkonstruktionen aus Stahl, die längs oder quer in ein Schiff einbaut werden, vom Schiffsboden über mehrere Decks nach oben. Sie dienen vor allem der Sicherheit bei einem Wassereinbruch. 15 quer eingebaute Schotts hatte die Titanic, das ergab 16 Abteilungen. Sie reichten vom doppelten Schiffsboden bis zum Saloon- und zum Upperdeck hoch, damit endeten sie über der Wasserlinie. Chefkonstrukteur Thomas Andrews, der auf der Jungfernreise mitfuhr (und ums Leben kam), hatte berechnet, dass das Schiff selbst bei zwei gefluteten Abteilungen nicht sinken würde. Damit galt die Titanic als unsinkbar - „practically unsinkable“, um genau zu sein.

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