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Uhrenmesse : Nützlich oder nur schön: Komplikationen

  • -Aktualisiert am

Breguet mit 8 HZ in der Chopard L.U.C. 8HF Bild: Hersteller

Es tickt wieder tausendfach in Basel: Auf der größten Uhrenmesse der Welt drängen sich Hersteller komplizierter und noch komplizierterer Preziosen. Die einfallsreichen Uhrmacher zeigen auf immer neue Art, dass und wie die Zeit vergeht.

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          Auf der Baselworld ist niemand in Abschiedsstimmung, im Gegenteil. Denn wenn Ende der Woche die Abrissarbeiten für die Ausstellungshalle 1 beginnen, in der sich seit Jahren die wichtigsten Marken präsentieren, dann wissen alle, dass die nächste Messe noch größer und schöner wird. Der Zeitplan ist sportlich, bis Ende April nächsten Jahres soll alles fertig sein.

          Uhren laufen - im Wortsinn und im übertragenen, die Nachfrage nach bekannten Marken ist riesig, vor allem in Asien wächst die kaufkräftige Kundschaft. Alle werden bestens bedient: Die Vielfalt der Modelle lässt keine Wünsche offen, und wenn doch, dann baut der Uhrmacher der Wahl die persönliche Wunschuhr.

          Flache Uhren, Gold in Variationen und Leuchtmasse

          Wer die hohen Gehäuse satt hat, findet eine wachsende Zahl von eleganten flachen Uhren, bei den Goldfarben kommt zumindest zur Abrundung neben dem immer noch sehr beliebten Roségold eine Gelbgoldvariante.

          Auf die Zifferblätter wurde schon seit einiger Zeit das Blaue vom Himmel geholt, jetzt folgt ein tiefes Grau. Dafür ist die automatische Oris Big Crown Grey ein schickes Beispiel, hier sind auch noch die Zeiger grau, so dass man bei Tag nur bei gutem Licht die Zeit ablesen kann. Nachts hilft Leuchtmasse auf den Zeigern. Auch das schokoladige Braun, das in Verbindung mit Roségold besonders attraktiv ist, gehört noch in die Kollektionen.

          Schwarz bleibt freilich dominierend, auf Funktionsuhren für Taucher oder Flieger, die sich in diesem Jahr in der Abteilung „sportliche Alltagsuhren“ deutlich vermehrten, ist es ohnehin die Farbe der Wahl, freilich in Kombination mit Leuchtmitteln, denn hier hat Ablesbarkeit Priorität.

          Ganggenauigkeit im Hause Chopard

          Technisch fallen höherfrequente Werke auf, was der Ganggenauigkeit zugute kommt. Chopard hat den Chronographen L.U.C 8HF präsentiert, dessen neu entwickeltes Werk mit 57 600 Halbschwingungen je Minute arbeitet und mit dem Cosc-Chronometer-Zertifikat geadelt ist: als das erste seiner Art. 60 Stunden Gangreserve werden für das Automatik-Kaliber im 42-Millimeter-Titangehäuse versprochen, mit nur einem Federhaus.

          Zeit global: Breitling Transocean Unitime Bilderstrecke
          Zeit global: Breitling Transocean Unitime :

          Datum und Kleine Sekunde sind nahe der „6“ angeordnet, die Krone steht auf der „4“. Die Hochfrequenz-Hemmung, die in einigen Teilen aus Silizium besteht, werden die Kunden mit hoher Wahrscheinlichkeit in künftigen Modellen finden, denn sie ist kompatibel mit anderen L.U.C.-Werken. Für den ersten schnellen Schwinger (am Lederband) des Hauses verlangt Chopard etwa 15 000 Euro.

          Es geht noch flotter

          Noch etwas flotter ist die Breguet Classique Chronométrie getaktet, 10 Hz sind eine Premiere für einen Zeitmesser ohne Stoppuhrmechanismus. Auch hier ist viel Silizium im Spiel, sogar in einem Zeiger, im 41-Millimeter-Gehäuse aus Rotgold tickt hier ein Handaufzugswerk.

          Den Frequenz-Vogel schießt wie im vergangenen Jahr Tag Heuer ab mit einem rasenden 1000-Hz-Werk (tausend!), in dem statt einer Unruh ein dünner Stahlstab schwingt. Mit dem Mikrogirder kann man eine Zweitausendstelsekunde messen, das normal getaktete Uhrwerk ist davon getrennt, sonst würde ihm der Chronograph die Energie im Nu absaugen.

          Zwei Zeitzonen in einer Uhr

          Eine für Globetrotter willkommene und praktische Komplikation ist eine zweite Zonenzeit, mit der man ablesen kann, wie spät es andernorts gerade ist. Dafür gibt es etliche neue Beispiele in Basel: Omega hat jetzt die Seamaster Aqua Terra GMT im Programm, Hublot die Unico GMT im Keramik- oder Karbongehäuse.

          Rolex steuert mit der Sky Dweller die erste des Hauses bei. Das neu entwickelte Werk hat über die zwei Zonen hinaus einen Jahreskalender, der zwischen 30 und 31 Tagen unterscheiden kann. Die Uhr ist sehr einfach zu bedienen: Mit der geriffelten Lünette wählt man die Funktion, mit der Krone stellt man sie ein. Die günstigste Version kommt für 30 940 Euro in Rotgold mit Lederarmband.

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