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Uhrenmesse : Klangvolles Jubiläum

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Gut besucht: Die Uhrenmesse SIHH in Genf. Bild: AP

In Genf wird das neue Uhrenjahr eingeläutet. Und nicht nur das: Die Schweizer Uhrenmesse SIHH feiert ihren 25. Geburtstag.

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          Klein, aber fein. So lässt sich der Salon International de la Haute Horologerie (SIHH) beschreiben, der im Jahr 1991 in den Ausstellungshallen des Genfer Messekomplexes Palexpo Premiere feierte - mit genau fünf Uhrenmarken. Heute sind es 16, die entweder direkt zum Luxusgüterkonzern Richemont gehören oder ihm aber zumindest nahestehen. Und so kommt es, dass auch eine - die einzige - deutsche Traditionsmarke in Genf ausstellt, schließlich wurde sie gemeinsam mit den Schweizer Marken Jaeger-LeCoultre und IWC Schaffhausen im Jahr 2000 in den Richemont-Konzern eingegliedert.

          A. Lange & Söhne lässt auch dieses Jahr wieder von sich hören. Im Wortsinne, denn die Messeattraktion der Sachsen ist die neue Zeitwerk Minutenrepetition. Die Mechanik dieser Uhr ist ein technischer Leckerbissen, verbindet sie doch erstmals eine digitale Sprungziffernanzeige mit einer Minutenrepetition, die entsprechend ihres Anzeigesystems aus der Art schlägt. Sie lässt die Zeit genau so erklingen, wie es auf dem Zifferblatt abzulesen ist: erst die Stunden, dann die zehn Minuten und schließlich die Minuten. Die auf dem Foto gezeigte Uhr würde also wie folgt klingen: siebenmal „dong“, fünfmal „ding-dong“ und zweimal „ding“. Damit weicht sie von üblichen Minutenrepetitionen ab, die nach der Stunde die Viertelstunden und schließlich die verbleibenden Minuten schlägt.

          Eine Mitarbeiterin der Schweizer Uhrenmarke Piaget untersucht eines der kostbaren Stücke.
          Eine Mitarbeiterin der Schweizer Uhrenmarke Piaget untersucht eines der kostbaren Stücke. : Bild: AFP

          Statt wie üblich zur Auslösung einen seitlichen Schieber zu bedienen, reicht bei der Zeitwerk ein Druck auf die Taste an der 10-Uhr-Position. Was sich einfach anhört, ist ein aufwendiger Mechanismus, der sich auch die Anzeigeform zunutze macht und dabei die akustisch wiederzugebende Zeit am Stundenring und an den beiden Minutenringen abtastet. Damit die Uhr nicht unversehens stehenbleibt, funktioniert die Minutenrepetition nur, wenn im Federhaus Kraft für mehr als zwölf Stunden gespeichert ist. Abzulesen ist dies durch einen kleinen roten Punkt in der Gangreserveanzeige bei 12 Uhr. Was die neue Lange kosten wird, war bis Redaktionsschluss nicht zu erfahren, doch darf man getrost mit einem ordentlichen sechsstelligen Betrag rechnen.

          Schlicht und elegant, aber nicht gerade ein Schnäppchen

          Auch IWC Schaffhausen feiert ein Jubiläum: den 75. Geburtstag der Portugieseruhr. Dazu wurde die Linie komplett überarbeitet und ergänzt. Im Jubiläumsjahr darf die Portugieser wieder Innovationsträger sein, hier kommt zum ersten Mal die neu entwickelte Kaliberfamilie 52000 zum Einsatz. Das ist der Startschuss einer IWC-Werkeoffensive. Diese Automatikwerke wurden als Antriebe für verschiedene Komplikationen entwickelt. Deshalb hat man sich von der bisher bei den Portugieser-Werken verbreiteten Schwungfrequenz von 3 Hz (21 600 A/h) verabschiedet und setzt nun auf 4 Hz (28 800 A/h). Weil das Energie kostet und sieben Tage Gangreserve in dieser Linie das Maß der Dinge sind, spendierte man den neuen Manufakturwerken nun zwei Federhäuser.

          Davon profitiert auch die wohl wichtigste IWC-Neuheit, der Portugieser-Jahreskalender (etwa 21 000 Euro). Das ist eine Komplikation, die man bei den Ostschweizern bisher vergeblich suchte. Der Jahreskalender zeigt Monat, Datum und Wochentag in der Reihenfolge an, wie es in englischsprachigen Ländern der Fall ist, wofür technische und ästhetische Gründe genannt werden. Angezeigt werden die Kalenderdaten in drei Fenstern bei 12 Uhr. Der Jahreskalender kennt übrigens nur Monate mit 30 oder 31 Tagen, weshalb der Träger immer Anfang März manuell - und zwar über die Krone - korrigieren muss. Mit einem Durchmesser von 44,2 Millimetern kommt der Jahreskalender sehr erwachsen daher und nimmt gestalterisch wie eigentlich die gesamte Portugieser-Familie Anleihen bei der Ur-Portugieser von 1939.

          Uhrenmesse SIHH in Genf: Ein Mitarbeiter von A. Lange & amp setzt eine Armbanduhr zusammen.
          Uhrenmesse SIHH in Genf: Ein Mitarbeiter von A. Lange & amp setzt eine Armbanduhr zusammen. : Bild: AFP

          Schlicht und elegant tritt die neue „Traditionelle Day-Date „aus der „Collection Excellence Platin“ von Vacheron Constantin auf, die vom automatisch aufziehenden Manufakturkaliber 2475 SC angetrieben wird. Das 39,5-Millimeter-Gehäuse, die Krone und das Zifferblatt sind aus Platin 950 gefertigt, weshalb die Vacheron mit 76 000 Euro nicht gerade zu den Schnäppchen gehört. Schon eher zu den Sammlerstücken, denn sie ist auf 100 Exemplare limitiert. Wer warten kann, will oder muss, darf sich auf die unlimitierte Rotgold-Variante freuen, die nach erfolgreicher Markteinführung in China wohl bald auch in Europa erhältlich sein wird.

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