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Überwachung : Augenblick mal

  • -Aktualisiert am

Im Verbund mit der Kameraüberwachung erlaubt der Datenabgleich bald die lückenlose Dokumentation, wer wann wo gewesen ist. Da wollen wir mal hoffen, dass keiner die Datenbank hackt.

          Eines muss man den zerstrittenen Koalitionären lassen: Sie geben kurz vor der Wahl ihr Bestes. Künftig braucht also die Polizei den Nafris auf dem Video mit der U-Bahn-Prügelei nicht mehr hinterherzulaufen, die Elektronik holt sich die passenden Gesichter von den Meldeämtern. Da fühlen wir uns, zumal mit Blick auf Terror und Bomben, gleich viel wohler. Falls die Jungs hier gemeldet sind, versteht sich.

          Im Kleingedruckten dann der Zusatznutzen: Die Steuer darf auch gucken. Als ob die von der Fahndung dort nicht wüssten, wie der Uli aussieht. Ein wenig irritiert sind wir aber doch, denn noch kleiner gedruckt und fast nicht lesbar steht geschrieben: Auch das Ordnungsamt darf sich bedienen. Das hat mit Straftaten nichts im Sinn, es geht schlicht um Knöllchen. So etwas kann man gut finden, weil künftig die Freundin den Schnappschuss zugeschickt bekommt und nicht mehr die Gattin, auf die das Auto zugelassen ist. Wir denken aber eine Spur weiter und sagen uns, Privatleben war gestern. Im Verbund mit der Kameraüberwachung erlaubt der Datenabgleich bald die lückenlose Dokumentation, wer wann wo gewesen ist. Da wollen wir mal hoffen, dass keiner die Datenbank hackt.

          Was lässt sich dagegen tun, wenn der Staat mit biometrischen Kanonen auf zu schnell fliegende und falsch parkende Spatzen schießt? Von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch helfen vielleicht falsche Bärte oder die Batman-Haube. Und wir kennen einen, der für den Rest des Jahres künftig beim Autofahren einen Integralhelm tragen will – weil er sich damit sicherer fühlt.

          Ein wenig Hoffnung gibt es aber doch, dass uns der Überwachungsstaat noch eine Weile erspart bleibt. Wenn es Asylbewerber gibt, die ein Dutzend Identitäten mit sich herumtragen und also mehrfach Stütze kassieren, ohne dass der Staat es merkt – wer mag dann glauben, dass der Abgleich biometrischer Daten funktioniert?

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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