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Tech-Talk : Überschießer

  • -Aktualisiert am

Kaum werden die Überlegungen zu einer Steuer auf den Ausstoß von CO2 konkreter, zeigen alle mit dem Finger auf die anderen: Der hat den dickeren Fußabdruck.

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          Das war zu erwarten: Kaum werden die Überlegungen zu einer Steuer auf den Ausstoß von CO2 konkreter, zeigen alle mit dem Finger auf die anderen: Der hat den dickeren Fußabdruck. Nun ist es tatsächlich nicht einfach, eine Gesamtbilanz aufzustellen. Noch nicht einmal Strom aus regenerativen Quellen ist abgasfrei, weil die Anlagen hergestellt und gewartet werden müssen.

          Aber nicht alles, was hinkt, ist ein guter Vergleich. So stimmt es zwar, dass die Server fürs Internet eine enorme Menge Energie verbrauchen, das aber auf Mausklicks und Netflix-Videos umzulegen ist Unfug, denn gekühlt werden müssen sie auch dann, wenn man sich jene wegdenkt – gerade so, wie die Bahn fährt, selbst wenn keiner drinsitzt. Auch der Hinweis der Flugbranche, der Luftverkehr trage nur zu drei Prozent der Emissionen bei, taugt nichts. Was soll das sein, eine Fünfprozentklausel als Bagatellgrenze?

          Weit interessanter ist die Aussage, künftig – also irgendwann einmal – werde mit synthetischem Treibstoff aus Wasserstoff und CO2 geflogen. Das geht tatsächlich, nur muss man beides erst einmal haben. Kohlendioxid gibt es offensichtlich zu viel, trotzdem ist es in der Luft mit rund 0,04 Prozent ein Spurenelement, das mühsam eingesammelt werden will. Und wo kommt der Wasserstoff her? Er soll mittels Elektrolyse aus Überschussstrom produziert werden, sagen die Gründenker. Also jenem, den Wind und Sonne liefern könnten, der aber gerade keinen Abnehmer findet.

          Das haben wir schon öfter gehört. Derselbe Überschuss soll nämlich zugleich für den Betrieb von Elektro- und Brennstoffzellenautos, Methanerzeugung fürs Gasnetz, Stromspeicher sowie eine ganze Reihe anderer guter Ideen verwendet werden. Das Problem dabei: Es gibt ihn nicht. Jedenfalls nicht in verwertbarer Form, denn dafür müsste jedem Windpark ein Elektrolyseur beiseitegestellt werden, der obendrein mal mehr, mal weniger in Betrieb wäre. Was darf der Liter Phantasiesprit denn dann kosten?

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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