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Schlusslicht : Tierisch technisch

Der Hase war schon da. Bild: Appel

Der Hase wird immer unterschätzt. Er heizt im Haus und auf der Straße, dass sogar der Tiger neidisch wird. Nur dass bald einer fliegen kann, der noch nie geflogen ist, das hält er für ein Ei im Nest.

          1 Min.

          Wo immer der Impfstoff hinkommt, ist Corona schon da, das erinnert uns arg an Hase und Igel. Dabei wird dem kuscheligen Hoppeltier Unrecht getan, hat es doch Großes geleistet. Jeder denkt jetzt an Ostern, was am Ostersonntag naheliegt, wir aber sind technisch orientiert und wissen um die Innovationskraft des Hasen. Schon 1957 sei ein Osterhasenkalender in Form eines Adventskalenders beim Deutschen Patentamt als Ge­brauchsmuster angemeldet worden, lässt Anwalt Matthias Rößler wissen. Oder nehmen wir Vaillant, keine schlechte Adresse für Heizungen und Klimaanlagen. An Ostern 1899 entdeckte Johann Vaillant einen aus dem Ei schlüpfenden Hasen in einer Zeitschrift und machte ihn zu seinem Markenzeichen. Heute sei der Hase das bekannteste Heiztechnik-Logo Europas, sagt Vaillant. Wer kann so was schon von sich behaupten?

          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Tiere und Technik sind freilich an vielen Stellen Verbündete, denken wir nur an den Löwen von Peugeot, Ferraris Pferd oder den berühmtesten T-Shirt-Affen aus Burladingen. Solch animalische Tradition hat der gemeinhin nüchtern ausgerichtete asiatische Aufsteiger nicht, was die koreanische Marke Kia offenbar tierisch nervt. Ihr diese Woche vorgestelltes Elektroauto EV 6 trägt keinen Kühlergrill mehr, sondern eine, wie Kia betont, digitale Tigernase. Wir sehen vor allem zwei Scheinwerfer und einen Stoßfänger, aber wir sind ja auch vom Stalle der ewig gestrigen Hasen. Deswegen hegen wir auch Zweifel, ob ein senkrecht startendes und waagerecht schwebendes elektrisches Lufttaxi mit sieben Sitzen, das noch nie Auftrieb unter den Flügeln hatte, 2024 in den Linienflug geht, wie Lilium abgehoben verspricht. Zur Finanzierung schlüpft das Start-up in ein Spac, das ist ein hipper spekulativer Börsenmantel, und wer nicht alles glaubt, was osterblumig erzählt wird, der denkt eher an ein Start-down. Oder an ein ins Nest gelegte Ei. Genau, flink raus jetzt in den Garten, der Hase war bestimmt schon da.

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