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Schlusslicht : Hormonell am Limit

Übel: Peter Feldmann hat dem Kapitän der Frankfurter Eintracht den Europapokal entrissen. Bild: Youtube/Hessenschau

Was Peter Feldmann ins Mikrofon des Siegerfliegers haucht, nehmen ihm alle übel. Andererseits sind in Frankfurt noch ganz andere hormonell außer Gefecht gesetzt. Allerdings wegen des Tempolimits. Und der ADAC will jetzt umsatteln.

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          Dass Peter Feldmann dem Kapitän der Frankfurter Eintracht den Europapokal entrissen hat, um damit in den Kaisersaal des Römers einzulaufen, nehmen wir ihm übel. Wir nämlich sind wirklich ein Fan der Eintracht, können sogar Makoto Hasebe weitgehend fehlerfrei aussprechen, der Pokal steht also uns zu. Dass Peter Feldmann die IAA aus Frankfurt vertrieben hat, nehmen wir ihm auch übel. Wir nämlich sind wirklich ein Fan der Stadt Frankfurt. Und des Autos. Dass der Frankfurter Oberbürgermeister sich wegen einer Stewardess hormonell außer Gefecht gesetzt fühlt und das auch noch im Siegerflieger ins Mikrofon haucht, nehmen ihm jetzt so ziemlich alle Frankfurter übel. Vor allem so ziemlich alle Frankfurterinnen. Und sogar die eigene SPD. Andererseits sind in Frankfurt noch ganz andere hormonell außer Gefecht gesetzt, georgische Sonntagsfahrer etwa. Die allerdings wegen des starren Tempolimits auf deutschen Autobahnen, beziehungsweise weil es dasselbe nicht gibt. Die Autos immer besser, die Autobahn hierzulande die sicherste Straße, Wechselverkehrskennzeichen mit situationsgerechtem Tempo die überlegene Technik, auf der ganzen Welt beneidet – egal, der Starrsinn muss her.

          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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          Zwei Worte dürfen in dem Zusammenhang nie fehlen: Raser. Und ADAC. Erstere sind offenbar jene, die auf freier Strecke 140 oder 160 km/h fahren. Zweiterer ist ein Club gelber Engel, der „angesichts der polarisierenden Wirkung des Themas auch unter den Mitgliedern derzeit auf eine Empfehlung an die Politik verzichtet“ und seither gern als Befürworter eines Limits missbraucht wird. Freilich sattelt der Automobilclub bereits in weiser Voraussicht um und bietet neuerdings Pannenhilfe für Reifen, Bremse, Schaltung und Batterie an. Das finden Sie so ungewöhnlich nicht? Tja, fürs Fahrrad. Abschleppen will der ADAC auch, aber nicht im feldmannschen Sinne. Wo die Engel schon dabei sind: Wie wäre es mit segensreicher Wirkung auf Lokomotiven, Weichen und Oberleitungen, die Bahn braucht auch dringend einen Pannendienst. Und der Flughafen Frankfurt, wo Gepäck nur noch im Schneckentempo ans Ausgabeband gelangt. Der Betreiber Fraport hat tragende Rollen zu vergeben. Da müsste ein Ex-Oberbürgermeister nicht mal umziehen.

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