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Zeit für Puzzle : Teilchenforschung

  • -Aktualisiert am

Teil für Teil zum Traummotiv Bild: Hersteller

In Corona-Zeiten sind Puzzle gefragt wie nie. Sie machen Spaß und schulen das Vorstellungsvermögen. Der erste Schritt zum fertigen Motiv beginnt meist mit Papier, Pappe, Bandstahl und vielen Tonnen Druck.

          5 Min.

          An diesem Freitag ist internationaler Puzzletag. An diesem Datum haben Fans und Hersteller in diesem Jahr besonderen Grund, sich zu freuen. In den freudlosen Corona-Zeiten erleben die Legespiele Hochkonjunktur. Nach Angaben des Eurotoys-Verbraucherpanels des Marktforschungsinstituts NPD ist der Puzzle-Umsatz allein in Deutschland von 2019 auf 2020 um mehr als 60 Prozent gewachsen.

          Der Erfolg scheint nachvollziehbar. Puzzle sind wie gemacht als Spiel für eine Zeit, die von Einschränkungen geprägt ist. Man kann zu Hause voller Konzentration als Individuum puzzeln oder in der Familie gemeinsam auf die Jagd nach dem passenden Teil gehen. Nach einem Tag voller Videokonferenzen und E-Learning bietet das Legespiel zudem ein angenehmes analoges Gegengewicht. Jedes Teil, das mit leisem Klickgeräusch satt an seinem Platz einrastet, ist ein kleines Erfolgserlebnis.

          Tatsächlich beflügelt der unfreiwillige Fokus auf das Leben zu Hause aber nur einen Trend, der sich seit Jahren abzeichnet. Die Nachfrage nach Puzzles ist auch vor der Pandemie groß gewesen. Allein 2019 hat das Segment beim europäischen Marktführer Ravensburger um rund 20 Prozent gegenüber 2018 zugelegt.

          Gestützt wird die Entwicklung auch durch die zunehmende Vielfalt der Puzzleformen. Neben den klassischen zweidimensionalen Sets mit vorgegebenem Motiv gibt es 3D-Puzzles, individuell gestaltete Fotopuzzles, Puzzles als Teil von Krimirätseln, monochrome Puzzles und anderes mehr. Riesig ist sowieso die Größenpalette der klassischen zweidimensionalen Varianten. Das beginnt beim zweiteiligen Set für Kleinstkinder und reicht bis zum mehrere zehntausend Fragmente umfassenden Puzzle mit der Komplexität und räumlichen Dimension mittelalterlicher Bildteppiche.

          Bild: F.A.S.

          Im Wort Puzzle steckt der englische Begriff für Rätsel. Und ein wenig rätselhaft bleibt bis heute, wer genau das Puzzle erfunden hat. Am Puzzletag wird dafür der britische Kupferstecher John Spilsbury gefeiert. Der sägte vor gut 250 Jahren eine auf Holz kaschierte Landkarte der englischen Countys auseinander und schuf so ein pädagogisches Legespiel: Plazierten Kinder die Grafschaften in der richtigen Position nebeneinander, ergaben die einzelnen Teile eine komplette Karte.

          „Jigsaw Puzzle“ heißt das Legespiel auf Englisch. Doch Spilsbury verwendete vermutlich keine Stichsäge (jigsaw), sondern eher eine Dekupier- oder eine Laubsäge (fretsaw). Und er hat das Prinzip wahrscheinlich nicht von Grund auf erfunden, sondern eher aus älteren Spielen adaptiert. Impulse und Vorbilder gab es im seinerzeitigen britischen Kolonialreich ja reichlich.

          Karin Falkenberg, die Direktorin des Nürnberger Spielzeugmuseums, vermutet denn auch Asien als Herkunft der Spielidee und nennt das klassische Tangram als ein mögliches Vorbild. Angesichts dessen poetischer Philosophie (die Schönheit der Welt steckt in jedem der sieben Teile des Spiels) kommt die englische Landkarte des 18. Jahrhunderts doch etwas nüchtern daher.

          Ein Motorik und Wahrnehmung schulendes Geduldspiel
          Ein Motorik und Wahrnehmung schulendes Geduldspiel : Bild: Hersteller

          Seit der handwerklichen Produktion früher Puzzlespiele im 18. Jahrhundert hat sich das Spiel erheblich weiterentwickelt. Dazu beigetragen haben viele verschiedene Hersteller mit ihren Ideen und Innovationen. „Eine Polygenese“ nennt Spielzeughistorikerin Falkenberg deshalb den Weg zum modernen Puzzle.

          Zu den entscheidenden Schritten gehört die Entwicklung der „Interlocking Puzzles“ im 19. Jahrhundert. Statt die Elemente entlang von Konturen des Motivs auszusägen, wurde nun das Spielfeld unabhängig vom dargestellten Bild in Elemente mit individuellen Ein- und Ausbuchtungen aufgeteilt. Aus dem geographischen Lernspiel entstand so ein Such- und Kombinationsspiel. „Ein klassisches pädagogisches Geduldsspiel, das Feinmotorik, Vorstellungsvermögen und Bildwahrnehmung schult, das für Farben und Formen sensibilisiert“, sagt die Museumsdirektorin.

          Die gesägten Holzteile sind heute Geschichte. Ravensburger beispielsweise stellt die Puzzles in einem Stanzprozess her, erklärt Produktmanagerin Verena Schlachter. Die Details haben sich seit den 1960er Jahren kaum verändert, als das oberschwäbische Unternehmen seine ersten Puzzlespiele herstellte. Das Motiv wird auf reflexionsarmes Papier gedruckt und auf Pappe kaschiert. Dann stanzt eine Presse mit mehr als 100 Tonnen Druck aus diesem Puzzlerohling die gewünschten Teile.

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