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Schwebebahn : Nach 120 Jahren Pause in Wuppertal

  • -Aktualisiert am

Über die Wupper: In der Nähe des Bahnhofs Ohligsmühle kreuzt die Strecke der Schwebebahn die Straßenbrücke der Bundesallee über den Fluss. Bild: Peter Thomas

Bald steht die Wuppertaler Schwebebahn werktags still. Grund sind vor allem Schäden an den Rädern der neuen Züge. Bis zum Sommer 2021 soll das Problem behoben werden. So lange müssen rund 85.000 Fahrgäste auf den Bus umsteigen.

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          Die Wuppertaler Schwebebahn ist eigentlich gar keine solche, weil ihre Treibräder ständigen Kontakt mit der Schiene haben – im Gegensatz zu einer Magnetschwebebahn –, sondern eine Einschienenhängebahn. Das ändert nichts daran, dass sie sich seit fast 120 Jahren als ein robustes Verkehrsmittel erwiesen hat. Der längste Stillstand bisher erfolgte 2018, nachdem ein Stück Stromschiene herabgestürzt war. Neun Monate dauerte es, bis die Bahn nach dem Einbau eines neuen Sicherungssystems wieder in Betrieb gehen durfte. In dieser Zeit wurden sämtliche alten Fahrzeuge gegen neue Züge vom Typ GTW 15 ausgetauscht, gebaut von Vossloh Kiepe. Die Serie umfasst 31 Fahrzeuge für zusammen mehr als 120 Millionen Euro.

          Doch von genau diesen Zügen wird die Schwebebahn nun ausgebremst: Um die Schäden an den Rädern und andere Mängel der neuen Fahrzeuge zu beheben, wird die Bahn vom 12. August an bis zum Sommer 2021 nicht mehr werktags verkehren. „Wir brauchen die Zeit, um die Ursachen zu erkennen, sie abzustellen und gleichzeitig die Werkstattkapazität zu erhöhen, sagt Bauingenieur Michael Krietemeyer, der Technische Leiter.

          Er zeigt die Schäden: Narben im glänzenden Metall sind mit bloßem Auge zu sehen: Wie flache Krater heben sie sich von den Laufflächen zwischen den beiden Spurkränzen ab. Und das ist nicht alles: „Einkerbungen, Materialausbrüche und Materialanhäufungen“, zählt er auf. Und die Räder mit dem charakteristischen doppelten Spurkranz sind von den Schäden betroffen. Dazu kamen in den vergangenen Wochen Schienenausbrüche an Schweißnähten und den Längenausgleichsstellen sowie Schäden an Anbauteilen der brückenartigen Tragstrukturen, die auf 13 Kilometer Länge das Stadtbild prägen.

          Rund 85.000 Fahrgäste müssen auf den Bus umsteigen. Bilderstrecke
          Schwebebahn : Nach 120 Jahren Pause in Wuppertal

          Wir treffen Krietemeyer im obersten Stockwerk des historischen Depots. Der Blick fällt durch eine große Öffnung bis ins Erdgeschoss. Durch diesen Schacht können die Bahnen mit dem Kran vertikal bewegt werden. So wie der Zug, dessen Endwagen Mitarbeiter der Stadtwerke gerade auf einem Tieflader verzurren. Er wird nach Aachen zu Talbot gebracht, um Mängel zu beheben.

          Hoch über der Wupper, wenige Wochen vor Beginn der werktäglichen Sperrung, wölbt sich ein trüber Julihimmel über der Tragkonstruktion aus grünem Stahlfachwerk, wir rollen in der Schwebebahn in Richtung Vohwinkel. Sachte schwingt der Wagenkasten in den Kurven nach links oder rechts – ganz ohne die aufwendige Technik, die ein Pendolino einer klassischen Bahn braucht. Von den technischen Problemen merken wir nichts. Anders ging es den Mitarbeitern des Verkehrsunternehmens und auch Anwohnern an der Strecke: Im Frühjahr 2020 registrierten sie die zunehmende Lautstärke der Züge. Als Ursache für das Rumpeln erwiesen sich die beschriebenen Schäden der Lauffläche. So entstand ein Feuerwerk mechanischer Impulse, welches auf das Rad-Schiene-System und den Unterbau wirkt. „Wie permanente Hammerschläge“ wurde das Phänomen in den lokalen Medien beschrieben. Die Räder sind aber nicht das einzige Problem, das die Stadtwerke (WSW) bei den neuen Zügen ausmachen: „Türstörungen, Softwareprobleme, mangelhafte Verklebungen, Ärger mit der Klimatechnik“, führt Krietemeyer auf. Insgesamt stünden fast 200 Positionen auf der Fehlerliste. Aber kein Mangel trifft die Bahn so hart wie die Schäden an den Laufflächen der Räder mit 800 Millimeter Durchmesser. Denn mittlerweile hat sich gezeigt, dass die Räder nicht mindestens 60.000 Kilometer halten, wie eigentlich geplant, sondern nur 20.000. Schon nach vier Monaten müssen sie überarbeitet oder ganz ausgetauscht werden. Geplant war eine Frequenz von einem Jahr. Eine neue Radsatzdrehbank ist schon bestellt. Sowohl die Versorgung mit neuen Rädern als auch die Kapazitäten für den Austausch bereiten nun solche Schwierigkeiten, dass die Schwebebahn werktags stillstehen wird.

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