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Funktionskleidung im Winter : Gelobt sei, was den Radfahrer warm hält

Mit LED: Endura Luminite II Jacket. Bild: Pardey

Schuhe, Überhosen, Jacken: Möglichkeiten, sich im Winter auf dem Rad warmzuhalten, gibt es viele. Doch sollte man sich bei der Auswahl auf einen Hersteller beschränken?

          Das Angebot an Dingen, die beim Radfahren gegen Nässe und Kälte schützen sollen, ist zwar riesig, aber in Form und Farbe ganz überwiegend auf sportive Radlerinnen und Radler ausgerichtet. So sind viele Winterradler auf dem Weg zur Arbeit eher in Verkleidungen als in Funktionskleidung unterwegs – bis hin zu der fraglos auch im Dunkeln gut zu sehenden Wintermontur von Straßenbauarbeitern. Von November bis März zweckmäßig auf dem Fahrrad gekleidet zu sein ist keine ganz triviale Sache und kaum eine, die aus einer Hand zu bekommen wäre.

          Hans-Heinrich Pardey

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Um einen Radler, nicht sein Fahrrad winterfest zu machen, dafür hat auch der unbedarfteste Outdoor-Fachverkäufer selbstverständlich sofort das Zwiebelschalen-Prinzip parat. Oder wie das heute heißt: ein „Multilayer Concept“. Dahinter steckt nicht mehr als die Binsenweisheit, dass mit oder ohne Funktionsfasern und Feuchtigkeitstransport von innen nach außen mehrere dünne Lagen von Kleidung dank der dazwischen isolierenden Luftschichten mollig warm halten. Solange es nicht feucht und windig zugleich ist, fährt es sich mit zwei oder drei luftdurchlässigen Schichten auf der Haut ganz kommod – obenherum, wo der Körper unbewegt bleibt, eine mehr als an den fleißig kurbelnden Beinen. Und wenn es Naturfasern sein sollen, war und ist Wolle besser als Baumwolle. Sobald aber bei niedrigen Temperaturen die Nebel nicht nur der Götter Wange feuchten, sondern Radler durch und durch nass werden lassen, ohne dass es richtig regnet, schlägt die Stunde der Funktionsfasern und Membrantextilien: Dicht nach außen, aber durchlässig für den Wasserdampf von innen her, lassen sie warm und trockener radeln. Nicht wirklich vollkommen trocken: Derlei Behauptungen sind Marketingmärchen; der angestrengte Körper schwitzt unter den Folien eben einfach doch stärker.

          Aber fangen wir ganz unten auf dem Boden der Tatsachen an: Alles Stiefelartige, mit dem sich die Füße warm halten lassen, sollte ungefähr in Knöchelhöhe enden. Überschuhe? Die sind nicht wirklich bequem, verfangen sich gelegentlich an den Pedalen, und wenn es diese aus China kommenden Gummistiefel mit Reißverschluss sind, kann man sie getrost gleich zweieinhalb Nummern größer bestellen: in die gewohnte Schuhgröße kommt man nicht einmal mit nacktem Fuß hinein geschweige denn mit einem Schuh. Bewährt haben sich in mehreren Wintern Pinned-Pedal-Mountainbike-Schuhe von O’Neal (etwa 70 Euro). Sie sind absolut dicht und auch bei strengen Minustemperaturen warm genug. Die wenig profilierte weiche Sohle, in die sich die Pins eines Flachpedals graben sollen, ist rutschfest und auch beim Gehen ausreichend flexibel. Sie ist rundherum hochgezogen und umgibt den Fuß wie ein Panzer.

          Die Überhosen werden je nach Wetter in verschiedenen Längen getragen und stammen von Vaude: Die Men’s Spray Pants in lang (rund 100 Euro) ist an den Knien fürs Pedalieren vorgeformt und hat einen verstärkten (nicht gepolsterten) Hosenboden. An den Knöcheln lässt sie sich mit Klettbündchen verengen, so dass sie dicht über dem Schuh abschließt. 170 Gramm leicht lässt sich die Hose, die mit etlichen Reflektorflächen an den Beinen im Dunkeln auf sich aufmerksam macht, auf Faustgröße im mitgelieferten Beutel zusammenpacken. Wenn es nur neblig ist, genügt die Shorts-Ausführung (rund 45 Euro) über den Jeans. Sie hält dann gerade die Zone trocken, in der viele als „wasserdicht“ angepriesene billige Überhosen aus simplem Nylon schon bei Sprühregen kläglich versagen – die Oberschenkel und die Leistenbeugen.

          Bliebe noch die Jacke. Hier hat man die Wahl und damit auch die Qual der Fehlversuche. Aus denen ist übrig geblieben ein grell gelbgrünes Stück von Endura, das Luminite II Jacket, das gerade für rund 100 Euro als Schnäppchen angeboten wird. Dieser Wind- und Regenschutz hat auch über einer wärmenden Fleece-Jacke getragen einen komfortablen Sitz und ist vom Hals bis zu den Ärmelbündchen gegen Zugluft und Feuchtigkeit gedichtet. Dass die Jacke im Rücken ein rotes LED-Lichtlein besitzt, das mit einer Batterie mehr als zwei volle Tage lang leuchten soll, ist viel weniger überzeugend als die gedichteten Nähte, die unterlegten und trotzdem leichtgängigen Reißverschlüsse und die Belüftung unter den Achseln.

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