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Windräder und ihre Antriebskonzepte : Windstrom ist nicht gleich Windstrom

  • -Aktualisiert am

In Schwellenländern wie hier in Indien sprießen Windräder wie Spargel aus dem Boden Bild: AP

Soll Windstrom einen Beitrag zur Unterstützung des Stromnetzes liefern, muss seine Qualität dem aus konventionellen Kraftwerken entsprechen. Das gelingt bis heute nur in den seltensten Fällen. Neue Antriebskonzepte könnten hier helfen.

          Der Energiehunger der Welt ist enorm. So fehlen etwa in Indien 16 000 Megawatt an Kraftwerksleistung, und es gibt keine Anzeichen dafür, dass diese Lücke in absehbarer Zeit geschlossen werden kann. Auch in den kommenden Jahren wird der Bau neuer Kraftwerke weit hinter dem Bedarf zurückbleiben. Das war in der Vergangenheit nicht anders, so dass Mitte der neunziger Jahre der Kunstfaserhersteller Tulsi Tanti aus dem östlich von Bombay gelegenen Pune häufiger, als ihm lieb war, die Produktion unterbrechen musste.

          Tanti wusste einen Ausweg. Er kaufte zwei dänische Windräder, speiste den Strom ins lokale Netz ein und wurde von da an bevorzugt - und zuverlässig - mit Elektrizität versorgt. Sein Modell stieß bei anderen Fabrikanten auf Interesse, so dass Tanti sich entschloss, das Textilgewerbe sausen zu lassen und gemeinsam mit seinen drei Brüdern Girish, Jitendra und Vinod ins Windradgeschäft einzusteigen. Heute baut das Unternehmen Suzlon Energy Windmühlen in Indien, China und Nordamerika. Zudem betreibt Tanti mehrere Windparks, in die man sich einkaufen und privilegierter Strombezieher werden kann. Im indischen Bundesstaat Tamil Nadu steht der größte des Kontinents; 464 Windräder mit einer Kapazität von 547 Megawatt bedienen sich hier der kostenlos zur Verfügung stehenden Windkraft.

          Windräder wie Autos oder Staubsauger fertigen

          Dank seines Modells „Bauen und Betreiben“ ist Tanti mittlerweile zum Dollarmilliardär avanciert. Nachdem er zu Beginn des Jahres die Mehrheit beim zweitgrößten deutschen Windradhersteller Repower übernommen und dabei den französischen Atomkonzern Areva überboten hatte, wird er als fünftgrößter Windkraftproduzent der Welt gehandelt. Und sein Streben nach weiteren Marktanteilen ist keineswegs gebremst. In den kommenden zwölf Monaten will er die Kapazitäten der Suzlon-Werke, bei Repower und beim ebenfalls zur Tanti-Gruppe zählenden belgischen Getriebehersteller Hansen in etwa verdoppeln. Windräder mit einer Leistung von 7400 Megawatt sollen dann jedes Jahr seine Fabriken verlassen.

          Für dieses Ziel müssen Windräder wie Autos oder Staubsauger in Serie gefertigt werden. Um Abhängigkeiten von Lieferanten klein zu halten, baut Tanti die wesentlichen Komponenten wie Flügel, Generatoren und Getriebe selbst. Ihm ist wichtig, dass seine Windräder vor allem einfach, zuverlässig und billig sind, daher setzt er konsequent auf erprobte Antriebskonzepte. Aufgrund der derzeit großen Nachfrage nach Windrädern überall auf der Welt, die bereits zu Lieferfristen von bis zu zwei Jahren führte, wird es nach der Meinung von Tanti in naher Zukunft bei Windrädern keinen Wettbewerb unterschiedlicher technischer Konzepte geben.

          Für die Kaufentscheidung wesentlich sei vielmehr der Preis für eine Kilowattstunde Windstrom, die eine Anlage generieren kann. Doch das stimmt nicht ganz. Denn nicht nur Lohn- und Materialkosten bestimmen den Preis eines Windrads, sondern auch die Technik hat Einfluss darauf. Und ganz entscheidend: Die Technik bestimmt die Qualität des Windstroms. Und die muss besser werden, je mehr Windräder ans Netz gehen.

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