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Windpark „London Array“ : Problemriesen auf Stahlfüßen

  • -Aktualisiert am

Das Gelbe vom Turm: Das Fundament ist fertig, die Montage des Windrads kann beginnen Bild: London Array Limited

Das Aufstellen von Offshore-Windrädern gelingt nicht ohne hochseetaugliche Hubschiffe. Das zeigen die Erfahrungen beim Bau des größten Windparks der Welt: „London Array“.

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          Das Aufstellen von Offshore-Windrädern ist noch längst nicht Routine. Nahezu bei jedem neuen Projekt tauchen Schwierigkeiten auf, die das Stromernten weit vor den Küsten von Nord- und Ostsee verzögern und die Kosten der über Seekabel an Land geschafften CO2-freien Kilowattstunden in die Höhe treiben.

          Vor allem die salzhaltige Seeluft macht den Anlagen zu schaffen. So mussten etwa im Windpark „Horns Rev 1“ fast alle 80 Getriebe, Generatoren und auch einige der Rotorblätter getauscht werden. Auch mit dem Korrosionsschutz der Stahlfüße der Windturbinen haperte es, der Schutzlack warf Blasen. Lange suchte man nach einer Lösung, letztlich entschied man sich für ein strenges „Monitoring“ der Fundamente. Neue Getriebe bekam auch die Hälfte der zwölf Windräder des deutschen Vorzeigewindparks „Alpha Ventus“ rund 45 Kilometer vor Borkum. Hier hatte man aus unerfindlichen Gründen für die Lager der Getriebe einen anderen Stahl als bei dem über Monate getesteten Proberad an Land verwendet.

          Erste Windräder sollen im Dezember aufgestellt werden

          Wie sich herausstellt, sind vor allem die Kabel als Verbindungen von den Windmühlen zum Stromnetz auf dem Festland überdurchschnittlich störanfällig. So ist das Gros aller Versicherungsfälle auf fehlerhafte Kabelverbindungen zurückzuführen. Besonders verwunderlich ist das nicht, zerren doch an den in der Nordsee verlegten Kabeln permanent die Gezeitenströme. Besonders starken Belastungen unterliegen die Kabel dort, wo sie in die stählernen Beine der Windräder eingeführt werden.

          Zweiteiler: Bis zu 60 Meter messen die rostroten Rammrohre, auf sie setzt man die gelben Übergangsstücke, darauf dann die Windräder

          Wie schwierig das Verkabeln von Offshore-Windrädern ist, merken derzeit die Bauherren des nach seiner Fertigstellung größten Offshore-Windparks der Welt: „London Array“. Gut 24 Kilometer östlich der Küsten von Essex und Kent werden 175 Windanlagen (Nennleistung insgesamt 630 Megawatt) in das dort maximal 20 Meter tiefe Wasser gestellt. Bis heute haben die Arbeiter knapp 80 der aus einem bis zu 60 Meter langen zylindrischen Rammpfeiler und einem darauf sitzenden Übergangsstück bestehenden Fundamente fertiggestellt. Windräder sind noch keine montiert. Die ersten der von Siemens gebauten Exemplare sollen im Dezember aufgestellt werden.

          230.000 Euro müssen die Erbauer täglich für die Miete überweisen

          Erst zu fünf der signalgelb angestrichenen Windradfundamente hat man bisher Kabel gelegt. Das sollte deutlich schneller gehen. Doch hat sich herausgestellt, dass die zum Aufstellen der Türme benötigten Hubschiffe sich mit ihren Stützbeinen extrem tief in den englischen Meeresboden eindrücken. Löcher entstehen, und zwar richtig große. So misst jede Stellfläche der sechs Stelzen, an denen sich die „MPI Adventure“ in die Höhe hievt, 72 Quadratmeter und hinterlässt im Boden eine bis zu zwölf Meter tiefe Grube, in die ein Einfamilienhaus locker hineinpasst. Diese Abdrucklöcher müssen die Kabelleger sorgfältig umkurven. Quer darüber hinweg legen funktioniert nicht. Die Kabel würden gefährlich gestreckt.

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