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Drei Klassikhelme im Test : Siehst alt aus

Der Shoei Glamster (grau) ist ein modernes Produkt mit Andeutungen von Nostalgie, Held Root (schwarz) und Torc T-1 setzen auf die alten Ideale. Bild: Aders, Hannah

Old- und Youngtimer-Freunden steht er gut, der Retrohut. Wie modern darf ein Klassikhelm sein?

          3 Min.

          Triumph Thruxton oder Speed Twin, Harley der alten Schule, BMW-Schätzchen mit luftgekühltem Boxer – wer so etwas besitzt und auf den Boulevard führt, setzt sich ungern irgendeine beliebige Schale auf den Kopf. Ein bisschen Stil, passend zum Fahrzeug, muss schon sein. Zahlreiche Motorräder mit nostalgischer Note sind in den vergangenen Jahren auf den Markt gekommen, die Umbau-Szene erlebte eine Blüte, was die Nachfrage nach einer Alternative zum Nullachtfuffzehn-Helm anfachte. Auch Old- und Youngtimer-Freunden steht er gut, der Retrohut.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Gemeint ist nicht die Jet-Ausführung, sondern die seltenere, besser schützende Integral-Bauart. Die Marke Bell war der Vorreiter, setzte vor einigen Jahren mit seinem teuren, schönen Bullitt eine Bewegung in Gang. Seitdem hat das Angebot zugenommen. Doch Retro ist nicht gleich Retro. Wir haben drei Typen ausprobiert, die zeigen, welche Bandbreite klassisch aussehende Helme heute abdecken.

          Traditionelle Form mit schmalem Kinnteil und entsprechend unverbautem Sichtfeld stellt die wichtigste Gemeinsamkeit der Gattung dar. Weitere sind der Riemen mit Doppel-D-Verschluss und die Tatsache, dass es von der offenen Unterseite her hineinzieht und um die Augen weht. Zwei unserer Kandidaten, der Root von Held und der T-1 von Torc, sind in dieser Hinsicht sehr authentisch. Sie klammern sich an die Vergangenheit und erzeugen ein uriges Tragegefühl. Erschwerende Begleitumstände gilt es in Kauf zu nehmen.

          Held Root Bilderstrecke
          Im Test : Drei Retro-Helme

          Anders der Glamster von Shoei. Gegen Zugluft lässt sich an der Unterseite des Kinnteils ein Windabweiser montieren, gegen das Beschlagen des Visiers eine im Lieferumfang enthaltene Pinlock-Doppelscheibe anbringen. Steckt der Kopf erst mal drin, wirkt der Glamster kompromisslos modern mit hoher Qualitätsanmutung. Wie man es vom japanischen Hersteller gewohnt ist.

          Der lässt sich das gut bezahlen. 450 Euro lautet die Preisempfehlung für die einfarbigen Versionen des Shoei, 550 Euro für die mit mehrfarbigem Dekor. Den Torc bekommt man für 250 (Dekor 260) Euro, den Held schon für 185 beziehungsweise 195 Euro.

          Als Erstes haben wir die frisch Ausgepackten auf die Waage gelegt. 1332 Gramm weist die Anzeige für den Torc aus, 1228 Gramm für den Held, beide also nicht unangenehm schwergewichtig. Geradezu verblüffend leicht ist mit 1172 Gramm der Shoei, der zudem außerordentlich kompakt ausfällt. Das gelingt, weil der Hersteller für die sechs Größenoptionen von XS bis XXL Außenschalen in drei Größen verwendet – ein ungewöhnlicher Aufwand. Im Fall des Torc sind es Fiberglasschalen in zwei Größen, Held belässt es bei einer Einheitsgröße.

          Mittelstellung für den Stadtverkehr fehlt

          Weiteres Alleinstellungsmerkmal des Shoei: Die flauschigen Polster werden in unterschiedlichen Stärken angeboten, je nach Gesichtsform. Zudem sind die Wangenpolster mit Notfalllaschen zum Herausziehen versehen. Unser Exemplar saß vorbildlich straff an Oberkopf und Wangen sowie luftig um die Ohren. Die – allzu modern aussehende – Lüftungsöffnung an der Stirn hat eine spürbare, für heiße Tage jedoch zu geringe Wirkung. Attrappen sind die Lüftungsgitter am Kinnteil.

          Das Visier des Glamster rastet geschlossen wie offen sicher ein. Was uns fehlt, ist eine Mittelstellung für den Stadtverkehr. Weder das eine noch das andere hat der Held zu bieten, dessen Visier im Unterschied zum aufwendigen Shoei-Feder-Mechanismus von simplen Schaubbefestigungen gehalten wird. Dafür weist er Druckknöpfe nach Art der Siebziger auf. Beim Schließen schnappen Magnete zu – funktioniert gut.

          Mit klassischen Chromumrandungen schmücken sich Held wie auch Torc. Leider fügen sich bei beiden Chromrand und oberer Visierrand gegenseitig Kratzer zu. Beide Helme, vor allem den schlichten, günstigen Held, hatten wir anfangs als Blender im Verdacht, doch sie können mehr als vermutet. Stabiler Sitz auch bei höherem Tempo, kein Verdrehen beim Blick zur Seite – da halten sich beide tapfer. Der straff, aber bequem sitzende Held hat überflüssige Lüftungsöffnungen am Kinn, aber keine dort, wo es Sinn ergäbe, nämlich an der Stirn. Nun gut. Ein wohlgeratenes Futter wurde ihm spendiert.

          Der Torc geht sogar mit einer Innenausstattung aus braunem Wildleder-Imitat ins Rennen, wenn auch weniger komfortabel und an der Stirn zu dünn gepolstert. Brillenbügel lassen sich, anders als bei Held und Shoei, nur schlecht einfädeln. Abgesehen davon ist er als Retrodarsteller überzeugend, wirkt eine Nummer nobler als der Held, wozu sein besonders massives Visier, vier hübsch gestaltete Lüftungsöffnungen vorn sowie Luftauslässe am Hinterkopf und in die Schale eingearbeitete Konturen beitragen. Der T-1 bekommt den Schönheitspreis, Windgeräusche allerdings dämmt er nicht allzu effizient. Eine weitere Gemeinsamkeit mit den anderen beiden.

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