https://www.faz.net/-gy9-7xtuw

Drohnen für jedermann : Es drohnt Gefahr

Sind die Trauben schon reif? Quadrocopter über einem Weinberg Bild: AFP

In diesem Jahr haben viele Drohnen unter den Weihnachtsbäumen gelegen. Die Bilder aus der Luft machen Spaß. Aber wie gefährlich sind die Drohnen für jedermann?

          Sie waren der Renner im Weihnachtsgeschäft: unbemannte Flugobjekte für den Hausgebrauch, umgangssprachlich besser bekannt als Drohnen und im Auftrag des Christkinds im nichtmilitärischen Bereich im Einsatz. Ihre anfänglich instabilen und nur von Könnern beherrschbaren Flugeigenschaften haben sich deutlich verbessert, moderne Quadrocopter mit vier elektrisch angetriebenen Propellern fliegen sich kinderleicht. Da beginnt das Problem.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Schon Kinder und Jugendliche lassen die Drohnen aufsteigen, und was ein Spitzen-Ufo wie der DJI Phantom 2 kann, versetzt Piloten von echten Flugzeugen in Angst und Schrecken. Top-Drohnen haben schon in der Serienversion 700 Meter Reichweite, mit Reichweitenverlängerer schaffen sie bis zu 1000 Meter, und sie fliegen mit Geschwindigkeiten jenseits von 50km/h. Rund 25 Minuten können sie in der Luft bleiben. Solche Geräte kosten bis zu 1500 Euro. Es gibt aber auch schon das Dröhnchen für Einsteiger für unter 50 Euro von Revell, und brauchbare Alltagsmodelle kosten etwa bei Conrad Electronic um 350 Euro. Und allesamt bereiten Groß und Klein beträchtliche Freude am Fliegen. Da kann kein Drachen mehr mithalten.

          Der Clou ist natürlich die Kamera, mit der gestochen scharfe Bilder aus der Höhe geschossen werden. Das Selfie-Gruppenfoto aus der Luft ist der Hit der Saison. Nicht umsonst denkt der erfolgreiche Hersteller von Action-Kameras, Go Pro, über die Herstellung eigener Drohnen nach. Das wirft zusätzlich das Problem der Persönlichkeitssphäre auf, denn von oben sieht die Welt bekanntlich anders aus, grenzenlos. „Mit Hilfe des unbemannten Luftfahrtsystems darf nicht in den Bereich der privaten Lebensgestaltung Dritter eingedrungen werden“, lässt das Bundesverkehrsministerium wissen.

          Die derzeitige Rechtslage

          Gut gebrüllt, aber schon wird berichtet, dass Bildaufnahmen aus der Luft von einem schweren Verkehrsunfall aufgetaucht sind, bei dem Menschen in ihrem Auto verbrannt sind. Das empört nicht nur Retter und Feuerwehr, es wirft auch die Frage auf: Gibt es überhaupt keine Grenzen des Anstands mehr? Auch ist dem Vernehmen nach schon eine Drohne in Norddeutschland mitten auf eine Hauptstraße abgestürzt. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn sie Menschen oder ein Auto getroffen hätte.

          Hochgefühl: Auch ohne größeres Können lassen sich moderne Drohnen steuern. Die Versuchung liegt in der Luft, und Bilder von oben sind sowieso atemraubend.

          Welche Behörde, welches Ministerium kümmert sich? Oder ist Eigenverantwortung gefragt? Das auf den Flugverkehr achtende Luftfahrt-Bundesamt ist hier nicht zuständig. Die Regeln setzt das Bundesverkehrsministerium. Nach der derzeitigen Rechtslage, das heißt nach §15a der Luftverkehrsordnung, ist in Deutschland der Betrieb von unbemannten Luftfahrtsystemen verboten, wenn er außerhalb der Sichtweite des Steuerers erfolgt oder die Gesamtmasse des Geräts mehr als 25 Kilogramm beträgt. Der Betrieb erfolgt außerhalb der Sichtweite des Steuerers, wenn das Luftfahrtgerät ohne besondere optische Hilfsmittel nicht mehr zu sehen oder eindeutig zu erkennen ist. Das Ministerium stellt ergänzend fest: Die maximal zulässige Flughöhe über Grund beträgt 100 Meter, und der Betrieb darf nicht über Menschen, Kraftwerken, Justizvollzugsanstalten, Einsatzorten der Polizei oder militärischen Anlagen geschehen.

          Gewerbliche Anbieter wie Paketdienste oder Spürnasen üben schon kräftig.

          Gewerbliche Nutzung wie etwa von der Deutschen Post oder Amazon und die damit verbundene Erteilung von Fluggenehmigungen erscheinen als minderschweres Problem, da Befähigungsnachweise erbracht werden müssen und die Überwachung vergleichsweise leichtfallen sollte. Die Erlaubnis – manche Geräte erhalten eine generelle, andere benötigen eine Einzelerlaubnis – zum Betrieb eines unbemannten Luftfahrtsystems, wie das in der Amtssprache heißt, erteilen die Luftfahrtbehörden der Länder, zum Beispiel das Regierungspräsidium. Sie prüfen den Antrag nach einem Kriterienkatalog, der unter anderem das Einsatzgebiet, Bescheinigungen über Schulungen oder auch ein Notfallverfahren im Falle eines Funkausfalls beinhaltet. Letztere Gefahr immerhin können smarte Drohnen minimieren, sie kehren bei einer Störung vollautomatisch auf eine Basisstation zurück.

          Weitere Themen

          Dacia Duster Video-Seite öffnen

          F.A.Z.-Fahrbericht : Dacia Duster

          Kein SUV bietet mehr fürs Geld. Das merken immer mehr Kunden, und mit dem neuen Turbo-Benziner ist der Dacia Duster sogar richtig flott.

          Topmeldungen

          Robert O'Brien Anfang August in Stockholm in seiner Funktion als Sondergesandter für Geiselangelegenheiten

          Vereinigte Staaten : Robert O’Brien wird Nationaler Sicherheitsberater

          Präsident Trump hat einen Nachfolger für den geschassten Nationalen Sicherheitsberater John Bolton gefunden: Robert O’Brien, bislang „sehr erfolgreich“ als Sondergesandter für Geiselangelegenheiten tätig, soll den Posten übernehmen.

          Series 5 im Test : Wie gut ist die neue Apple Watch?

          Am Freitag kommt die neue Smartwatch von Apple in den Handel. Die dunkle Anzeige im Ruhemodus ist damit Vergangenheit. Das Display der Series 5 ist immer eingeschaltet. Aber es gibt ein Problem.

          Ter Stegen, Neuer und Löw : Der simulierte Konkurrenzkampf

          Manuel Neuer ist und bleibt die Nummer eins von Bundestrainer Joachim Löw in der deutschen Nationalmannschaft – auch weil Marc-André ter Stegen nie beweisen durfte, ob er es besser kann.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.