https://www.faz.net/-gy9-7xtuw

Drohnen für jedermann : Es drohnt Gefahr

Bekommen die Spinner mit Laserpointern eine neue Spielwiese?

Größere Schwierigkeiten bereitet die wachsende Anzahl privater Nutzer, die per definitionem ein Flugmodell betreiben. Das braucht, sofern es höchstens fünf Kilogramm wiegt und nicht von einem Verbrennungsmotor angetrieben wird, keine spezielle Genehmigung – eine Haftpflichtversicherung ist freilich angeraten. Dazu sagt der Gesetzgeber: Dient die Nutzung des Geräts dem Zwecke des Sports oder der Freizeitgestaltung, so gelten die Regelungen über Flugmodelle. Mithin, zugespitzt formuliert, keine. Die allermeisten Hobbydrohnen-Piloten kennen sich mit Gepflogenheiten im Luftverkehr nicht aus und machen sich auch gar keine Gedanken darum. Wie weit muss man von einem Flughafen entfernt bleiben? Wo verlaufen Einflugschneisen? Welchen Anflugwinkel, mithin welche Höhe wählen Airbus- und Boeing-Piloten? Wie hoch fliegt ein Privatflugzeug im Geradeausflug? Wo kurbeln Segelflugzeuge auf der Suche nach dem Aufwind? Wo schwebt ein Gleitschirm herab? Wie tief fliegt ein Rettungshubschrauber? Keine Ahnung, kein Interesse, kein Gedanke.

Auch im Sport geht es hoch hinaus. Hier sind Profis am Steuer – hoffentlich.

„Wir sind mit der Drohne sogar durch die Wolken geflogen, das ist cool, da kannst du dir die Wolken von oben ansehen“, berichtet stolz der Junge vom Kindergeburtstag. Genau das aber ist es nicht. Vor allem Privatpiloten, die auf Sicht und bisweilen in niedriger Höhe fliegen, sind gefährdet. 1000 Meter oder weniger sind für sie keine unübliche Höhe. Sie fliegen nach klar definierten Regeln und müssen sich etwa von Wolken fernhalten, damit sie sich nicht gegeneinander ins Gehege kommen. Was aber nützt das, wenn von unten eine Drohne durch die Wolke schießt und vor der Cessna auftaucht? Der Zusammenprall wird im besten Fall einen großen Schrecken und einen kleinen Schaden verursachen. Im schlechtesten Fall wird er Menschenleben kosten. Schon wird unter Fliegern befürchtet, dass die Spinner, die mit Laserpointern auf Piloten zielen, eine neue Spielwiese entdecken und auf die Idee kommen, mit Drohnen in die Nähe landender Flugzeuge zu fliegen, um zu sehen, was passiert.

Manch höherwertiges Gerät hat eine Flugverbotszonen-Einstellung

Und es ist keineswegs so, dass die Gefahr rund um Verkehrsflughäfen mit ihren penibel überwachten Lufträumen zu vernachlässigen wäre. Von dort gibt es inzwischen vermehrt Meldungen von Beinahe-Zusammenstößen. Aus London-Heathrow stammt die jüngste Meldung. Demnach ist es an dem britischen Drehkreuz in 213 Metern Höhe fast zur Kollision zwischen einem Airbus und einer Drohne gekommen. Auch aus den Vereinigten Staaten tauchen mehrere Meldungen auf, bei einem Zwischenfall sind sich angeblich Passagierflugzeug und Drohne im Landeanflug auf weniger als 50 Meter nahe gekommen. Die Deutsche Flugsicherung ist ebenfalls sensibilisiert, hat aber zum Glück in Deutschland noch keinen gefährlichen Zwischenfall registriert. „Solange sich alle an die Gesetze halten, sollte nichts passieren“, sagt deren Sprecher Axel Raab. Was für Verkehrsflughäfen bedeutet: Im Umkreis von 1,5 Kilometern vom Zaun herrscht absolutes Flugverbot für Drohnen, und mehr als 100 Meter Höhe sind nie erlaubt. Wer aber weiß das? Und wer misst das nach? Immerhin: Manch höherwertiges Gerät hat eine Flugverbotszonen-Einstellung. Allerdings muss der Hobbyflieger die Einstellung aktivieren können oder wollen.

Womöglich wäre eine technische Lösung angebracht, mit einem Luftdruckmesser, der die Flughöhe begrenzt. Das kann kaum die Welt kosten, sind doch heute schon Fitnessarmbänder oder Smartphones so ausstaffiert. Oder man könnte die Verpflichtung zu einer Art Beipackzettel überlegen, auf dass vor Inbetriebnahme der Drohne jedem deutlich werde, wie dicht Freud und Leid beieinanderfliegen. Andererseits liest heute kein Jugendlicher mehr Betriebsanleitungen, also vermutlich auch keine Warnhinweise auf beigelegten Zetteln. In jedem Fall ist angesagt, dass sich die Freizeitkapitäne nicht ihren Spaß vermiesen lassen, sich aber vor Augen führen, was sie sind: ein Teilnehmer im Luftraum. Kinder können die Tragweite dessen schlecht oder gar nicht abschätzen.

Sollten sie dieses Jahr eine Drohne unter den Weihnachtsbaum gelegt haben, sind also auch die Eltern gefragt.

Damit fliegen Hobbypiloten

Die jüngsten Multikopter für Hobbypiloten, wie etwa die im Haupttext erwähnte Phantom 2 von DJI, bieten lange Flugzeiten bis zu 25 Minuten, und sie lassen sich über Distanzen bis zu einem Kilometer fernsteuern. Automatikprogramme sorgen dafür, dass die Drohne bei Verlust des Fernsteuerungssignals in einem Failsafe-Modus zum Startpunkt zurückfliegt. Im Flug sorgt die Elektronik im Zusammenspiel mit GPS für das Beibehalten von Position und Höhe sowie ein stabiles Schwebeverhalten. Auch lassen sich vorab Wegpunkte programmieren, die nacheinander abgeflogen werden. In Deutschland ist das Fluggerät (ohne Kamera) für rund 600 Euro erhältlich. In der gleichen Preisklasse fliegt der Walkera QR X350 Pro mit Kamerahalterung und ebenfalls 25 Minuten Flugzeit.

Für den semiprofessionellen Einsatz empfiehlt sich der Hexacopter Flat Head S800, der etwa 1700 Euro kostet und ebenfalls Autostabilisierung sowie GPS-gesteuertes Schweben auf der Stelle erlaubt. Dieser Bolide kann eine Kameraausrüstung mit bis zu zwei Kilogramm heben und fliegt maximal 15 Minuten. Fotografen und Filmer setzen häufig den Profi S920-8 Octocopter ein, der 3500 Euro kostet und bei einem Leergewicht von 3,35 Kilogramm weitere 4 Kilogramm Zuladung für Kamera oder Filmausrüstung verträgt.

Die neue Bebop von Parrot richtet sich eher an den Laien. Sie hat für spektakuläre Luftaufnahmen gleich eine 14-Megapixel-Kamera mit Fischaugenobjektiv eingebaut. Der Hersteller gibt eine Reichweite von 250 Meter und eine Akkulaufzeit von elf Minuten an. Mitsamt Kamera kostet der 400 Gramm leichte Quadrocopter um 500 Euro und kommt in diesen Tagen in den Handel. misp.

Weitere Themen

Topmeldungen

Annegret Kramp-Karrenbauer : Sie setzt alles auf eine Karte

Sollte die Verteidigungsministerin einmal Kanzlerin sein, wird sie für den Mut gepriesen werden, den sie mit ihrem Syrien-Vorstoß beweist. Sollte sie es nicht werden, wird der Vorschlag ein Beispiel dafür sein, dass sie sich übernommen hat. Eine Analyse.
Die erste Eiskunstläuferin der Vereinigten Arabischen Emirate: Zahra Lari

Frauen aus den Emiraten : Ihr braucht uns nicht zu retten!

Auch wenn der Westen es kaum bemerkt: Am Golf verbessert sich die Stellung der Frau in kleinen Schritten: Fünf Beispiele aus den Vereinigten Arabischen Emiraten – über Träume, Vorbilder, Pflichten und Ängste.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.