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Weltkulturerbe? : Die erste Halle der Elektropolis

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Wuchtige Front an der Huttenstraße

Der zurückgesetzte Hoftrakt und die Fassade an der Berlichingenstraße heben die wuchtige Front an der Huttenstraße hervor: Mit ihrem polygonal gebrochenen Giebel, ihren bündig abschließenden großen Fenstern und den abgerundeten Eckpfeilern wirkt sie konstruktiv und repräsentativ zugleich. So scheinen die Fenster und die Eckpfeiler aus Beton einen mächtigen Giebel zu tragen. Die „Pfeiler“ wirken wegen der horizontalen Bänder und der Oberflächen wie Naturstein, sind aber tatsächlich nur Verkleidung: eine dünne Betonhaut vor einer Eisenkonstruktion. Bernhard empfand die Giebelfront deshalb als konstruktiv unehrlich, die Seitenfront an der Berlichingenstraße jedoch als „echtes und unantastbares Kunstwerk des Eisenbaus“. Die meisten Zeitgenossen aber waren begeistert von dem „Maschinendom“, in dem sich „die heitere Göttin Kunst“ neben das „graue Gespenst“ der Arbeit gesetzt hatte.

Der materialgerechte Umgang war bei dem Bau begrenzt. So sind die Binder wesentlich stärker ausgebildet als rechnerisch notwendig. Damit wollte Behrens der Halle ästhetisch eine gewisse Stabilität verleihen. Sie war so auch ein Symbol der festgegründeten Macht der Großindustrie, die mit dem wilhelminischen Imperialismus eng verflochten war. Dieser autoritäre Ausdruck wird im Vergleich zu den klassisch modernen Bauten der Fagus-Werke in Alfeld besonders deutlich. Sie waren von Walter Gropius, der zuvor bei Behrens an der Turbinenhalle mitgearbeitet hatte, bis 1914 verwirklicht worden.

Die 1912 von Behrens und Bernhard gebaute Großmaschinenhalle im AEG-Werk Berlin-Wedding vermeidet diese Diskussion: Es ist ein modernes, sparsam gegliedertes Bauwerk mit großflächigen Backsteinfassaden. Außerdem ist das Hallentragwerk sinnvoller. Sie hat Rahmenbinder ohne Gelenke mit kräftigen Stützen - ebenso wie die Hallen der AEG-Transformatorenfabrik von 1916 in Berlin-Oberschöneweide oder die Großmaschinenhalle der AEG-Union in Wien-Stadlau von 1921.

Das alte Tragwerk funktioniert aber bis heute

Nach technischen Fortschritten waren seit Ende des 19. Jahrhunderts immer größere Hallen entwickelt worden. Dafür wurden oft bewährte Tragwerke übernommen, ohne spezielle Anforderungen zu berücksichtigen. So ist die Konstruktion der AEG-Turbinenhalle technisch ungünstig, weil ihre Dreigelenkbinder das Dach und die kräftigen Hallenkrane tragen müssen. Die Knickpunkte zum Dach werden deshalb stark belastet, meinen Stahlbau-Experten.

Das alte Tragwerk funktioniert aber bis heute. 1939 bis 1941 wurde es um eine zurückhaltende Rahmenkonstruktion verlängert. 1969 kam eine architektonisch belanglose Kiste dazu. Damals hatten AEG und Siemens ihr Kraftwerksgeschäft zusammengelegt und konzentrierten die Dampfturbinen-Produktion in Mülheim. In Berlin wurden seit 1972 Gasturbinen gebaut, heute unter der Regie der Siemens Fossil Power Generation. Mit den modernen Materialien ohne Dekoration, den sorgfältig abgestimmten Proportionen und der Transparenz markiert dieses Schlüsselwerk moderner Industriearchitektur indes einen Paradigmenwechsel. Als Säule einer Denkmallandschaft „Elektropolis“ wollen die deutschen Industriedenkmalpfleger die AEG-Turbinenhalle deshalb auf die Vorschlagsliste des Unesco-Weltkulturerbes setzen.

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