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Melitta gegen Moccamaster : Wie gut sind Filterkaffeemaschinen?

Melitta Aroma Fresh und Moccamaster KBG 741 Bild: Hersteller

Mit der Hand gebrühter Filterkaffee ist die Kür. Doch manchmal bleibt nur Zeit für die Pflicht. Dann müssen die Maschinen übernehmen. Wie gut können das Melitta und Moccamaster?

          Maschinen als Küchengesellen liegen im Trend. Sie sollen Menschen helfen, die entweder nicht kochen können oder nicht die Zeit dazu haben. Ihre Nachteile liegen auf der Hand. Weil sie wie eine Blackbox arbeiten, ist es schwierig, in den Prozess einzugreifen, wenn das Ergebnis nicht das erwünschte ist. Der Mensch behält indes jederzeit die Kontrolle. So ist es auch bei der Kaffeezubereitung. Deshalb stehen in guten Cafés Baristi vor Filtereinsätzen, um mit kreisenden Bewegungen im immer gleichen Rhythmus das Mehl zu befeuchten, bis die gewünschte Menge erreicht ist. Der extrahierte Kaffee wird so exakt mit einer Waage gemessen wie das Gewicht der Bohnen, die für jede einzelne Tasse frisch gemahlen werden. Auch die Temperatur sollte stimmen und einen bestimmen Bereich nicht verlassen.

          Dafür sind einige Utensilien wie Waage, Wasserkessel, Filter und Thermometer notwendig, die meist alle von Hario stammen. Das japanische Unternehmen hat eine Monopolstellung, was an der sehr guten Qualität der Produkte und dem dahinterstehenden ganzheitlichen Konzept liegt. Hario hat den Filterkaffee vor einigen Jahren mit Erfolg wieder modern gemacht.

          Nun stellt sich für Kaffeefreunde mit wenig Zeit und Geduld dennoch die Frage, ob mit dieser Handbrühmethode vielleicht doch eine Maschine mithalten kann. Viele Baristi würden kategorisch verneinen: Das geht nicht, wie soll allein die Handbewegung maschinell simuliert werden? Baristi mit einer weniger dogmatischen Haltung würden antworten: Wenn überhaupt mit der Moccamaster.

          An der Farbe scheitert es bei der Moccamaster nicht. Bilderstrecke

          Diese Filterkaffeemaschine gilt in der Szene als Referenz. Das schlägt sich auch im Preis nieder. Die KBG 741 kostet offiziell 220 Euro, im Internet hält sich tapfer der Preis von zirka 185 Euro. Das holländische Unternehmen rechtfertigt ihn mit der „Handfertigung“ im eigenen Land, „hochwertigen“ Materialien, „elegantem Design“ und einer „extrem langen Lebensdauer“. Letzteres können wir aufgrund der Testdauer nicht verifizieren, alle übrigen Merkmale stimmen. Schon das Farbspektrum, aus dem Kunden auswählen können, ist beachtlich. Die Maschine ist zugleich ein Designobjekt, das aufgrund seines Retrolooks besonders aussieht und sich deutlich von einer gewöhnlichen Kaffeemaschine unterscheidet.

          Doch hochwertige Gehäuse und eine anstandslose Verarbeitung können manch andere Produkte auch vorweisen. Für Kenner sind zwei Funktionen wichtig. Die Moccamaster erhitzt das Wasser auf eine Temperatur von 92 bis 96 Grad, was nach den Konventionen der Kaffeeexperten richtig ist. Zudem versucht sie ein Problem zu umgehen, das die meisten anderen Filtermaschinen seit Jahrzehnten haben. Bei einem Standardprodukt läuft das heiße Wasser aus einem einzigen Loch, um sich nach wenigen Zentimeter freien Falls mit dem Mehl zu vermengen. Das gelingt nicht vollständig, weil das Mehl allmählich an die Seite gedrängt wird und sich ein Trichter bildet. Nur ein Teil des Kaffees gibt seine Aromastoffe so ab, wie er soll.

          Verhindern kann diese Trichterbildung eine sogenannte Dusche. Aus neun Löchern soll bei der KBG 741 das heiße Wasser fließen, um das Mehl gleichmäßig zu benetzen. Das lässt sich durch einen Blick in den Filter mit dem feuchten Mehl leicht verifizieren. Der Anblick überrascht – und enttäuscht etwas. Erwartungsgemäß hätte die Oberfläche ungefähr eben sein müssen. Doch auch die Moccamaster hinterlässt am Ende der Extraktion einen kleinen Trichter mit dicken Wänden. Das Mehl hat dort allerdings eine sehr lockere Konsistenz. Weitere Versuche sollen klären, wie es zu dem Trichter kommt. Der Weg des Wassers vom Durchlauf in den Papierfilter lässt sich genau beobachten. Dieses fließt so behutsam, dass es über die ersten Löcher hinweg läuft, um sich an den letzten zu sammeln und fast wie in einer Blase nach unten zu bewegen. Durch das sanfte Hinuntergleiten wird das Mehl nicht gepresst, eine lockere Masse entsteht. Die unvollständige Wasserverteilung kann die Trichterbildung jedoch nicht verhindern.

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