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Melitta gegen Moccamaster : Wie gut sind Filterkaffeemaschinen?

Aroma Fresh von Melitta: Der kurze Weg der Bohne

Wegen der fehlenden Dusche zählte die Aroma Fresh von Melitta, die 170 Euro kostet (ein Online-Händler bietet sie für 120 Euro an), anfangs nicht zu unserem Favoritenkreis, macht aber durch ihr attraktives All-in-one-System auf sich aufmerksam. Mit der Maschine ist der Weg von der Bohne zum Heißgetränk sehr effizient. Eine Mühle sitzt oberhalb des Filterhalters, so dass die gemahlenen Bohnen direkt im Papierfilter landen, um danach mit heißem Wasser befeuchtet zu werden. Die Aromen können sich nicht verflüchtigen. Genau betrachtet, sind sie noch weniger der Luft ausgesetzt als bei einer Kombination aus Maschine und separater Mühle. Auch bei der Aroma Fresh überrascht der Blick in den Papierfilter. Wegen der fehlenden Dusche hätten wir eigentlich einen Trichter erwartet. Doch die Oberfläche des feuchten Mehls ist schön flach, ähnlich wie das Ergebnis, wenn mit der Hand gebrüht wird. Erst auf Nachfrage bei Melitta konnte das Rätsel gelöst werden. Die Aroma Fresh arbeitet doch mit einer kleinen Dusche, was die Marketingabteilung wohl jetzt erst mitbekommen hat. Drei Auslauflöcher verteilen das Wasser, sie sitzen in einem Abstand von jeweils 30 Millimeter. Ganz so sanft wie bei der Moccamaster landen die Tropfen nicht auf dem Mehl, der Kaffeesud hat eine festere Konsistenz.

Wie alle Vollautomaten bringt auch die Aroma Fresh Einschränkungen mit sich. Die Mühle hat nur drei Einstellungen: fein, normal und grob. Die mittlere Einstellung ist unser Favorit und entspricht in etwa dem Mahlgrad, den wir an der Mühle einstellen, welche die Bohnen für die Moccamaster mahlt. Die Richtlinie, die sich für Filterkaffee bewährt hat, nämlich sechs Gramm Bohnen für 100 Milliliter Wasser, hält die Maschine fast ein. Auf zwei Tassen, was etwa 280 Milliliter entspricht, kommen 16 Gramm Mehl, auf vier Tassen, zirka 570 Milliliter, kommen 32 Gramm. Da die Maschine keine Waage hat, sondern die Mehlmenge über die Mahlzeit bestimmt, landet mit der Einstellung „fein“ weniger und mit „grob“ mehr Mehl im Filter. Reste davon findet man übrigens hin und wieder auf dem Deckel der Glaskanne oder auf der Warmhalteplatte. Die Maschine hat zwar einen abnehmbaren Bohnenbehälter. Aber das Wechseln der Bohnen funktioniert nicht optimal, weil einige im Schacht bleiben und sich mit den Nachfolgern vermengen. Eine separate Mühle, die man für die Moccamaster braucht, hat den Vorteil, dass man sie exakt mit der Menge an Bohnen füllt, die man vorher gewogen hat. Außerdem müssen sich Kaffeetrinker bei der Aroma Fresh an die Tassenangaben in Zweierschritten halten, weil nur diese am Display eingestellt werden können.

Die Melitta-Maschine konnte nach mehreren Testwochen mit unseren Vorurteilen gegenüber solchen Vollautomaten aufräumen. Wir zelebrieren zwar immer noch jeden Morgen mit Leidenschaft und den Gerätschaften von Hario wie Kessel, Filter und Waage sowie der Mühle Sette 270W von Baratza den handgebrühten Kaffee. Doch die Möglichkeit, sich von dem Betriebsgeräusch und Duft der Aroma Fresh wecken zu lassen, ist verlockend. Timer gibt es auch bei anderen Maschinen. Doch nur in diesem Fall lässt er sich sinnvoll einsetzen. Wo sonst das Mehl am Abend zuvor in den Filter gefüllt werden muss und über Nacht einige Aromen verliert, mahlt Melittas Maschine die Bohnen frisch und brüht sofort den Kaffee. Lediglich das Wasser darf man nicht vergessen, wenn man die gewünschte Zeit einstellt. Vor allen Dingen im Büro ist die Aroma Fresh ein sehr praktische Lösung.

Solche Funktionen hat die Moccamaster nicht aufzuweisen. Dafür nähert sie sich mit ihrer Technik etwas mehr dem Handbrühverfahren. Viele Parameter können beachtet werden: Mahlgrad und Mehlmenge sind mit einer separaten Mühle frei wählbar. Der Papierfilter lässt sich vorher mit heißem Wasser ausschwenken. Die Dusche mit neun Löchern verteilt – jedenfalls so der technische Ansatz – das Wasser gleichmäßig und vorsichtig über dem Filter. Bis auf die letzte Funktion können dies viele andere Kaffeemaschinen auch. Was die KBG 741 von Moccamaster auszeichnet, sind Material und Verarbeitung des Gehäuses sowie dessen konzeptioneller Aufbau. Wasserbehälter und -durchlauf, Filterhalter und Kanne sind leicht zugänglich, lassen sich schnell abnehmen und dementsprechend gut reinigen. Es könnte – sofern die Elektronik zuverlässig arbeitet – eine Kaffeemaschine fürs Leben sein.

Aus welcher Maschine schmeckt der Kaffee nun am besten? Der Autor, eine Kollegin und zwei Kollegen traten zum Blindtest an. Recht einstimmiges Urteil: Beide Kaffees schmecken gut und sehr ähnlich. Manche erkannten bei der Moccamaster mehr Milde und bei der Melitta etwas mehr Säure. Möglicherweise lag das aber an dem leicht unterschiedlichen Mahlgrad. Wer den Geschmack perfektionieren will, indem er jeden einzelnen Parameter verändert, wird irgendwann wieder beim Handfiltern landen. Menschen müssen nicht immer alles den Maschinen überlassen.

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