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Wasseraufbereitung : Wasser zweimal nutzen

  • -Aktualisiert am

Schrankgroß: Aufbereitungsanlage von Pontos Bild:

Die heiße Jahreszeit ist nicht immer ein Vergnügen. Wenn die Sommersonne die heimischen Breitengrade wie eine Wüste austrocknet, heißt es: Wasser sparen! Ein guter Helfer hierzu ist die Aufbereitungsanlage von Pontos.

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          Es ist jedes Jahr das gleiche: Kaum steigen im Sommer die Temperaturen, wechselt das Gras im Vorgarten seine Farbe von Grün zu Gelb, beginnen die Deutschen sich Gedanken über den richtigen Umgang mit Wasser zu machen. Beeindruckt von der wasserlosen Sahelzone, das austrocknende Spanien vor Augen, steigt die Bereitschaft, in Wasserspartechnik zu investieren. Doch außer Zisternen gibt es noch ein weitere Methode, den Wasserverbrauch zu reduzieren. Pontos in Schiltach, ein Tochterunternehmen der Hansgrohe AG, bietet mit AquaCycle eine Aufbereitungsanlage an.

          Mit ihr läßt sich das aus Dusche und Badewanne ablaufende sogenannte Grauwasser so bearbeiten, daß es anschließend bedenkenlos zum Wäschewaschen (in der Maschine), für die Toilettenspülung und zum Wässern des Gartens eingesetzt werden kann. Nach Angaben von Pontos fließt hygienisch einwandfreies Klarwasser aus der Anlage, das den EU-Richtlinien für saubere Badegewässer entspricht.

          Mechanisch-biologische Reinigung

          Um die in einem Einfamilienhaus anfallenden Grauwassermengen aufbereiten zu können, hat das Gerät einen maximalen täglichen Durchsatz von 600 Litern und ist damit etwa schrankgroß. Es besteht aus mehreren Modulen und ist recht einfach zu montieren. Der Reinigungsprozeß läuft rein mechanisch-biologisch ab und kommt ohne chemische Zusätze aus. Das in Zusammenarbeit mit der TU Berlin entwickelte Verfahren gilt als ausgereift. Es läuft in vier Phasen ab, die vom Wasser automatisch durchlaufen werden, ohne daß irgendwelche Knöpfe gedrückt werden müssen.

          Am Anfang des Prozesses steht ein Filter. Er trennt gröbere Teilchen wie Textilflusen oder Haare aus dem Abwasser. Der Filter wird regelmäßig rückgespült, die gelösten Partikel werden in die Kanalisation geleitet. Anschließend durchfließt das Wasser eine (zweifache) biologische Reinigung: In zwei voneinander getrennten Becken wird es jeweils drei Stunden lang "belüftet". Das soll den für den Schmutzverzehr zuständigen Biokulturen, die sich an dafür zu Anfang eingefüllten Aufwuchskörpern aus Polyether - ohne menschliches Zutun - ansetzten, optimale Lebensbedingungen schaffen.

          Sauber mit UV-Licht

          Die beim biologischen Reinigungsprozeß anfallenden Sedimente werden regelmäßig vom Boden der beiden Reinigungskammern abgesaugt und in die Kanalisation geleitet. Bevor das Wasser am Ende des Prozesses in einen Pufferspeicher gelangt, wird es noch entkeimt. Das übernimmt eine UV-Lampe, an der es vorbeigeführt wird. Die Lampe strahlt UVC-Licht mit einer Wellenlänge von 253 Nanometer ab; ihre Entkeimungsleistung liegt bei 400 Joule je Quadratmeter. Am Ende der Prozeßkette befindet sich eine Trinkwassereinspeisung. Sie läßt immer dann jungfräuliches Wasser in den Klarwasserspeicher fließen, wenn aufgrund einer längeren Bade- und Duschpause nicht genügend Grauwasser anfällt und dadurch der Pegel im Klarwassertank sinkt. Das darf er nur sehr moderat, wenn die Toilette nicht trockenfallen soll.

          Extra-Leitungen notwendig

          Das aus der AquaCycle-Aufbereitungsanlage fließende Klarwasser ist zwar sauber, aber es ist kein Trinkwasser. Um es zu den Verbrauchern (Waschmaschine, Toilette, Garten) zu leiten, ist daher ein eigenständiges Leitungssystem erforderlich, das mit vertretbarem Aufwand nur im Zuge eines Neubaus oder einer Komplettsanierung installiert werden kann. Zwischen 400 und 600 Euro muß man in einem Einfamilienhaus für die separate (Klar-)Wasserführung rechnen. Hinzu kommt die Investition für die Anlage selbst, die in der Ausführung für einen Vierpersonenhaushalt 4390 Euro kostet.

          Diese Summen, zuzüglich der Betriebskosten (für Energie und den Verschleiß der UV-Lampe) von 20 Cent je Kubikmeter aufbereitetes Wasser, machen deutlich, daß sich die Anschaffung einer AquaCycle-Anlage für einen Privathaushalt erst nach rund zehn Jahren amortisiert. Schneller rechnet sich die Grauwasseraufbereitung etwa für ein Hotel oder einen Campingplatz, wo vergleichsweise viel Duschwasser anfällt und zudem für das Klarwasser ein Bedarf besteht. Pontos will daher künftig verstärkt auf die gewerbliche Anwendung setzen und Anlagen mit einem Wasserdurchsatz von bis zu 12500 Litern am Tag anbieten.

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