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Neuigkeiten von der Uhrenmesse : Wenn das Runde ins Eckige muss

  • -Aktualisiert am

IWC Big Pilot 43mm für 8700 Euro Bild: Hersteller

Uhrenmesse auf dem Bildschirm – das ist Murks. Zum Glück konnten wir einige der wichtigsten Neuheiten der Saison tatsächlich in die Hand nehmen.

          5 Min.

          Mit Messen ist es gerade so eine Sache. Große Präsenzveranstaltungen sind aus bekannten Gründen unmöglich. Dennoch soll das geneigte Publikum erfahren, was es in diesem Jahr in der Uhrenbranche an Schönem, Neuem und Begehrenswertem gibt. Dann zieht eben auch eine komplette Messe wie die Watches and Wonders, vormals Salon International de la Haute Horlogerie, nicht im Genfer Expo-Gelände ein, sondern ins Internet. Erstrebenswert ist das nicht, was wohlgemerkt nicht an den Ausstellern liegt, die viel Präsentables in ihren Musterkoffern haben. Zum einen war diese Messe organisatorisch ein Graus – vom verkorksten Anmeldeprozedere bis hin zu unterdimensionierten Servern, die bei verstärktem Zugriff die Waffen streckten. Und zum anderen lassen sich in Kameras gehaltene Uhren nur eingeschränkt beurteilen.

          Wenn also das Runde ins Eckige muss, ist das letztlich eine Krücke. Branchen- und Produkterfahrung hilft bei der Beurteilung des Gesehenen zwar weiter, besser ist es aber, Uhren im Wortsinne zu begreifen. Solche Gelegenheiten hatten wir glücklicherweise auch, weil einige Hersteller uns wichtige Neuheiten zur Begutachtung ins Homeoffice lieferten und andere Einzeltermine mit Maske anboten. Einige Highlights aus diesen analogen Treffen sind auf dieser Seite auch im Bild zu sehen.

          Der Knüller der Saison kommt nach unserer Einschätzung von Frederique Constant. Die Genfer Manufaktur, mittlerweile Teil des Citizen-Konzerns, dabei aber eigenständig agierend, macht der Uhrmacherei buchstäblich Dampf. Gemeinsam mit der Universität Delft entwickelten die Genfer ein mechanisches Uhrwerk, das mit 40 Hertz oder 288.000 Halbschwingungen in der Stunde (A/h) oszilliert. Das ist zehnmal so schnell wie die meisten mechanischen Uhren und würde bei einem üblichen Hemmungssystem mit Unruh und Spirale aufgrund der Massenträgheit nicht funktionieren.

          Piaget Polo Skeleton für 29.300 Euro Bilderstrecke
          Neuigkeiten : Uhrenmesse

          Stattdessen nutzt Frederique Constant eine 0,3 Millimeter dünne Scheibe aus Silizium, die durch präzises Herausätzen von Formen Unruh, Spirale und Anker ersetzt und an die Stelle der Schweizer Ankerhemmung tritt. Denn die Genfer konstruierten kein komplett neues Uhrwerk, sondern setzten den Silizium-Monolithen in ein vorhandenes Uhrwerk ein, just an der Stelle, wo vorher die Ankerhemmung arbeitete, und machten das Ganze nach Art des Hauses durch eine Öffnung im Zifferblatt sichtbar. Zu haben ist die hochmoderne Technik in der klassisch anmutenden Slimline Monolithic Manufacture, die als limitiertes Stahlmodell mit blauem oder silbernem Zifferblatt in jeweils 810 Exemplaren für 4495 Euro angeboten wird. Dazu kommen 81 Golduhren für jeweils 14.995 Euro. Und 2022 soll die Großserienfertigung beginnen.

          Ein vergleichbare Ultrahochfrequenz-Hemmung hatte, wie berichtet, auch Zenith schon gezeigt. Über eine homöopathische Stückzahl für handverlesene Kundschaft zu gesalzenen Preisen war die Manufaktur aus Le Locle allerdings nie hinausgekommen. Dafür lässt Zenith in dieser Saison nun Chronographenfreunde mit der Zunge schnalzen – mit einem Hochfrequenzwerk, das mit 5 Hertz schwingt und so die gestoppte Zeit auf die Zehntelsekunde genau messen und anzeigen kann. Das geschieht mit einem Zeiger aus der Mitte und einer Skala auf dem schwarzen Glasrand, während ganze Sekunden und Minuten auf Hilfszifferblättern bei 3 und 6 Uhr angezeigt werden. Es ist eine echte Show, den Startknopf zu betätigen und den Zehntelsekundenzeiger beim Rennen zu beobachten. Mit dieser auch schönen Chronomaster Sport für 9700 Euro hat Zenith eine vergleichsweise günstige Alternative zur begehrten, 12.250 Euro kostenden Rolex Daytona geschaffen, die ohnehin nur mit jahrelanger Wartezeit oder hohen Aufpreisen im Graumarkt erhältlich ist.

          Vergleichsweise günstig

          Wobei auch die Rolex-Schwester Tudor mit den neuen Varianten des Black-Bay-Chronographen Daytona-Alternativen im Angebot hat, die mit 4550 Euro (Leder- oder Textilband) und 4840 Euro (Stahlband) vergleichsweise günstig sind, zumal sie mit dem chronometergeprüften Kaliber MT5813 (Basis Breitling B01) ein echtes Manufakturwerk an Bord haben.

          Für bezahlbare Manufakturtechnik steht seit langem Nomos Glashütte und seit einiger Zeit auch Oris aus Hölstein in der Schweiz. Beide pflegen einen unaufgeregten, kompetenten Auftritt. Nomos belegt dies mit der neuen Metro Neomatik 41 Update für 3500 Euro, die vom hauseigenen Kaliber DUW 6101 mit patentiertem Ringdatum angetrieben wird. Bei Oris steht diese Saison im Zeichen des neuen Manufakturwerks Calibre 400, das fünf Tage Gangautonomie bietet und nun sukzessive in neuen Modellen eingesetzt wird, darunter in der Profi-Taucheruhr Aquis Pro Date Cal. 400 für 3900 Euro.

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