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Upcycles Wunschrad : Stahlross im Goldrausch

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Aus den alten Stahlrohren und modernen Zutaten bastelt Upcycles den Wunschrenner. Bild: Mike Meyer

Drei Wahl-Kölner von Upcycles Wunschrad veredeln und individualisieren alte Fahrräder. Die Geschäftsidee wurde auf Sizilien geboren.

          Diese Geschichte klingt fast zu gut, um wahr zu sein: Auf Sizilien taucht ein Scheunenfund auf – handgemachte, gemuffte Rennrad-Stahlrahmen aus den achtziger und neunziger Jahren, unbenutzt, grundiert, quasi konserviert. Rund hundert Stück finden ihren Weg nach Köln und entpuppen sich bei näherer Betrachtung als feinstes Columbus-Material aus Bianchi-Fertigung in hoher Qualität und hervorragendem Zustand. Ein Schatz, der es aus Süditalien in genau die richtigen Hände geschafft hat, nämlich die von Julien Bazoge, Stephan Helms und Jérémy Laurent.

          Die drei Wahl-Kölner betreiben unter dem Namen Upcycles Wunschrad am Rande von Ehrenfeld eine unkonventionelle Fahrrad-Manufaktur, bei der der Name Programm ist. Aus alten Stahlrennern schaffen sie urbane Neuinterpretationen nach Kundenvorstellung. Die Bandbreite reicht vom schlichten Singlespeed bis hin zum voll ausgestatteten Randonneur – alles ist möglich, alles ist machbar. Als Basis dient ausschließlich alter Stahl, bei den Komponenten kommt auf Wunsch auch aktuelles Material zum Einsatz. Schließlich soll das individualisierte Rad nicht nur schön anzusehen, sondern auch zuverlässig fahrbar und auf die Bedürfnisse des Fahrers zugeschnitten sein.

          Doch auch Restaurations-Projekte nehmen sich die drei Rad-Connaisseure gerne vor. Der Fundus an Ersatzteilen ist beeindruckend, an Knowhow und Leidenschaft mangelt es ohnehin nicht. Über 600 Kompletträder und Rahmen stehen dichtgedrängt in den Räumlichkeiten eines ehemaligen Postgebäudes, in dessen Gemäuern die Upcycles-Vita seit 2015 ihren Lauf nimmt.

          Auf Wunsch des Kunden zusammengestelltes Traumrad Bilderstrecke

          Ausgehend von einem 20 Quadratmeter großen Kellerraum haben die drei im Laufe der vergangenen Jahre stetig expandiert. Mittlerweile nehmen Werkstatt, Lager und Büro weite Teile des Untergeschosses ein. Die Genese von Upcycles wird deutlich, wenn Stephan Helms und Julien Bazoge von den Anfangszeiten in zugigen Garagen ohne Strom und Wasser, dunklen Kellern und beengten Verhältnissen in WG-Zimmern berichten. „Im Keller hatten wir drei oder vier Räder und die Werkstatt im Rucksack“, erzählt Helms. Damals werkelten die beiden unter dem Namen Luecicletta mit Fokus auf Stadt- und Rennrädern.

          Bazoge ist studierter Maschinenbauer und Velo-Autodidakt seit Kindestagen. Er arbeitete in London und Köln in verschiedenen Fahrradwerkstätten und baute in Frankreich Bambus-Rahmen. In Helms – auf dem Papier ein diplomierter Sozialwissenschaftler, der seine Inspiration sowohl bei Vintage-Rädern als auch den minimalistischen Fixies in den Straßen von New York fand – traf er auf einen Gleichgesinnten. Die gemeinsame Anfangszeit war, wie könnte es anders sein, geprägt von bierseligen Ideen, Improvisation, der Liebe zum Rad, aber auch von Perfektionismus. „Wir haben einen Sommer lang Fahrräder aus dem Fenster verkauft. An zwei Tagen die Woche, neben dem Studium, und Julien musste noch arbeiten“, sagt Helms.

          Als die Unternehmung langsam Fahrt aufnahm, lernten Helms und Bazoge Jérémy Laurent kennen, einen französischen Vintage-Spezialisten, der sich unter der Firmierung Les Velos de Jeremy vor allem Klassikern seines Heimatlandes widmete. Laurent verfügte damals schon über einen Fundus von rund 50 französischen Oldtimern, die er in seiner Kölner Wohnung in liebevoller Kleinarbeit restaurierte.

          Hommage an Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein

          Mit dem Zusammenschluss wurde Upcycles Wunschrad geboren. Der Name ist durchaus als Hommage an Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein zu verstehen – Eigenschaften, die mit dem Fahrrad an sich verknüpft sind und sich bei der Aufarbeitung und Wiederverwendung alter Komponenten und Rahmen manifestieren.

          Die Fertigkeit und Leidenschaft der drei Gründer sprach sich schnell rum. Mittlerweile verlassen rund 250 Räder im Jahr die Werkstatt im Kölner Westen. Dabei überwiegen die individuellen Aufbauten nach Kundenwunsch. Fertige Kreationen dienen oft nur als Inspiration für das eigene Unikat, denn wer ein Faible für Stahlrahmen hat, kommt angesichts der gesammelten Schätze im Atelier schnell ins Träumen und Fachsimpeln.

          Neben zahlreichen internationalen Einzelstücken aus den sechziger bis neunziger Jahren fassen die Upcycles-Macher ihre französischen Custom-Räder zur Vive la Franceserie zusammen. Für steten Nachschub sorgt Laurent, der in seinem Heimatland bestens vernetzt ist.

          Aus den Rahmen des italienischen Fundus entsteht die Gold Limited Edition. Spätestens nach dem Aufbau der ersten Prototypen wussten die drei um das Potential des gehobenen Schatzes. Obwohl die Rahmen fast alle ähnlich sportliche Geometriewerte aufweisen, ist die Bandbreite der daraus entstehenden Unikate groß. Im Reigen der bisher aufgebauten Velos finden sich klassische Rennräder, lässige Commuter, urbane Speedbikes und Rennmaschinen mit aktuellen Komponenten – Räder, die die sportlichen Gene in jeder Form weitertragen und selbst mit praktischen Erwägungen keineswegs der Ästhetik entbehren. Makellose Lackierung, feines Finish und sowohl mit dem Nutzwert als auch der Optik harmonierende Komponenten machen die Einzelstücke der Gold Limited Edition ganz im Sinne der Upcycles-Philosophie zu funktionalen Hinguckern. Von den Ausstellungsstücken abgesehen, sind inzwischen rund 40 der limitierten Goldstücke verkauft. Preislich geht es bei rund 1200 Euro los, nach oben sind kaum Grenzen gesetzt.

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