https://www.faz.net/-gy9-10qfg

Unterhaltungselektronik : Japans Ingenieure fördern den scharfen Blick auf die Welt

  • -Aktualisiert am

Der Bolide XS-1 von Sharp kombiniert schiere Größe mit beängstigender Schlankheit Bild: Hersteller

Extreme Kontraste, sensationelle Auflösungen, Ausflüge in die dritte Dimension: Nippons Industrie zeigt die nächsten Evolutionsschritte der Unterhaltungselektronik und beweist sich weiterhin als der Schrittmacher in der Branche.

          Schon zur IFA Ende August hatten wir es als zentrale Botschaft im Visier. Jetzt konnten wir das Thema noch tiefer eruieren - auf der japanischen Elektronikmesse Ceatec und, am Rande der Veranstaltung, bei einem Besuch des LCD-Spezialisten Sharp. Unsere nunmehr konsolidierte Sicht der Dinge: Die Unterhaltungselektronik-Industrie beginnt, in der Geschichte der Flachbildschirme ein neues Kapitel zu schreiben. Oder genauer: Sie nimmt gleich mehrere davon in Angriff, flankiert von weiteren Technik-Schritten der spektakulären Art, um den Scharfblick auf die Welt nachhaltig zu fördern.

          Beispiel LCD: Hatten die Evangelisten der Konkurrenztechnik Plasma noch zu Beginn des Jahres den Nachweis versucht, dass kein anderer Flachbild-Typ derart tiefe Schwarzwerte, sprich derart hohe Kontraste zuwege bringen könne, so holt das LCD-Lager nun, angeführt von Sharp, zur Gegenattacke aus. Der Kunstgriff heißt Local Dimming: Statt der bisher üblichen Leuchtstoff-Röhrchen übernehmen Leuchtdioden (LED) die Rolle der Lichtquelle hinter dem Schirm. Sie können ihre Leuchtkraft gezielt dosieren: Überall dort, wo der Bildinhalt dunkle Partien vorgibt, knipsen die LED-Zellen einfach ihr Licht aus. Wo dagegen helle Details Strahlkraft verlangen, setzten die Leuchtpunkte ihre Lichtenergie nach Kräften frei. Das hilft, den prinzipbedingt eher schwachen LCD-Kontrast in bisher ungeahnte Höhen zu liften.

          Die neue Art der Hinterleuchtung kommt nicht nur dem Kontrast zugute

          Neben Sharp beherrschen auch andere den Local-Dimming-Trick. Aber Sharp wendet ihn besonders gründlich und mit geradezu atemraubenden Resultaten an. So setzt der LCD-Pionier die Hinterleuchtung seines 65 Zoll großen, XS-1 genannten Flaggschiffs aus 1568 einzelnen LED-Zonen zusammen. Nach unserer Kenntnis arbeitet kein anderer Hersteller mit einem derart feinen Raster; Philips etwa demonstrierte zur IFA Local-Dimming-Lösungen mit nur 128 LED-Segmenten. Und weil Sharp keine weißen LEDs, sondern Leuchtzellen in den drei Grundfarben Rot, Grün und Blau verwendet, ergibt sich daraus eine Art Hintergrund-Bild, das der feineren Darstellung auf der Frontseite des LCD-Schirms schon ziemlich ähnelt.

          So funktioniert´s: Farbige LED-Zellen ahmen den Bildinhalt nach (links). Von diesen Lichtquellen durchleuchtet, läuft der LCD-Schirm zur Hochform auf

          Eine der Konsequenzen: Die neue Art der Hinterleuchtung kommt nicht nur dem Kontrast zugute. Sie erweitert auch das Spektrum der Farbnuancen und lässt Buntes derart leuchten, wie wir es bisher tatsächlich nur von den Besten unter den Plasma-Boliden kennen. Und noch ein Nebeneffekt schmückt die neuen Geräte: Die LED-Leuchtquellen brauchen kaum Platz; der XS-1-Gigant ist an seiner dünnsten Stelle folglich gerade einmal 23 Millimeter dick.

          Ein Industrie-Komplex für LCD-Flachmänner

          Die europäischen Preise der XS-1-Modelle - Sharp plant neben dem 65-Zoll-Kaventsmann auch eine 52-Zoll-Version - stehen noch nicht fest; klar ist nur: Sie werden keineswegs zum Schnäppchenpreis über den Ladentisch gehen. Mithin stellt sich dem Durchschnittsverdiener die Frage: Wann erreicht die neue Technik Format- und Preisklassen für Normalverbraucher? Das mag vielleicht noch drei Jahre dauern, aber Sharp investiert bereits in Fertigungsanlagen, die den Generationswechsel der LCD-Bildschirme dramatisch beschleunigen dürften. In Sakai in der Nähe der Industriestadt Osaka entsteht, übrigens mit einer 30-Prozent-Beteiligung von Sony, ein Industrie-Komplex für LCD-Flachmänner der zehnten Generation.

          Hier laufen von März 2010 an Bildschirme auf gigantischen Glassubstraten von 2,85 mal 3,05 Meter Größe vom Band - auf Glas-Rohlingen also, aus denen sich 15 Fernsehschirme im 40-Zoll-Format oder acht 50-Zöller schneiden lassen. Und weil sich hier auch gleich noch Glas-Hersteller, Chemiewerke und andere Zulieferer ansiedeln, dürfte das neue Kombinat alle übrigen einschlägigen Installationen auf der Welt für eine Weile alt aussehen lassen.

          Weitere Themen

          Dacia Duster Video-Seite öffnen

          F.A.Z.-Fahrbericht : Dacia Duster

          Kein SUV bietet mehr fürs Geld. Das merken immer Kunden, und mit dem neuen Turbo-Benziner ist der Dacia Duster sogar richtig flott.

          Topmeldungen

          Spaniens amtierender Ministerpräsident Pedro Sanchez nach dem Treffen mit König Felipe

          Regierungsbildung gescheitert : Stillstand in Spanien

          Pedro Sánchez hat keine Mehrheit im Parlament. Zum zweiten Mal in diesem Jahr wird im November ein neues Parlament gewählt. Doch die politische Blockade könnte andauern.
          Demnächst möglicherweise seltener zu sehen: „Zu vermieten“-Schild an einem Haus in Berlin-Schöneberg.

          F.A.Z. exklusiv : Mietendeckel schadet den Mietern

          Der Mietendeckel in Berlin soll das Wohnen bezahlbar halten. Doch die Studie eines renommierten Forschungsinstituts zeigt jetzt: Tatsächlich könnte er genau das Gegenteil bewirken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.