https://www.faz.net/-gy9-863av

Unkrautstecher im Test : Hasta la vista, Löwenzahn!

Bild: F.A.Z., Hersteller

Mit dem richtigen Werkzeug fühlt sich der Gärtner wie ein Terminator im Kampf gegen Disteln und Ampfer - solange der Boden weich genug ist. Etwas Übung ist trotzdem notwendig.

          Die Vorsilbe „Un“ hat es in sich. Mal bezeichnet sie das Gegenteil wie in „unerwünscht“, mal verstärkt sie etwas wie im Wort Unmenge. Zum Beispiel haben wir im Garten und auf der Pferdeweide eine Unmenge Unkraut, also Kraut, das dort unerwünscht ist. Da stellt sich die Frage, wie man es am besten los wird. Die Antwort ist vielschichtig: Es kommt drauf an, was sich da ausbreitet. Gegen manche Pflanzen mit ungeheurem Ausbreitungswillen wie dem Giersch (Aegopodium podagraria) oder dem Hahnenfuß (Ranunculus) ist praktisch kein Kraut gewachsen, trotz mühevoller Handarbeit kommen sie immer wieder. Besser stehen die Chancen, wenn der Gegner sich mit Pfahlwurzeln im Boden verankert - mit etwas Glück und dem richtigen Gerät lassen sie sich ausstechen oder -reißen. Wir haben also zwei höchst unterschiedliche Exemplare besorgt und ein Wochenende lang versucht, den richtigen Dreh zu finden.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Erster Kandidat ist der Unkrautstecher des finnischen Herstellers Fiskars. Dessen Konstruktion ist raffiniert: Vier mit Zähnen bewehrte Greifarme werden um die Wurzel in den Boden gestoßen. Wenn der Stiel zum Gärtner gekippt wird, ziehen sich die Spitzen über einen Hebelmechanismus zusammen und packen die Wurzel. Weiteres Hebeln über das Fußpedal zieht den Pfahl aus dem Boden. Die Pflanze samt Wurzel wird dann mit einem Schiebestück und etwas Schwung herausgestoßen - so, wie Arnie seine Pumpgun nachlädt.

          Festgekrallt: Der Fiskars packt den Löwenzahn an der Wurzel, über das Pedal wird sie herausgehebelt.

          Den Fiskars-Unkrautstecher gibt es für rund 30 Euro in einer einfachen Ausführung mit festem Stiel aus Kunststoff und in der von uns ausprobierten Ausführung von etwa 40 Euro an mit verstellbarem Stiel aus Aluminium.

          Anstrengend wird es mit bei festerem Boden

          Gegen solch wundersame Technik wirkt der Unkrautstecher von Gardena geradezu schlicht. Er besteht im Grunde aus zwei Messern, deren leicht schräg stehende Schneiden um die Wurzel gerammt werden. Am T-förmigen Griff wird sodann eine Drehung um 180 Grad vollzogen und so der Boden mitsamt der Wurzel ausgestochen. Auch hier gibt es einen Auswerfer, eine Stange wird durch den Stiel nach unten gedrückt. Der Gardena-Unkrautstecher ist zu Preisen von etwa 22 Euro an im Handel erhältlich.

          Einsatzbereit: Die Unkrautstecher von Gardena (links) und Fiskars (rechts) neben dem Eigenbauexemplar

          Beide werden vor allem als Feind des Löwenzahns (Taraxacum) beworben, sollen aber auch etwas größere Unkräuter packen können. Das geht, solange der Boden locker ist, tatsächlich mühelos. Etwas Übung ist trotzdem notwendig, denn es ist nicht immer einfach, die Wurzel zu treffen. Auch Brennnesseln (Urtica) und das auf der Weide gefürchtete giftige Jakobs-Geiskraut (Senecio jacobaea) lassen sich schnell und komfortabel ziehen oder stechen. Der Fiskars weckt dabei das Kind im Mann, ritsch-ratsch wird der Bollen ausgespuckt. Die Freude währt allerdings nur so lange, wie die Kraft reicht, um das rund 1,65 Kilo schwere Gerät zu führen. Der zierliche Stecher von Gardena ist mit 0,96 Kilo ein gutes Stück handlicher und fast ebenso schnell. Beide hinterlassen im gepflegten Rasen ein mehrere Zentimeter breites Loch; man kann hoffen, dass der Regen es zuschwemmt, oder muss es mit Erde schließen. Das geht dann halt doch nicht ganz ohne Bücken.

          Mit dem fetzigen Arbeiten ist es vorbei, wenn der Boden fester wird. Der Fiskars tut sich dort etwas weniger schwer, weil mit dem Fußhebel Druck ausgeübt werden kann. Auf steinigem Grund sind beide am Ende. Im dichten Boden klammern sich außerdem die Wurzeln erstaunlich fest. Schon fingerdicke Exemplare leisten zäh Widerstand. Da die Greifarme und die Messer nur etwa acht und zehn Zentimeter tief reichen, wird die Wurzel am Ende abgerissen (Fiskars) oder geköpft (Gardena). Da aus größeren Resten neues Unkraut sprießt, ist der Erfolg relativ.

          Überraschung beim Repetieren

          Große Pflanzen, wie sie auf der Weide stehen, sind für die Stecher eine besondere Herausforderung. Manche Disteln (etwa Carduus) lassen sich noch packen, größere Ampfer (Rumex) widersetzen sich indessen oft allen Versuchen, sie aus dem Boden zu ziehen. Der Fiskars ist hier leicht im Vorteil, gegen die große Klette (Arctium lappa) mit ihren rübendicken Wurzeln, die sich auf unserer Weide breitmacht, blieb aber auch der Fiskars meist zweiter Sieger.

          Nach zwei Stunden Arbeit dann die Überraschung: Beim Repetieren flog uns nicht nur der Bollen, sondern auch der untere Teil des Fiskars davon. Er ist nur in den Stiel gesteckt und hatte sich gelöst. Das lässt sich kleben, von den Fiskars-Äxten mit dem unverwüstlichen Kunststoffgriff sind wir allerdings eine höhere Verarbeitungsqualität gewohnt. Vor Jahren hatten wir ein Vorgängermodell des Stechers, da war nach - zugegeben derbem - Gebrauch das Pedal gebrochen. Durch den großen Hebel wirken hohe Kräfte, deshalb hielten wir es für besser, wenn die Führung der Greifarme und das Pedal aus Metall wären. Der filigrane Gardena ist für solche Schwerarbeit ohnehin nicht vorgesehen, trotzdem wünschten wir uns ein Pedal, mit dem er sich leichter in den Boden versenken ließe.

          Selbstgebauter Schweißtreiber

          Beide Geräte sind für den Einsatz auf weichen Böden und gegen kleine Pflanzen gut. Dann geht die Arbeit rasch von der Hand, und Bruch ist unwahrscheinlich. Der Fiskars hat uns mehr Spaß gemacht, der Gardena ist handlicher.

          Außer Konkurrenz haben wir außerdem ein selbstgebautes Werkzeug für den schweren Einsatz mitlaufen lassen. Es besteht aus einem alten Spaten, dessen Blatt wir zum Stecher umfunktioniert haben. Erste Versuche verliefen nicht ermutigend: Starke Männer neigen dazu, das Unkraut samt Ballen am kräftigen Griff herauszuhebeln, dann knickt das Blatt nach hinten um. Steif wird der Stechspaten erst durch eine aufgeschweißte Verstärkung, dann wächst aber das auch so schon beträchtliche Gewicht auf fast zwei Kilo. Arbeiten damit ist eine schweißtreibende Beschäftigung.

          Große Disteln und Kletten sind stattliche Pflanzen und eigentlich ganz schön. Vielleicht ist es auch nicht schlecht, sie einfach stehen zu lassen.

          Weitere Themen

          Darf das ins Beet?

          Unkraut im Garten : Darf das ins Beet?

          Unkraut im Garten nervt. Vor allem auch weil der Kampf gegen den Wildwuchs meist aussichtslos ist. Doch gibt es andere Strategien, mit Unkraut im eigenen Beet umzugehen?

          Eine ingeniöse Meisterleistung Video-Seite öffnen

          F.A.Z.-Fahrbericht Audi e-tron : Eine ingeniöse Meisterleistung

          Das erste Voll-Elektro-Auto der Vier-Ringe-Marke ist nur vordergründig eine Vernunft-Entscheidung gegen Abgase und für bessere Luft. Denn mit 80.000€ schlägt ein Preis zu buche, der eine ingeniöse Meisterleistung verspricht, die es zu Erfüllen gilt.

          Das Darknet - Ort der Kriminalität? Video-Seite öffnen

          Erklärvideo : Das Darknet - Ort der Kriminalität?

          Die internationalen Polizeibehörden haben ein Pädophilen-Netzwerk zerschlagen, das im Darknet operierte. Diesen dunklen Bereich des Internets nutzen Menschen, die verborgen unterwegs sein wollen. Dazu gehören neben Schwerkriminellen auch Whistleblower und Regimekritiker, die Zensur umgehen wollen.

          Topmeldungen

          Analyse der Europawahl : Grüne Großstädte – blauer Osten

          Die Grünen punkten bei der Europawahl in den Städten und in der Fläche, die AfD ist stärkste Kraft in Teilen Ostdeutschlands. Doch auch andere Entwicklungen sind bemerkenswert: Gab es einen Rezo-Effekt für die CDU? Und woher kommen die Stimmen für „Die Partei“?

          Starke AfD im Osten : Ein Alarmsignal für die Landtagswahl

          Bei der Europawahl liegt die AfD in Sachsen vorn, bei den Kommunalwahlen ist das Bild nicht so eindeutig. Klar ist jedoch: Die Skepsis gegenüber dem „Raumschiff“ Brüssel ist in Ostdeutschland weit verbreitet. Das liegt auch an der Struktur der Wähler.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.