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Umweltfreundlicher Boot-Motor : Lehr-Stück am Schlauchbootheck

  • -Aktualisiert am

Außenborder von Lehr: Der Umwelt zuliebe mit Gasantrieb Bild: © Dieter Wanke / terrapicture

Die umweltfreundlichere Alternative zum Benzin-Außenborder: Ein Motor, der mit Flüssiggasbetrieb läuft. Lehr bietet ihn jetzt auch in Deutschland an. Eine Probefahrt.

          3 Min.

          Unter Autofahrern sind Umrüstungen auf Flüssiggasbetrieb insbesondere bei großvolumigen, durstigen Benzinern beliebt. Fortan geringere Kosten sind der Grund. Und umgerüstete Motoren arbeiten auch weiterhin mit Benzin, falls keine Gastankstelle verfügbar ist. Nachteil sind ein etwas höherer Verbrauch und ein kleiner Leistungsverlust. Auch für Innenborder und Außenborder von Booten ist ein Umbau möglich. Das wird aber bisher selten praktiziert, weil es an Gewässern nur wenige Gastankstellen gibt, die größere Einbautanks befüllen könnten.

          Deshalb setzt das amerikanische Unternehmen Lehr auf kleinere Außenborder, die mit handelsüblichen, leicht zu transportierenden Gasflaschen betrieben werden können. Grund der Entwicklung von gasbetriebenen Außenbordern war für Bernardo Herzer, der das Unternehmen Lehr 2004 gründete, aber weniger die Ersparnis bei den Betriebskosten, sondern der Umweltvorteil von Flüssiggas.

          Nach der kalifornischen Abgasnorm CARB erhalten die Außenborder von Lehr drei Sterne und befinden sich damit zumindest auf dem Papier auf gleichem Niveau wie moderne Benzinwettbewerber. In der Realität werden die Emissionen der Benziner aber in vielen Punkten deutlich unterschritten. Nach Herstellerangaben stoßen die Gasmotoren zwölf Prozent weniger Kohlendioxid und 60 Prozent weniger Kohlenmonoxid aus als die Benzinkollegen. Die Stickoxide sollen 20 Prozent, der Feinstaubausstoß 40 Prozent geringer sein.

          Stärkere Motoren kommen bald

          Wegen der abweichenden Verbrennungseigenschaften im Vergleich zu Benzin und der besseren Klopffestigkeit von 110 Oktan wurden die Bauteile der Lehr-Motoren auf höhere Verbrennungstemperaturen und größere Drücke ausgelegt, was für eine bessere Haltbarkeit und Laufkultur sorgen soll. Einen Vergaser sucht man vergeblich. Ein Betrieb mit Benzin ist nicht möglich.

          2012 erschienen der Lehr LP 2.5 mit 1,8 kW (2,5 PS) und der Lehr LP 5.0 mit 3,6 kW (5 PS) auf dem amerikanischen Markt. Noch im selben Jahr wurde die Palette um den Lehr LP 9.9 mit 7,2 kW (9,9 PS) ergänzt. Seit der Saison 2014 sind die Gas-Außenborder auch bei den deutschen Fachhändlern des Importeurs Allroundmarin zu haben. Die beiden kleinen Modelle können mit einer speziellen 465-Gramm-Einwegkartusche, die am Motor montiert wird, betrieben werden.

          Zudem gibt es einen Anschluss für eine Gasflasche. Beim Lehr LP 9,9 gibt es keine Kartusche. Hier kommen ausschließlich die handelsüblichen Gasflaschen von Gabelstaplern zum Einsatz, denn die erlauben durch ein Steigrohr die direkte Entnahme von Flüssiggas. Bei der Verwendung in gasförmigem Zustand, wie bei Campingflaschen üblich, würden im Dauerbetrieb die Ventile vereisen. Zur Saison 2015 wird das Angebot um den in Deutschland ebenfalls noch führerscheinfreien Lehr LP 15 mit 11 kW (15 PS) ergänzt. Noch stärkere Außenborder sollen sich in Entwicklung befinden.

          Benzinmotor schneidet besser ab

          Um einen Eindruck von den drei bisher lieferbaren Lehr-Außenbordern zu bekommen, wurden sie am selben Boot geprüft, einem Schlauchboot mit zerlegbarem Aluboden vom Typ AS 320 Budet, das der Händler R & R Marineparts aus Frankfurt zur Verfügung stellte. Inbetriebnahme und Handhabung des LR 2.5 und LR 5.0 waren unproblematisch, bloß der Preis von 9,95 Euro für eine Kartusche mit 465 Gramm Propan ist happig. Was bei seltenen Einsätzen als Flautenschieber oder für ein Dinghi noch akzeptabel ist, wird beim regelmäßigen Betrieb schnell unrentabel.

          Hang an der Flasche: Kleiner Gas-Außenborder mit Einwegkartusche
          Hang an der Flasche: Kleiner Gas-Außenborder mit Einwegkartusche : Bild: © Dieter Wanke / terrapicture

          Natürlich stellt sich die Frage nach dem direkten Leistungsvergleich mit einem Benziner. Dazu wurden Vergleichsfahrten mit dem Topmodell LR 9.9 und einem Mercury 9.9 MH durchgeführt. Beide Motoren waren hinsichtlich Nominalleistung, Getriebeübersetzung und Serienpropeller identisch. Insgesamt zeigten die Probefahrten keine gravierenden Leistungsunterschiede zwischen dem Lehr und dem Mercury-Viertakter. Letzterer erschien einen Hauch spritziger.

          Bei der Höchstgeschwindigkeit hatte der Benziner mit 20,4 zu 18,4 km/h leicht die Nase vorn. Dabei genehmigte sich der Lehr 3,86 Liter flüssiges Propan in der Stunde. Beim Mercury waren es 3,62 Liter Benzin. Bei Verdrängerfahrt mit 7 km/h zeigten die Messgeräte beim Lehr 1,32 Liter und beim Mercury 1,13 Liter je Stunde an. In Gleitfahrt von 18,4 km/h war auf dem Durchflussmengenmesser ein Verbrauch von 3,26 Liter Propan und 2,82 Liter Benzin abzulesen.

          Im Ausland braucht man Adapter

          Der Mehrverbrauch beim Lehr erklärt sich durch die niedrigere Dichte des Treibstoffs, was aber durch den günstigeren Einkaufspreis von Propan mit rund 17 Euro für eine Elf-Kilo-Flasche (das entspricht 20,7 Litern) mehr als ausgeglichen wird. Die errechnete Reichweite mit einer Flaschenfüllung bei 15 Prozent Reserve beträgt beim LR 9,9 84 Kilometer. Beim mitgelieferten 12-Liter-Tank des Mercury sollte nach nur 57 Kilometern nachgefüllt werden. Die Einsparungen halten sich in Grenzen. Bei einem Benzinpreis von 1,30 Euro je Liter sind das bei 30 Betriebsstunden im Jahr gut 45 Euro. Bei gewerblichem Einsatz mit wesentlich intensiverer Nutzung sieht die Rechnung allerdings anders aus.

          Bei den größeren Motoren ist der Gas-Vorrat extern gelagert.
          Bei den größeren Motoren ist der Gas-Vorrat extern gelagert. : Bild: © Dieter Wanke / terrapicture

          Die Flaschen sind flächendeckend im Gasfachhandel erhältlich. Das Flaschenpfand von etwa 30 Euro wird bei der Rückgabe erstattet. Problematisch wird es aber beim Urlaub im Ausland, denn viele Länder kochen ihr eigenes Süppchen. Dann heißt es Adapter kaufen und gegebenenfalls die Flaschen im Land ausleihen. Das Motorenpreise beginnen bei 999 Euro für den Lehr LH 2.5, für die Basisversion des LH 5.0 werden 1499 Euro verlangt. Die LH 9.9 kostet mit 2899 Euro fast das Gleiche wie der Mercury-Benziner (2826 Euro) derselben Leistungsklasse.

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