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Umgang mit Trinkwasser : Kaltwasser marsch

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Regenschauer: Dem Wasser wird Luft zudosiert, um auch bei geringeren Durchflussmengen das Schwallerlebnis auf hohem Komfortniveau zu halten Bild: F1online

Badezimmerarmaturen wird das Sparen beigebracht. Dabei droht zumindest in Deutschland keine Wasserknappheit. Wichtiger für die Umwelt ist, das Wasser beim Gebrauch möglichst wenig zu verschmutzen.

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          Müssen wir Wasser sparen? Diese Frage lässt sich so pauschal nicht beantwortet, unterscheiden sich doch die Bedingungen am Horn von Afrika vollkommen von der Situation in Deutschland. In dieser überaus emotional geführten Auseinandersetzung gibt es nur lokale Wahrheiten. Hierzulande zumindest scheint Wassersparen eine Bürgerpflicht. So wird im Kindergarten den Kleinen beigebracht, während des Zähneputzens das Wasser abzustellen. Damit lernen wir früh, dass Wasser, unser Lebensmittel Nummer 1, kostbar ist. Folgerichtig tun wir uns später schwer, dem „häuslichen Wasserwart“ die Stirn zu zeigen, wenn der akribisch darauf achtet, dass seine Mitbewohner „gestuft“ duschen: Man macht sich kurz nass, dreht dann das Wasser ab und erst zum Abseifen darf die Brause wieder geöffnet werden.

          Immerwährende Appelle und mit öffentlichen Mitteln bezuschussten (Wasser-)Sparschaltungen haben den durchschnittlichen Verbrauch in Deutschland rasant sinken lassen. Und zwar von 147 Liter (je Person und Tag) in den neunziger Jahren auf heute 121 Liter. Gleichzeitig sind die Kosten für die Verbraucher gestiegen. Das unter anderem deshalb, da die im Boden verlegten Kanalrohre unseres als „Schwemmkanalisation“ ausgelegten Abwassersystems nicht ausreichend gespült werden. Fäkalien bleiben liegen. Es bildet sich Schwefelsäure, die den Kanalrohren übel zusetzt, so dass den städtischen Wasser- und Abwasserbetrieben, speziell während der trockenen Sommermonate, nichts anders übrigbleibt, als Tausende Liter hochwertiges Trinkwasser den Hydranten zu entnehmen und damit die Kanäle freizuspülen.

          Sechs Liter in der Minute sollten reichen

          Wasser ist anders als Erdöl, Kohle oder Gas keine endliche Ressource. Der ewige Kreislauf aus Verdunsten, Kondensieren, dem Bilden von Wolken und dem anschließenden Abregnen sorgt dafür, dass kein Wasser verlorengeht. Alles von uns genutzte Wasser fließt früher oder später in die Kanalisation, dann in die Kläranlage und anschließend in den, wie es im Fachdeutsch heißt, Vorfluter (Bach oder Fluss), um letztlich im Meer zu landen. Damit ist nicht die Höhe des Verbrauchs die entscheidende Stellgröße für einen nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wasser. Entscheidend ist, ob und wie stark wir das Wasser verschmutzen. Das gilt speziell auch für direkt in den Boden eingeleitetes Schmutzwasser. So überschreiten die Nitratkonzentrationen im Grundwasser in manchen Regionen Niedersachsens die Grenzwerte deutlich, da die Landwirte Gülle in großen Mengen ungeklärt auf die Felder kippen.

          Kreislaufdenken: Benutztes Wasser sollte möglichst wenig verschmutzt werden. Das hilft der Umwelt mehr als Sparen Bilderstrecke

          Ungeachtet dieser Zusammenhänge haben EU-Bürokraten Ende 2012 in Anlehnung an die Strategie gegen stromhungrige Glühbirnen (auf der Basis der sogenannten Ökodesign-Richtlinie) erklärt, sich künftig außer über Fenster, Boiler und Stromzähler auch über „wasserbezogene Produkte“ hermachen zu wollen. Duschköpfe und Wasserhähne dürfen, wenn sich der Verordnungsgeber durchsetzen sollte, nur noch verkauft werden, wenn sie kleinste Wassermengen ausspucken. Jedem engagierten Hobbykoch schwant bei dieser Ankündigung Böses, muss er mit einer obligatorischen Spar-Armatur an seinem Spülbecken ewig warten, bis sich sein Spaghetti-Topf mit Wasser gefüllt hat.

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