https://www.faz.net/-gy9-x4xs

Uhrenschauen in Basel und Genf : Die wachsende Lust an Unruh und Zahnrädchen

  • -Aktualisiert am

Im Gyrotourbillon 2 von Jaeger-LeCoultre dreht sich der Käfig sogar in zwei Ebenen Bild: Hersteller

Etwa 20 Jahre ist es her, dass Uhrmacher die mechanische Zeitmessung wiederentdeckten. Aus purer Nostalgie, denn die Elektronik mit ihrem Schwingquarz ist viel präziser als jene Technik aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

          7 Min.

          Die traditionsreiche Manufaktur Jaeger-LeCoultre überraschte in Genf mit seinem sogenannten Gyrotourbillon 2. Das ist mehr als der seit gut 200 Jahren von Abraham Louis Breguet bekannte Drehgang, um den Einfluss der Schwerkraft auf die Präzision der Zeitanzeige von senkrecht getragenen (Taschen-)Uhren auszugleichen. Immerhin galt diese Konstruktion bis vor wenigen Jahren noch als Nonplusultra in der mechanischen Uhrmacherei. Der Käfig mit der Unruh wird bei Jaeger-LeCoultre nicht nur horizontal, sondern auch über eine weitere Achse bewegt, so dass diese Art von Tourbillon auf einmal kugelig daherkommt. Ebenso in Genf ist so eine ähnliche Konstruktion von Girard-Perregaux zu sehen, deren Gesicht nicht wie markenüblich drei, sondern nur zwei Brücken zieren. In jedem Fall ein feinmechanisches Meisterwerk, das nur mit hochleistungsfähigen Konstruktionsrechnern und computergesteuerten Bearbeitungszentren zu produzieren ist.

          Seit wenigen Jahren gibt es solch aufwendige Drehgang-Konstruktionen wie von Franck Muller, Thomas Prescher, Greubel-Forsey, die - und das ist neu - kein Vorbild mehr haben in der großen alten mechanischen Uhrmacherei. Das gilt dieses Jahr wieder einmal für A. Lange & Söhne aus Glashütte. Die Sachsen zeigen zwar in ihrer Rechteckuhr Cabaret (Foto) aus Platin für 205.000 Euro - auf den ersten Blick wenig spektakulär - nur ein einfaches, klassisches Tourbillon. Doch wie immer steckt bei ihnen die wahre Meisterschaft im Detail: Erstmals ist es gelungen, Unruh und Tourbillonkäfig anzuhalten, um die Uhr auch sekundengenau zu stellen. Das hat in der mehr als 200 Jahre währenden Geschichte dieses Drehgangs noch niemand erreicht. „Was bringt mir eine so genaue Uhr“, argumentiert Lange-Konstrukteurin Annegret Fleischer kühl, „wenn ich ihre Präzision nicht ablesen kann?“ Kenner werden einwenden, man hätte das mit dem sogenannten „Zero Reset“ (Nullstellung des Sekundenzeigers nach Ziehen der Krone) verbinden können. Doch „die Uhr wäre doppelt so dick geworden“, erklärt Lange-Chef Fabian Krone.

          Aufregende Reiseuhr

          Innovationen treiben auch Langes Nachbarn Glashütte Original, wo man an einer aufregenden Reiseuhr arbeitet, die erstmals neben den 24 Hauptzeitzonen auch die sechs auf eine halbe oder viertel Stunde lautenden Nebenzeitzonen wie in Indien, Iran oder Australien anzeigen kann; die Sommer- und Winterzeit soll ebenfalls jeweils berücksichtigt werden können. Natürlich sind ein „ewiger“ Kalender enthalten und ein Wecker, für den, der sich auf den Weckruf der Hotelrezeption nicht verlassen will. Im Februar nächsten Jahres soll diese Grand Complication in Serie gehen - der Preis wird bestimmt nicht unter einer halben Million Euro liegen.

          Unerwartet: F. Constant

          Neuerungen gibt es natürlich auch bei preiswerteren Marken: Panerai steckt sein Chronographenwerk mit schwarzen Brücken in ein schwarzes Keramikgehäuse Luminor GMT (Foto), nur am kleinen Mono-Drücker bei der „8“ ist die Stoppuhr als solche zu erkennen. TAG-Heuer lässt in seinem Chronographen Grand Carrera RS aus schwarzem Titan (Foto) sowohl beim Minuten- als auch beim Stundenzähler nicht die Zeiger, sondern die Scheiben kreisen. Sie gilt mit 5400 Euro als für viele erschwinglich; „RS“ bedeutet nicht wie bei Porsche „Rennsport“, sondern „rotating system“. Oris hat seinem Flighttimer eine eigenwillige „vertikale Krone“ mitgegeben, die zwar wie ein ungewöhnlicher Appendix am rechten Gehäuserand wirkt, aber wie ein Instrument im Cockpit von oben justiert und aufgezogen werden kann. „Oris ist keine Manufaktur“, sagt Unternehmenschef Ueli Herzog, man lasse die Technik entwickeln und auch zusammenbauen.

          Weitere Themen

          Mit Zielscheibe ins Tor

          Fifa 20 : Mit Zielscheibe ins Tor

          Fifa 20 flankt auch in der neuen Saison wieder frische Pässe auf die Spielekonsole. In der Standardversion, Champions-Variante oder im Ultimate-Paket. Lohnt sich der Kauf?

          Topmeldungen

          Donald Trump und Liu He, Vizepremier von China, gemeinsam in Washington. Infolge des Handelskriegs mit Amerika habe die Korruption in Chinas Privatwirtschaft wieder zugenommen, berichtet Philipp Senff von der Wirtschaftsanwaltskanzlei CMS in Schanghai.

          Vorfälle der Deutschen Bank : In China lauert die Korruption bis heute

          Mit teuren Geschenken an chinesische Politiker wollte sich die Deutsche Bank Vorteile verschaffen. Der Fall lenkt den Blick auf ein Land, das trotz Mühen immer noch unter Bestechung leidet – auch wegen des Handelskriegs mit Amerika.
          Andreas Scheuer am Mittwoch in Berlin

          Verkehrsminister Scheuer : Im Porsche durch die Politik

          Verkehrsminister Andreas Scheuer hat einen Vorteil, der ihm beim Streit über die Pkw-Maut zum Nachteil gereichen könnte: eine gewisse Lockerheit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.