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Uhrenmesse Baselworld : Nur keine Hemmungen

  • -Aktualisiert am

Hublot: La Ferrari mit elf Federhäusern Bild: Hersteller

An diesem Donnerstag endet die Baselworld. Die größte Uhrenmesse der Welt zeigte das Bild einer Branche, die seit Jahren scheinbar nur eine Richtung kennt: aufwärts.

          Die Wege auf der Baselworld waren in diesem Jahr länger. Nach dem größten Um- und Neubau in der Geschichte der Baseler Messe präsentieren sich die Uhrenhersteller in einem innen wie außen neu und überraschend gestalteten Ambiente. Schon der Lichthof in der kompletten Überdachung des Messeplatzes zieht die Blicke automatisch gen Himmel, und in der Halle 1 mit ihrer Fläche von 74 000 Quadratmeter präsentieren die Großen der Branche sich in bis zu dreistöckigen neuen Ständen. Sie haben ebenfalls gewaltig in diesen neuen Auftritt investiert. Aber es können offenbar nicht mehr alle mithalten. Dass Eterna nicht nach Basel kam, fiel schon auf, der chinesische Eigner hat zudem die Marke Corum übernommen, wie zu Messebeginn bekannt wurde.

          Beim ersten Rundgang konnte man den Eindruck gewinnen, die Branche habe nach dem Rekordjahr 2012 mal Luft geholt, etwas konsolidiert. Aber dann gab es doch einige echte technische Bonbons zu entdecken. Davon abgesehen war Trend, dass keiner erkennbar ist. Jede Marke hat Neuheiten, meist zur Abrundung der Kollektionen, es wird Farbe bekannt, nicht nur Blau, sondern auch Grün, Braun oder Rot, gelegentlich sogar Gelb. Es wird mit neuen Materialien experimentiert, und immer mehr Hersteller ködern die Damen mit imagefördernder Mechanik in ihren Schmuckuhren.

          Die bemerkenswertesten Neuheiten beschäftigten sich mit dem Regulierorgan, der Hemmung. Das technische Highlight hierzu präsentierte uns Guy Sémon, Entwicklungschef von TAG Heuer. Der studierte Physiker, Luft- und Raumfahrttechniker ist die personifizierte Innovationskraft, denn er geht uhrmacherische Themen nicht von der uhrmacherischen, sondern auch von der wissenschaftlichen Seite an. Gemeinsam mit seinem jungen Team entwickelte er eine Technik, die er Pendulum nennt. Auf den ersten Blick handelt es sich um eine traditionell konstruierte Uhr, aber es fehlt die Spiralfeder, das Bauteil, das für die Präzision des Gesamtsystems gebraucht wird. Ihre Arbeit übernimmt ein Magnetfeld. Dieses System hier im Detail zu erklären, würde die ganze Seite füllen. Deshalb nur so viel: Es funktioniert. Wir haben es mit eigenen Augen gesehen. Und die Pendulum-Uhr ist schon zu haben: für 35 000 Euro.

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          Das Constant Escapement von Girard-Perregaux wird wohl dieses Jahr noch in Serie gehen. Hier rückt man der Problematik auf den Leib, dass die Spannung der Aufzugsfeder schon wenige Stunden nach Vollaufzug stark nachlässt. Dieses Federhaus ist klassischerweise direkt mit der Hemmung verbunden, die nachlassende Federkraft wirkt sich auf die Schwungweite der Unruh und damit auf die Ganggenauigkeit aus. Die Entwickler haben daher Federhaus und Regulierorgan entkoppelt. Herzstück ihres Systems ist eine Blattfeder aus Silizium, die wie ein S gebogen ist. Mit 14 Tausendstelmillimeter ist sie deutlich dünner als ein menschliches Haar. Diese Feder wird mit Druck beaufschlagt und springt ab einem bestimmten Punkt wie eine zusammengedrückte Spielkarte um - und gibt damit einen immer gleich starken Impuls auf die Unruh. Wer’s lieber klassisch mag, dem offeriert GP den 1966 Chronographen, einen Kurzzeitmesser mit einem neuen integrierten Säulenrad-Chronographenwerk GP3800, das sehr flach gebaut, weshalb die Uhr mit einer Gesamthöhe von elf Millimeter und 40 Millimeter Durchmesser sehr elegant wirkt - in Roségold mit Lederband für rund 35 000 Euro.

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