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Uhrenmesse Baselworld : Das Spiel mit der Zeit

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Omega: Speedmaster Mark II in modernem Retro-Design Bild: Hersteller

Die große technische Sensation ist zwar auf der größten Uhrenmesse der Welt ausgeblieben. Dafür nimmt die Modellvielfalt zu. Und der China-Hype ist vorbei.

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          Es gab zwar reichlich Premieren auf der Baselworld, aber die große technische Sensation ist ausgeblieben. Denn es hat noch lange nicht jede Marke in jeder Kollektion jede Komplikation, da ist im Grunde endlos Spielraum für Novitäten. Diesmal fiel auf, dass viele Uhren-Bestseller in verschiedenen Farbtönen auftreten: Die neue alte Modefarbe ist diesmal Blau, das auf Zifferblättern, Zeigern, Indexen und Armbändern auftaucht, nicht nur im direkten maritimen Bezug zu Taucheruhren.

          Anlehnungen an die eigene Geschichte präsentieren die Marken in Form von Vintage-Modellen, sportlich geht auch immer, dann bleibt es bei den großen Durchmessern bis zu 48 Millimeter, während die Gehäuse sonst wieder etwas kleiner und vor allem flacher werden. 2014 ist ein Jubiläumsjahr für etliche Unternehmen, die größte Feier dürfte zum 175. Geburtstag von Patek Philippe steigen. Das erste Geschenk ist der neue Messestand, eine Lichtvision des italienischen Architekten Ottavio Di Blasi. Er bringt die Konstruktion aus 120 Tonnen Stahl und 117 Glaselementen mit nicht weniger als fünf Kilometer LED-Bändern zum Leuchten und setzt so die gesamte Kollektion, die in den Vitrinen zu bestaunen ist, ins rechte Licht.

          Girard Perregaux: Dreifach-Tourbillon Bilderstrecke
          Girard Perregaux: Dreifach-Tourbillon :

          Das muss zunächst reichen, wie Sprecherin Jasmin Steele betonte: „Unser Geburtstag ist am 1. Mai, vorher wird nicht gefeiert.“ Das sehen Freunde der Marke und Sammler anders, sie freuen sich gewiss über den außergewöhnlichen Umstand, dass Patek Philippe heuer gleich zwei Komplikationsuhren im Stahlgehäuse präsentiert: die Referenz 5.960 mit Jahreskalender und Chronograph (41.320 Euro) und die Sportuhren-Ikone Nautilus in der Variante Travel Time Chronograph (Referenz 5990, 43.160 Euro).

          Tourbillon-Uhren mit drei Brücken pflegt seit fast 150 Jahren Girard Perregaux. Die „Drei“ spielt auch beim Messehighlight Tourbillon Tri-Axial eine wesentliche Rolle. Der traditionelle Drehgang wird hier zu einem kugelförmigen Gebilde, das sich ineinander verschachtelt um drei Achsen dreht. Die brillante Demonstration uhrmacherischen Könnens wird nur zehn Mal gebaut und wird wohl vor Messeende bereits ausverkauft sein (Preis 465.000 Franken). Zu den Jubilaren des Jahres 2014 gehört auch Oris, man begeht das 110-jährige Bestehen.

          Big Bang Unico 2014 World Cup Brazil

          Das geschieht, nachdem man 35 Jahre ausschließlich mit zugekauften Uhrwerken gearbeitet hat, mit der Vorstellung eines eigenen Werkes, das dem Anlass entsprechend auch Kaliber 110 heißt und eine Gangautonomie von satten zehn Tagen nach Vollaufzug aufweist. Es gibt jeweils 110 Exemplare im 43-Millimeter-Gehäuse aus Stahl (4.450 Euro) und Rotgold (11.900 Euro).

          Ein Jubiläum, das auf den ersten Blick nichts mit Uhren zu tun hat, ist die 20. Fußball-Weltmeisterschaft, deren Endrunde diesen Sommer in Brasilien ausgetragen wird. Die würdigt der Uhrenhersteller und FIFA-Sponsor Hublot mit der Big Bang Unico 2014 World Cup Brazil, einem Chronographen, mit dem der Fußballfan die Spielzeit selbst mitstoppen kann. Technikfans freuen sich an rückspringender Sekunde und Flyback-Funktion. Interessenten müssen schnell sein, denn es gibt nur 200 Exemplare in Keramik (20.300 Euro) und 100 in Gold (32.700 Euro).

          Ästhetisch gelungene Tradition

          Die vor 60 Jahren erstmals vorgestellte Navitimer ist nach Aussage des Deutschland-Importeurs Felix Trautmann immer noch die wichtigste Modelllinie in der Breitling-Kollektion, weshalb man in Basel gleich mit drei neuen Varianten aufwartete. Am meisten freuen sich die Fans gewiss über den neuen 46-Millimeter-Chronographen, bei dem das Manufakturkaliber B01 neuerdings durch einen Glasboden bewundert werden kann (6.870 Euro).

          Reichlich Tradition atmet der Glashütter Uhrenbetrieb, der 1955 seinen ersten Armband-Chronographen mit dem eigenen Kaliber 64 vorstellte. Unter der Marke Glashütte Original präsentieren die Sachsen nun stolz das neue integrierte Chronographenkaliber 37, eine konstruktiv wie ästhetisch gelungene Kreation. Premiere feiert das neue Uhrwerk in den Modellreihen Senator (in Rotgold 26.000, in Platin 45.000 Euro) sowie in der kissenförmigen Sixties (Stahl, 12.500 Euro).

          Auch für ambitionierte Taucher

          Ein neues Chronographenwerk hat auch die Schweizer Manufaktur Blancpain in petto. Das Kaliber F385 ist ein 5-Hz-Schnellschwinger (36.000 Halbschwingungen/Stunde), wie man ihn sonst vor allem bei Zenith findet. Das Chronographenwerk startet in der Fifty Fathoms Bathyscaphe (in Stahl 11 600, in Keramik 13.400 Euro), einer Taucheruhr, die erstmals Ende der Fünfziger vorgestellt wurde. Unter Wasser fühlt sich auch die neue Mühle Kampfschwimmer wohl. Sie entstand in Zusammenarbeit mit den Mitgliedern der gleichnamigen Bundeswehr-Einheit, die 2014 ihr fünfzigjähriges Bestehen feiert.

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