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Uhren-Genauigkeit : Schnelle Schwinger

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Vom Zehntel zum Tausendstel: Die Breguet Type XXII misst die Zeit auf die Zehntelsekunde genau Bild: Hersteller

Mit Erhöhung der Unruhfrequenz wollen einige Uhrenhersteller die Messgenauigkeit von Chronographen erhöhen und die Gangpräzision im Allgemeinen verbessern. Am schnellsten schwingt derzeit TAG Heuer.

          Mit dem Begriff Trend sollte der Journalist behutsam umgehen. Deshalb verkneifen wir ihn uns an dieser Stelle, auch wenn auf der Baselworld 2011 doch mindestens vier namhafte Uhrenhersteller neue Zeitmesser zeigten, deren Unruh schneller schwingt als branchenüblich (siehe Kasten). Die Beweggründe sind höchst unterschiedlich. Die einen beschleunigen das Uhrwerk, um die gestoppte Zeit in möglichst kleinen Einheiten darstellen zu können, die anderen sind schlicht auf der Suche nach höherer Ganggenauigkeit.

          Branchenkenner waren sich einig: Die TAG Heuer Mikrotimer Flying 1000 Concept war das unbestrittene Highlight der Basler Uhrenmesse. Sie ist der erste mechanische Chronograph der Welt, der Zeiten mit der Genauigkeit von 1/1000 Sekunde messen kann. Zur Anschauung: In dieser Zeit legt ein Formel-1-Bolide bei Höchstgeschwindigkeit rund zehn Zentimeter zurück. Um diesen horologischen Speed zu realisieren, braucht man nicht weniger als das schnellste mechanische Reguliersystem aller Zeiten, das mit einer Frequenz von 500 Hertz oder 3,6 Millionen Halbschwingungen je Stunde oszilliert. Auch hier wieder ein Vergleich aus dem Rennsport: Das ist dreimal so schnell wie der Kolben eines F1-Motors bei Höchstdrehzahl. Um diese unglaubliche Geschwindigkeit zu realisieren, mussten sich die Konstrukteure über einige Grundsätze der Uhrmacherei hinwegsetzen. So verzichteten sie beispielsweise auf die klassische Unruh, deren Massenträgheit für dieses Ultrahochfrequenzwerk viel zu hoch gewesen wäre.

          An ihrer Stelle tritt ein komplexes mechanisches System, das von einer enorm steifen Spiralfeder in Schwung gehalten wird. Dieses Schwingsystem wurde wie zehn weitere Neuentwicklungen in dieser Uhr zum Patent angemeldet. Zwar handelt es sich bei diesem Chronographen noch um eine Konzeptuhr ohne Serienreife, doch schmälert das die Leistung der Entwicklungsingenieure und Uhrmacher in keiner Weise. Wir haben uns überzeugt: Diese Uhr funktioniert. Eine feine technische Leistung, auch wenn das Ablesen der gestoppten Zeit zugegebenermaßen ein wenig schwierig ist und der praktische Nutzen eher gering. Schließlich bewegt sich die menschliche Reaktionszeit im Bereich von Zehntelsekunden. Sportliche Höchstleistungen von Menschen und Maschinen - etwa im Motorsport oder beim Skilauf - exakt zu messen wird also auch künftig eine Sache der elektronischen Zeitnahme sein, zu der TAG Heuer in der Vergangenheit auch schon maßgebliche Beiträge leistete.

          Misst aufs Hundertstel genau: der TAG Heuer Mikrograph 1/100th

          Über das Prototypenstadium hinaus ist der Mikrograph 1/100th, der in gut vier Wochen bei den TAG-Heuer-Konzessionären liegen soll. Allerdings in einer homöopathischen Dosis. Weltweit werden genau 150 Exemplare im Rotgoldgehäuse für 40.000 Euro verkauft. Es ist der erste mechanische Armband-Chronograph mit integriertem Säulenrad und der Messgenauigkeit einer Hundertstelsekunde, angezeigt von einem umlaufenden zentralen Stoppzeiger. Dazu kombiniert TAG Heuer zwei Unruhen, die mit 28.800 und 360.000 Halbschwingungen je Stunde oszillieren. Die langsame ist für die Anzeige der Uhrzeit verantwortlich, das unabhängig agierende Hochfrequenz-Räderwerk steuert die Kurzzeitmessung. Mit dieser Uhr zitieren die Schweizer ihre eigene Geschichte. Bereits im Jahr 1916 stellte Heuer den Mikrograph vor. Charles-Auguste Heuer, Sohn des Gründers Edouard Heuer, entwickelte die erste Handstoppuhr, die aufs Hundertstel genau war, weshalb das Unternehmen dann auch zum offiziellen Zeitnehmer der Olympischen Spiele 1920 in Antwerpen wurde.

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