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Tsunami-Warnsystem : Mit Delphinfunk vor Monsterwellen warnen

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Bild: F.A.Z.

Delphinfunk, also die akustische Datenübertragung mittels Ultraschall, ist das Kernstück des deutschen Tsunami-Warnsystems für Indonesien, dessen erste Komponenten derzeit im Indischen Ozean getestet werden.

          Ingenieure sprechen liebevoll von „Delphinfunk“. In dem Bezug auf die Kommunikationsmethoden der behenden Meeressäuger steckt nichts Abträgliches, sondern hohe Anerkennung. Warum sollte man nicht Bewährtes aus der Natur imitieren, um lebenswichtige Signale in Sekundenschnelle aus 6.000 Meter Wassertiefe vom Meeresboden an die Oberfläche zu bringen?

          Deshalb ist Delphinfunk, also die akustische Datenübertragung mittels Ultraschall, auch das Kernstück des deutschen Tsunami-Warnsystems für Indonesien, dessen erste Komponenten derzeit im Indischen Ozean getestet werden.

          Daß auch der Indische Ozean mit einem Tsunami-Warnsystem ausgerüstet werden müßte, hatten Geowissenschaftler schon seit Jahren gefordert. Sie wiesen darauf hin, daß die Küsten Ostafrikas, des südlichen Asiens und Australiens mindestens ebenso durch die tödlichen Monsterwellen gefährdet seien wie die Gestade des Pazifiks, in dem es schon seit mehr als 50 Jahren ein entsprechendes Warnsystem gibt. Spätestens nach der verheerenden Naturkatastrophe vom zweiten Weihnachtstag des vorigen Jahres sahen auch Politiker diese Notwendigkeit ein.

          Die Boje sammelt die Daten vom Meeresboden

          Eine technisch äußerst komplexe Anlage

          Die damalige rot-grüne Bundesregierung stellte daraufhin 45 Millionen Euro für ein Warnsystem für Indonesien zur Verfügung. In weniger als zwölf Monaten gelang es Wissenschaftlern und Ingenieuren von deutschen Forschungseinrichtungen und mittelständischen Unternehmen nicht nur, die Komponenten für ein solches System zu entwickeln und Prototypen zu bauen, sondern diese Geräte auch unter realistischen Bedingungen im Sundagraben vor der indonesischen Insel Sumatra zu testen.

          Ein zuverlässig arbeitendes Tsunami-Warnsystem ist eine technisch äußerst komplexe Anlage mit Komponenten an Land, an der Meeresoberfläche, auf dem Meeresboden und im erdnahen Weltraum. Die Grundlage für jede Warnung ist die Überwachung von Erdbeben, vor allem starker Beben mit Magnituden von mehr als 6,5 in küstennahen Gewässern. Dabei können die Forscher auf bewährte Technik zurückgreifen. Einerseits stehen ihnen zur Bestimmung der Epizentren und des jeweiligen Erdbebentyps die Meßdaten mehrerer globaler Seismometernetze zur Verfügung. Zur Verdichtung dieser Meßnetze an Land gibt es inzwischen Seismometer mit entsprechender digitaler Datenübertragung „von der Stange“ zu kaufen.

          Aber längst nicht jedes schwerere Seebeben in Küstennähe hat einen Tsunami zur Folge. Deshalb stellt sich den Geowissenschaftlern die Frage, wie man unmittelbar nach einem Erdbeben entscheiden kann, ob auf dem Meer ein Tsunami entstanden ist und wie stark er möglicherweise wird. Um Antworten zu erhalten, verließen sich die Forscher im Pazifik jahrzehntelang auf die Pegelschreiber in Häfen. Wenn diese Geräte eine Welle registrierten, wußte man, daß ein Tsunami entstanden war.

          Meßgeräte in 6.000 Meter Wassertiefe

          Allerdings war es dann für eine Warnung der Küstenabschnitte in der Nähe des Erdbebenherdes zu spät. Mit dem deutschen System will man aber vor allem die unmittelbare Nachbarschaft des erdbebenträchtigen Sundagrabens, also Sumatra und die vorgelagerten Inseln, warnen. Das geht jedoch nur, wenn Meßfühler direkt in das von Seebeben gefährdete Meeresgebiet gestellt werden. Für Indonesien bedeutet das: Die Meßgeräte müssen im Sundagraben aufgestellt werden, also in 5.000 bis 6.000 Meter Wassertiefe und bis zu 200 Kilometer von der Küste entfernt.

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