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Transport und Entsorgung : Wohin mit gefährlichen Lithium-Akkus?

Eine Lithium-Batterie eines Mittelklasse-Elektroautos Bild: John F. Martin

Der Transport beschädigter Lithium-Batterien ist wegen der Brandgefahr heikel, sie kommen deshalb in spezielle Behälter. Am Ende werden sie meist nicht recycelt, sondern verbrannt.

          5 Min.

          Die Akkutechnik macht auch ohne spektakuläre Neuentwicklungen rasche Fortschritte, für mobile elektrische Geräte und Fahrzeuge sind die Lithium-Batterien schon lange erste Wahl. Die zunehmende Verbreitung bringt aber auch einige Schwierigkeiten mit sich. Dazu zählt die Brandgefahr. Vor allem, wenn sie durch Fremdeinwirkung beschädigt sind, kann ein Kurzschluss entstehen, die Lagerung ist dann nicht sicher. Denn Lithium ist reaktionsfreudig, in Verbindung mit Feuchtigkeit entzündet sich das Metall. In Lithium-Ionen-Batterien liegt das Lithium zwar in gebundener Form und nur in geringer Menge vor, Problem ist aber die Temperaturentwicklung durch die hohe Energiedichte. Wenn also zunehmend Lithium-Stromspeicher mit hoher Kapazität im Straßenverkehr in Elektrofahrzeugen oder auch in Flurförderfahrzeugen verbaut sind, stellt sich die Frage: Wie wird ein bei einem Unfall beschädigter Akku sicher transportiert und entsorgt?

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Gebrauchte und unbeschädigte Blöcke können unter den gleichen und international gültigen Sicherheitsanforderungen wie neue transportiert werden, sie sind von den Vereinten Nationen (UN3480) und im europäischen Abkommen über Gefahrenguttransporte auf der Straße (ADR) definiert, ähnliche Regeln gibt es für andere Transportmittel. Sie können zum Beispiel inzwischen mit der DHL versendet werden. Kritisch sind aber solche mit mehr als einem halben Kilo Gewicht und einer mechanischen Beschädigung. Deren Transport ist in Deutschland nur unter den von der Bundesanstalt für Materialprüfung (BAM) festgelegten Bedingungen erlaubt, er muss dort angemeldet werden. Dass sie aus Unfallfahrzeugen kommen, ist noch selten, etwa 15 bis 20 Fälle schätzt Frank Krischok vom Fachbereich „Reaktionsfähige Stoffe und Stoffsysteme“ der BAM.

          Ein Transportbehälter

          Beschädigte Akkus fallen allerdings auch bei den Prüfinstituten an. Die Entsorgung  könne man sich wie ein Ampelsystem vorstellen, erklärt Krischok: Grün für geprüfte neue und verbrauchte Typen; Gelb steht für beschädigte, von denen aber keine gefährliche Reaktion zu erwarten ist, für sie gelten verschärfte Transportbedingungen. Rot steht für beschädigte Exemplare mit der Gefahr der Selbstentzündung. Die dafür zuständige Behörde, in Deutschland die BAM, gestattet den Transport im Einzelfall unter Auflagen. Das könne zum Beispiel vollständige Entladung sein, ein paar Tage Wartezeit oder gar Tiefkühlung, sagt Krischok. In jedem Fall aber muss der Behälter sicher und das Personal im Umgang mit dem Gefahrengut geschult sein.

          Von der BAM geprüftes Transportsystem

          Die Autoindustrie ist an einer Lösung des Transportproblems höchst interessiert, deshalb wurden Lösungen entwickelt. So betreibt die von den führenden Batterieherstellern und dem Zentralverband der deutschen Elektroindustrie ZVEI gegründete Stiftung Gemeinsames Rücknahmesystem (GRS) Batterien über ihr Tochterunternehmen GRS Service GmbH seit einigen Jahren flächendeckende Rücknahme- und Entsorgungssysteme für Lithium-Batterien, darunter auch solche aus Elektrofahrzeugen, und europaweit Branchensysteme für Batterien aus E-Bikes und stationären Speichern. Seit Mitte 2013 steht ein von der BAM geprüftes Transportsystem zur Verfügung, das auch die Entsorgung beschädigter großer Lithium-Batterien sicherstellt.

          Der modulare Aufbau des Behältersystems erlaubt den Transport beschädigter Lithium-Batterien bis zu 200 Kilogramm. Der von der GRS entwickelte Sicherheitsbehälter und der von der BAM genehmigte Logistikprozess seien damals die ersten ihrer Art in ganz Europa gewesen, erklärt Tobias Schulze-Wettendorf, der Vertriebsleiter der GRS. Das Konzept zur Erfassung von beschädigten Batterien sei inzwischen von anderen Dienstleistern übernommen worden.

          Sicherheitsbehälter, die die Anforderungen der BAM erfüllen, sind so konstruiert, dass der Akku notfalls kontrolliert abbrennen kann. Nach den Regeln des ADR dürfen die Kisten dabei außen nicht mehr als 100 Grad Celsius heiß werden, in der Praxis bleibt die Temperatur darunter. Die Behälter der Verpackungsgruppe I (hohe Gefahr) bestehen meist aus isoliertem Metall, und sie sind innen so ausgestattet, dass im Fall eines Brandes die thermische Energie aufgenommen wird,  zum Beispiel können sie ein Löschgranulat (Pyro Bubbles) enthalten.  Ob der Behälter für den jeweiligen Zweck ausreichend ist, klärt der Dienstleister mit der BAM.  

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