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Tonhalle Maag in Zürich : Eine Holzbox als musikalisches Gottesgeschenk

Die Tonhalle Maag mit pfiffiger Holzkonstruktion bietet einen verblüffenden Klang. Bild: dpa

Man höre und staune: Die Tonhalle Maag in Zürich ist ein großartiger Konzertsaal für vergleichsweise kleines Geld. Dabei wandten die Architekten einen Trick an.

          Im Gang hinter der Bühne steht die „Wall of Fame“, eine graue Wand, auf der sich die Musiker mit einem schwarzen Filzstift verewigen können. Wobei die „Ewigkeit“ in diesem Fall nicht lange dauern wird. Wer in der Tonhalle Maag in Zürich auftritt, der weiß, dass er dies wohl nicht allzu oft wird wiederholen können. Der Konzertsaal im früheren Industrieareal nördlich des Stadtzentrums ist nur ein Provisorium und soll eigentlich bald wieder verschwinden. Für drei Jahre bietet er dem renommierten Tonhalle-Orchester eine Bleibe, bis der angestammte Spielort, die berühmte, im Jahr 1895 erbaute Tonhalle saniert ist.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Umso bemerkenswerter ist, was auf der improvisierten „Ruhmeswand“ so zu lesen ist. Zwar hinterließen manche Gastmusiker wie die Pianisten Maurizio Pollini und Chick Corea nach ihren Auftritten nur ihre Unterschriften. Andere jedoch gaben ihrer Begeisterung darüber Ausdruck, wie sehr sie die Akustik und die Atmosphäre dieses Saals beeindruckt hat. „Ein großes Wunder“, schrieb der österreichische Stardirigent Franz Welser-Möst, der schon nach den ersten Proben kundgetan hatte: „Diese Halle ist ein Gottesgeschenk. Ich bin Feuer und Flamme für diesen Saal.“

          Spätestens seit dem Bau der Elbphilharmonie in Hamburg, die mit allem Drum und Dran sage und schreibe 790 Millionen Euro gekostet hat, dachte man: Wer einen Konzertsaal mit herausragend gutem Klang haben will, muss zwangsläufig Unsummen in die Hand nehmen. Doch man höre und staune, ausgerechnet die Schweiz, wo gefühlt alles mindestens doppelt so teuer ist wie in Deutschland, erbringt den Beweis des Gegenteils. Schmale 10 Millionen Franken (8,4 Millionen Euro) hat die Tonhalle Maag nach nur sieben Monaten Bauzeit gekostet. Umso überraschter waren Musiker, Zuschauer und Kritiker vom Ergebnis. „Der Maag-Klang ist großartig“ titelte die „NZZ am Sonntag“ nach den ersten Hörproben im September. Fast auf jedem der 1224 Sitze erlebe man die Unmittelbarkeit der Musik, schwärmte der Kollege. Der Klang sei voll, aber nicht scharf, und tue dem Ohr nie Gewalt an.

          Das Foyer der Tonhalle. Bilderstrecke

          Wie nur konnte es den Konstrukteuren gelingen, für so wenig Geld eine so brillante Akustik zu schaffen – noch dazu in einem rohen Industriebau aus dem Beginn des vorigen Jahrhunderts? Diese Frage weiß Ilona Schmiel am besten zu beantworten. Die Deutsche ist Intendantin des Tonhalle-Orchesters und war 2014 nicht zuletzt wegen dieses spannenden Umbauprojekts dem Ruf aus Zürich gefolgt. Zuvor war sie Intendantin des Beethovenfests Bonn. Ihr Büro liegt im dritten Stock des Verwaltungstrakts der Maag-Halle. Die riesigen metallgerahmten Einglasfenster und die mehr als fünf Meter hohen Decken zeugen von einer anderen Zeit; einst produzierte der Unternehmer Max Maag hier Zahnräder. Das rauhe Ambiente sendet aber auch Signale von Aufbruch, von Action.

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