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Thermostat reparieren : Dilemma in der Dusche

Mischer mit zwei Griffen nehmen, Einhebelmischer oder Thermostatarmatur? Bild: Hersteller

Was tun, wenn der Thermostat streikt? Ausbauen und Kartusche wechseln, sagt der Hobbyhandwerker und macht sich flugs ans Werk. Ein Versuch mit Folgen.

          3 Min.

          Im Neubau oder während der Renovierung kommt ein jeder an den Punkt, an dem es um die Entscheidung der Badezimmerarmaturen geht. Das ist keine triviale, denn es geht um Langlebigkeit, Komfort und meist mehr Geld als ursprünglich kalkuliert. Die Frage, ob es Billig- oder Markenware sein soll, ist rasch beantwortet. Grohe, Hans Grohe oder Dornbracht wird mehr Vertrauen entgegengebracht als unbekannten Anbietern aus Baumarkt oder Internet, in denen anfälligere Dichtungen und fragilere Bauteile vermutet werden. Rauschen, Schwergängigkeit und früher Verschleiß können die Folgen sein. Wichtig ist in jedem Fall, dass die das heiße Wasser führende Seite isoliert ist, sonst verbrennt man sich die Finger am Gehäuse, das wäre an der falschen Stelle gespart.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Dusche und Badewanne sind am schwierigsten zu entscheiden: Mischer mit zwei Griffen nehmen, Einhebelmischer oder Thermostatarmatur? Letztere sieht am schicksten aus und verspricht den größten Duschkomfort, gewünschte Temperatur einmal einstellen, fertig. Doch der Installateur rät ab. „Die Dinger gehen rasch kaputt. Nehmen Sie besser einen Einhebelmischer.“ Wir, entscheidungsfreudig, nehmen im Kinderbad den Einhebelmischer und für das feinere Hauptbad den Thermostaten. Grohtherm 2000 heißt das gute Stück, ein Bestseller, als Brausebatterie mit unverbindlicher Preisempfehlung von mehr als 400 Euro, bei Hornbach oder Megabad um 180 Euro zu erstehen.

          Mit etwas handwerklichem Geschick lässt sich der Thermostat binnen fünfzehn Minuten selbst montieren. Obacht: Nicht unnötig viel Kraft aufwenden, sonst besteht die Gefahr, das Gewinde der Wasserzuleitung zu verdrücken oder selbige zu beschädigen. Öffnet sich eine Lötstelle, wird es eklig, denn wasserführende Rohre löten ist eine Kunst, die selbst an Zinn und Gasbrenner erfahrene Bastler nicht leichter Hand beherrschen. Der Thermostat verrichtet hernach zuverlässig seinen Dienst, viereinhalb Jahre lang.

          Grohtherm 2000 heißt das gute Stück, ein Bestseller ... Bilderstrecke

          Das Unheil kündigt sich langsam an. Für den morgendlichen Aufweckschock ist das kalte Wasser erst zu warm, bis schließlich nur noch ganz heißes fließt. „Jetzt helfe ich mir selbst“, hieß einst ein guter Ratgeber, nach diesem Motto kann hier nur das Thermoelement defekt sein. Kurz wird erwogen, die gesamte Brausebatterie zu tauschen, doch die Muttern sitzen stramm, die Sorge vor Beschädigung der Wasserleitung oder der Wandkacheln ist groß. Eine Schnittzeichnung findet sich auf der Homepage des Herstellers, dessen Kundendienst überdies freundlich Ratschläge erteilt: „Die Einflüsse, die auf ein technisch so innovatives Bauteil wie ein Thermoelement wirken, können sehr vielfältig sein. Maßgeblich sind oft auch Einflüsse aus dem Leitungsnetz, wie Verschmutzungen und Verkalkungen. Was die genauen Ursachen bei Ihrem Problem sind, lässt sich eindeutig nur durch Austausch des Elements und anschließende Analyse erkennen.“ Also Ausbau.

          Der für die Temperatur zuständige Regelgriff muss abgeschraubt werden, darunter wartet eine gemeine Mutter. Größe 34. Steckschlüssel dieses ungewöhnlichen Formats führt weder der Baumarkt noch der Schraubenfachhandel, die Rohrzange ist aber keine Alternative, weil sie nicht richtig greift und die Kanten verdrückt. Der Internetversender Megabad schickt das Grohe-Originalwerkzeug für 25 Euro. Allerdings erst nach drei Wochen. Die neue Kartusche kostet weitere 75 Euro. Es ist erstaunlich, was alles im Internet angeboten wird, bei der Auswahl der Ersatzteile ist etwas Aufmerksamkeit geboten. Die alte Kartusche geht schwer raus, der Kalk hat ihr zugesetzt, doch irgendwann kapituliert sie.

          Beim Einsetzen der neuen ist penibel auf die vorgeschriebene Einbaulage zu achten, sonst stimmen die Anschläge für Heiß und Kalt nicht und auch nicht die mittlere Temperatur, die es gilt, mit einem Thermometer unter dem Wasserstrahl zu überprüfen. Justiert wird immer auf 38 Grad Celsius. Zudem ist auf die filigranen Siebringe aus Metall zu achten, rasch verkanten sie beim Einsetzen und reißen ein. Dann schneidet man sich daran den Finger und braucht zudem abermals ein frisches Ersatzteil. Ist alles wieder ordentlich verschraubt und das labberig konstruierte Abdeckplättchen eingeklinkt, sollte das Duschvergnügen aufs Neue beginnen können.

          Die forensische Untersuchung des alten Thermoelements fördert komischerweise keine Beschädigung oder übermäßige Verkalkung zutage, trotzdem ist es in Streik getreten. Die Vermutung, es sei innerlich zerfressen, teilt der Fachmann vom Grohe-Kundendienst nicht. Früher, klärt er auf, wurden Bimetallplättchen verbaut. Waren die herunterkorrodiert, regelte die Kartusche nicht mehr. Doch das ist lange her. Die Regelgeschwindigkeit war ohnehin nie zufriedenstellend, das Material anfällig. Seit den achtziger Jahren wird deshalb ein Dehnstoffelement verwendet, meist ein Wachskörper. Ein Regulierkegel trennt kaltes und warmes Wasser, indem er gegen das Kaltwasser „fährt“ oder öffnet. Was simpel klingt, ist ein ausgeklügeltes System aus Sieben, Schiebern, Spindeln, Druckfedern und Kanälen. In der so unscheinbar wirkenden Thermostat-Batterie von Grohe sind 19 Teile verbaut.

          Gift für sie ist die verbreitete Bequemlichkeit, den Temperaturwählgriff immer auf einer - seiner Lieblingstemperatur - stehen zu lassen. Dann kalkt er fest, und es bilden sich Ablagerungen im Gehäuse. Man sollte regelmäßig den Temperaturbereich abfahren, wie das die Fachleute nennen, also immer mal ganz heißes und ganz kaltes Wasser laufen lassen. Auf ewig währt die Freundschaft damit aber wohl trotzdem nicht. Grohe empfiehlt eine jährliche Inspektion, am besten durch den fachmännischen Installateur, der natürlich nicht umsonst kommt. Der etwas weniger schicke Einhebelmischer im Kinderbad funktioniert übrigens noch immer ohne Mucken.

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