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Thermoskannen : Heiße Angelegenheit

  • -Aktualisiert am

Kulturgut in Edelstahl: Robuste Isolierflaschen für den Einsatz unterwegs Bild: Hersteller

Seit mehr als 100 Jahren gibt es Isoliergefäße, die uns den Traum vom heißen Kaffee träumen lassen. Wie die Thermoskanne als genussverlängernde Maßnahme nicht nur die deutsche Kaffeetafel eroberte. Ein Blick auf Geschichte und Technik des Isolierens.

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          Geht es um unser liebstes Getränk, lehnen wir Kompromisse ab: Heiß muss der Kaffee sein, am besten stundenlang. Dass jeder von uns dafür die Natur überlistet, ist den meisten vermutlich gar nicht bewusst. Denn nur mit einem Trick können wir verhindern, dass die Natur das tut, was sie mit unterschiedlichen Temperaturen so tut: sie einander angleichen. Und zwar stets vom wärmeren Niveau ins kältere. Wäre es umgekehrt, kämen wir alsbald ziemlich ins Schwitzen. Das besagt der zweite Hauptsatz der Thermodynamik, und daran ist nun mal kein Rütteln. Also hilft nur eins: Isolierung.

          Seit mehr als hundert Jahren gibt es dafür Isoliergefäße, die uns den Traum vom immerwährend heißen Kaffee träumen lassen wie Anti-Aging-Cremes den der ewigen Jugend. Dabei wird natürlich längst nicht nur Kaffee in Isolierkannen gefüllt: Teefreunde schätzen die Vorzüge eines heißen Aufgusses unterwegs, und auch die eine oder andere kräftigende Suppe wird in der Thermoskanne transportiert.

          Hier dreht sich alles um den Frost

          Ein ganz anderer Einsatzbereich ist die sogenannte Kryotechnik: Hier dreht sich alles um den Frost („kryos“), also um die tiefsten Temperaturen unterhalb von etwa minus 150 Grad Celsius. Dafür werden unter anderem flüssiger Stickstoff und flüssiges Helium in geeigneten Isoliergefäßen gelagert. Wichtige Anwendungsbereiche sind Kernfusionsreaktoren, Teilchenbeschleuniger und die Schockgefrierung von Lebensmitteln.

          Thermoskannen in der Fertigung des Unternehmens Alfi in Thüringen
          Thermoskannen in der Fertigung des Unternehmens Alfi in Thüringen : Bild: Hersteller

          Ein wenig geschockt dürften auch die beiden Erfinder des Isoliergefäßes gewesen sein, als sie erfuhren, dass ein Dritter ihre Erfindung eiskalt für sich nutzte. Im Jahr 1881 beschrieb der deutsche Physiker und Chemiker Adolf Ferdinand Weinhold (1841-1917) das Prinzip einer „Vakuum-Mantelflasche“ für die Arbeit im Labor. Etwa zur gleichen Zeit entdeckte der Schotte Sir James Dewar (1842-1923), ebenfalls als Physiker und Chemiker tätig, denselben Effekt: Ein Vakuum zwischen Außen- und Innenwand eines Gefäßes verlängert dessen wärme- und kälteisolierende Eigenschaften. Im Jahr 1893 erfand Dewar schließlich ein doppelwandiges Gefäß aus verspiegeltem Glas, mit dem er flüssige Gase transportieren und lagern konnte. Dieses Gefäß wurde nach ihm „Dewar-Gefäß“ genannt und bildete den Vorläufer der heutigen Isolierkannen.

          Reinhold Burger (1866-1954) war ein deutscher Glastechniker, der nebenher einige Dinge erfand - teils im tatsächlichen Wortsinn, teils unter nicht immer freiwilliger Mitwirkung anderer. Eine Erfindung von ihm war die „Röntgenröhre“, die er im Jahr 1901 in Zusammenarbeit mit Conrad Röntgen entwickelte.

          Auch dabei kam ihm der Zufall zu Hilfe

          Parallel dazu begann Burger mit den damals neuen Isoliergefäßen von James Dewar zu experimentieren, als er deren alltags- und markttaugliches Potential erkannte. Auch dabei kam ihm der Zufall zu Hilfe: Der Eismaschinenhersteller Carl von Linde beauftragte ihn mit der Entwicklung eines Behältnisses, mit dem man minus 194,5 Grad kalte, verflüssigte Luft transportieren konnte. Das Ergebnis: eine Glasflasche in einem stabilen und gleichzeitig leichten Metallgehäuse - dazwischen befand sich das besagte Vakuum. Einen Rechtsstreit mit James Dewar entschied Burger für sich, so dass er sein neues Isoliergefäß mit einem Korken und einem aufsteckbaren Trinkbecher ausstattete, es „Thermoskanne“ und „Thermosflasche“ nannte sowie zum Patent anmeldete. 1906 gründete Burger in Berlin die „Thermos-Gesellschaft mbH“, die bald kräftig die Werbetrommel für das neue Wundergefäß rührte: „Ohne Chemikalien“ und „ohne Vorbereitung“, hieß es, halten Thermosflaschen „heiße Getränke 24 Stunden heiß, kalte Getränke auch an heißen Sommertagen ohne Eis tagelang eiskalt“.

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